Mönchengladbach: Gladbacher, liebt eure Stadt!

Mönchengladbach: Gladbacher, liebt eure Stadt!

Das Netzwerk "Neue Auftraggeber" stellt sich den Bürgern vor.

Es war ein Stoßseufzer, eine Hoffnung, ein Wunsch, den Johannes Jansen, Freimeister und Künstler, gegen Ende der Veranstaltung äußerte. Die Gladbacher sollten doch ihrer Stadt einmal so positiv gegenüberstehen wie etwa die Kölner, wünschte er sich und erhielt dafür spontanen Applaus. Etwa 30 Besucher waren ins Haus Zoar gekommen, um die Neuen Auftraggeber und ihr Angebot kennenzulernen. Ein äußerst spannendes Angebot, das am Ende dazu beitragen kann, dass die Gladbacher ihre Stadt tatsächlich wieder ins Herz schließen.

Neue Auftraggeber - so heißt ein Netzwerk, das es in Frankreich schon seit mehr als 30 Jahren gibt. Bürger formulieren Aufträge, Künstler setzen sie um, dazwischen stehen Mediatoren, die vermitteln und den Prozess moderieren. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn das Ganze ist ein Vorgang, der ganz andere Ergebnisse hervorbringen kann als die ursprünglich gedachten. In einem Dorf in Frankreich beispielsweise wünschten sich die verbliebenen wenigen Bürger eine Skulptur vor dem restaurierten Waschhaus. Der Künstler lehnte das ab, er wollte keine Kunst für ein sterbendes Dorf liefern, sondern das ganze Dorf umkrempeln. Am Ende entstand tatsächlich keine Skulptur, sondern ein See hinter dem Waschhaus mit einer Mauer, auf der Kernbegriffe des Dorfs formuliert waren. Wege waren umgelegt, Grundstücke und Mauern verändert worden, um das Dorf neu zu entwickeln. In einem anderen Fall ist eine Dorfschule komplett umgestaltet worden und dient jetzt als Modell für ländliche Entwicklung in Frankreich. In Pritzwalk in Brandenburg wurde ebenfalls auf die von den Bürgern gewünschten Skulpturen verzichtet, stattdessen wurden in Workshops die Bürger in künstlerische Aktivitäten eingebunden und so die Innenstadt neu belebt.

Was in Gladbach passieren soll, wo die Initiative nun in Kooperation mit dem Museum Abteiberg arbeiten, ist noch völlig offen. "Wir lernen die Stadt gerade kennen", sagt Gerrit Gohlke, der für die Steuerung der Projekte der Neuen Auftraggeber in Deutschland zuständig ist. Kathrin Jentjens ist die Mediatorin vor Ort, die schon seit November in der Region unterwegs ist und sich die Stadt und ihre Akteure genau ansieht. "Der Ort weckt die Fantasie, es geht darum, Phänomene zu erkennen und zu beschreiben", erklärt Gohlke die erste Stufe des Vorgehens. Wo beginnt man in einer Großstadt, die noch dazu wie Gladbach aus vielen Quartieren und Honschaften besteht? Die Besucher des Abends hatten viele Ideen: den Hochschulcampus entwickeln oder den Platz der Republik, die zum Abriss vorgesehene Brücke in Bettrath retten, die Altstadt neu beleben, einen Weg der poetischen Verbindung durch die Stadt schaffen, das Arbeitslosenzentrum in die Gestaltung einbeziehen, im Bunten Garten eine Begegnungsstätte schaffen.

Das Team der Neuen Auftraggeber, das in den ersten Phasen aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes finanziert wird, hörte aufmerksam zu und nahm die Hinweise auf. Wichtig ist für alle Projekte der Neuen Auftraggeber aber immer die Einbindung der Bürger, die in den Dialog mit den Künstlern treten. Deshalb der Stoßseufzer von Johannes Jansen. Ein solches Projekt funktioniere nur, wenn genügend engagierte Menschen zu ihrer Stadt stehen.

(RP)