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Mönchengladbach: Gladbacher Initiative gegen Rauchverbot

Mönchengladbach : Gladbacher Initiative gegen Rauchverbot

Wegen des strikten Rauchverbots bleiben in vielen Lokalen Gäste aus. In Gladbach regt sich neuer Widerstand gegen das Gesetz. Im Internet und bei Schützenfesten werden Unterschriften für eine Petition und ein Volksbegehren gesammelt.

Auf allen Volksfesten, auf denen sich Michaele Schneider zurzeit bewegt, sammelt sie Unterschriften gegen das strikte Rauchverbot. Allein beim letzten Schützenfest waren es Hunderte. "Die Hälfte der Unterschriften kam von Nichtsrauchern", sagt Michaele Schneider, die als ehrenamtliche Repräsentantin der Gisela-Remus-Stiftung viele Feste besucht. "Auch Nichtrauchern geht es gegen den Strich, dass Gastronomen mit dem neuen Gesetz bevormundet werden", sagt sie. Wirte und Brauchtumsvertreter sollten als Gastgeber selbst entscheiden dürfen, ob in ihren Lokalitäten geraucht werden darf oder nicht. Wie Michaele Schneider scheinen viele zu denken. Denn im Internet gibt es eine ständig wachsende Initiative, die sich mit einer Petition und einem Volksbegehren gegen das neue Nichtraucherschutzgesetz wehren will.

Auch Caroline Streblow vom "Richard Wagner" ist dabei. Viele rauchende Gäste haben bei ihr in den vergangenen Wochen gefragt, ob sie trotz des schlechten Wetters draußen sitzen dürften. "Als wir erklären mussten, dass die Außengastronomie nicht geöffnet hat, sind sie wieder gegangen", sagt sie.

Zehn Jahre lang haben in Hendryk Grönes "Bistro Henry's" Raucher und Nichtraucher einträchtig nebeneinandergesessen und gefeiert. Das geht seit dem 1. Mai nicht mehr. Wenn kein schönes Wetter ist, und die Gäste drinnen sitzen müssen, kommen viele gar nicht mehr. "Sie fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt", sagt Gröne. Tagsüber bleiben seiner Einschätzung nach 20 Prozent aller Gäste weg, abends 60 Prozent. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Nichtraucherschutzgesetz so treffen wird. Das ist eine unerwartete Katastrophe", sagt der Bistro-Betreiber.

Eckehard Kerbers Kneipe ist klein, eine typische Ein-Raum-Kneipe mit vielen Stammgästen. Er hat sich schon früh gegen die Einführung des neuen Nichtsraucherschutzgesetzes eingesetzt. Auch ihm haben einige gesagt: "Wenn ich beim Bier nicht mehr rauchen darf, komme ich nicht mehr." Die anderen gehen heute auf die Straße rauchen. "Aber wer draußen steht, trinkt weniger Bier. Das heißt für mich: weniger Umsatz", erklärt Kerber.

Gröne glaubt, dass der "große Knall" im Herbst kommen wird. Er selbst hofft, dass seine große Außengastronomie ihn über den Sommer retten wird. Aber es werde sicherlich Gastronomen erwischen, die ihr Lokal nicht mehr halten können. "Und es wird bestimmt auch Personal entlassen werden müssen", sagt Gröne. So sei das eben, wenn die Kosten weiterlaufen und die Einnahmen zurückgehen, "irgendwann kann man seine Rechnungen nicht mehr bezahlen".

Dass viele Kneipen sterben, will auch Gladbachs Dehoga-Chef Andreas R. Graf nicht ausschließen. Auch er sagt: "Die heiße Phase beginnt, wenn es wieder kühler wird. Dann wird sich zeigen, wer wirtschaftlich gut aufgestellt war." Der Verband habe schon vor der Einführung des strikten Rauchverbots vor den Risiken gewarnt. Graf glaubt, dass das neue Gesetz gesellschaftliche Veränderungen nach sich ziehen wird: Skatfreunde treffen sich nicht mehr in der Kneipe, sondern zu Hause, geselliges Zusammensein findet in der Gartenkolonie statt im Lokal statt. "Denn Innenstädten tut das überhaupt nicht gut. Es wird wohl einige Leerstände geben", sagt Graf.

Michaele Schneider hofft, dass noch etwas bewegt werden kann. Sie wird am 15. Juni auf jeden Fall bei der großen Demo in Düsseldorf gegen das Nichtrauchergesetz ab 12 Uhr dabei sein. Anfragen beantwortet sie unter michaeleschneider@web.de.

(RP/ac/top)