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Gladbacher HTC: Vorsitzender Frank Steimel über die Herausforderungen für den Verein

Vorsitzender des Gladbacher HTC : „In Sachen Ehrenamt sind wir ein reicher Klub“

Für seinen neuen Vorsitzenden soll der Gladbacher HTC leistungsorientiert, aber auch Breitensport- und Familienverein bleiben.

Seit kurzem hat der Gladbacher HTC, einer der größten Sportvereine der Stadt, einen neuen Vorsitzenden. Im RP-Interview spricht Frank Steimel über die Herausforderungen, denen sich Sportklubs stellen müssen und über die Aufgabe, weiterhin sowohl Breiten- als auch Leistungssport anzubieten.

Herr Steimel, Sie folgen als Vorsitzender des Gladbacher HTC auf den ehemaligen Welthockeyspieler Florian Kunz. Das dürfte sich ganz gut anfühlen, oder?

Steimel Das fühlt sich natürlich sehr gut an, auf der sportlichen Ebene geht es allerdings jetzt steil bergab (lacht). Nachdem Florian Kunz angekündigt hatte, dass er den Vorsitz aus zeitlichen Gründen einfach nicht mehr leisten kann, haben wir im Vorfeld lange diskutiert, wie wir den Verein nun aufstellen wollen. Wir kommen aus einer Zeit, in der in Henrik Schmidt und Florian Kunz zwei Sportler den Verein geführt haben. Nun haben wir gesagt, dass wir nicht wieder einen Topsportler an die Spitze stellen, sondern gewisse Dinge voneinander trennen. Wir haben jetzt einen geschäftsführenden Vorstand in der Mitte, der den Verein übergreifend führt und die strategischen Entscheidungen trifft. Die Führung der sportlichen Ressorts Hockey und Tennis ist weiterhin mit Fachleuten besetzt. Eine solche Aufstellung hatte der GHTC bis zum Jahr 2005, jetzt haben wir den Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung diesen Weg vorgeschlagen.

Insofern war der Wechsel lange vorbereitet?

Steimel Genau, wir haben im Grunde intern seit einem Dreivierteljahr Gespräche geführt, weil Florian Kunz uns sehr frühzeitig seine Entscheidung mitgeteilt hat. Das war eine faire Angelegenheit und wir hatten genug Zeit, um zu überlegen, wie wir den Klub bestmöglich für die Zukunft aufstellen. Ich persönlich war schon viele Jahre meines Lebens im Ehrenamt tätig, beispielsweise bei der Feuerwehr hier in Mönchengladbach aktiv. Und wer einmal Ehrenamt geschnuppert hat....

Wie sind Sie zum GHTC gekommen?

Steimel Durch meinen Sohn, der von klein auf Hockey spielt. Zunächst wollte er unbedingt Fußball spielen, aber dann sind wir letztlich doch beim Hockey gelandet. Und da ich dann immer am Trainingsplatz stehen musste, habe ich mir irgendwann gedacht, dass ich die Zeit rumkriegen muss, und habe mir einen Tennisschläger gekauft.

Wie haben Sie den Verein in der Zeit als Hockey-Vater und Tennis-Neuling wahrgenommen?

Steimel Als totalen Familienverein. Mit der Anlage, die wir haben, mit dem Schwimmbad und der Verbindung der möglichen Sportarten gibt es einfach ein gutes Gefühl, dass die Kinder beim GHTC gut aufgehoben sind, dass sie Sport treiben können und an der frischen Luft sind. Und wenn dann das eigene Kind ehrgeizig wird, hat es hier auch die Möglichkeit, sich zu entwickeln, da der Klub eben auch Leistungssport bietet. Das sind die beiden Möglichkeiten, die wir auch weiterhin wollen: Leistungs- und Breitensport.

Ist es schwierig, die beiden Richtungen zusammenzubringen?

Steimel Ich glaube schon, weil wir alle nicht im Geld schwimmen. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns professionell um Fragen von Sponsoring oder alternative Mehrwertmodelle für Klub und Unternehmen kümmern. Wenn wir auf den Hockeybereich schauen, müssen wir auch berücksichtigen, dass wir einen Standortnachteil gegenüber den Klubs aus den anderen großen Städten im Westen haben. Da müssen wir überlegen, wie wir den Nachteil so gut es geht ausgleichen. Insgesamt zeigen die Jugendbereiche jedoch starke Zuwächse im Tennis und Hockey. Durch die hervorragende Tennis-Schule haben wir einen ganz regen Zulauf, da sie einen richtig guten Job macht.  Gleiches gilt auch im Hockey, da wissen wir bei den Minis aktuell kaum noch, wie wir alle betreuen sollen. Die Herausforderung besteht darin, die Kinder und Jugendlichen über den wichtigen Zeitraum zwischen 13 und 18 Jahren im Klub halten zu können, um einen Unterbau zu haben, der auch die Leistungsbereiche unterstützt und Talente fördert.

Da sprechen Sie nicht nur die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche an, sondern auch die Konkurrenz durch andere große Westklubs.

Steimel Genau, denn es muss der Schlüssel sein, dass wir unsere Talente für die eigenen Hockey-Herren ausbilden. Denn wir können nur sehr bedingt Spieler kaufen, das ist in dem Umfang wie das andere Vereine tun, für uns einfach nicht möglich.

Sie haben das Sponsoring bereits angesprochen. Bislang haben der Tennis- und der Hockeybereich sehr für sich gearbeitet, weil es natürlich auch große Unterschiede zwischen den Sportarten und Wettbewerben gibt. Kann man das trotzdem künftig stärker miteinander verbinden?

Steimel Das ist eine super spannende Frage, die ich hoffentlich in vier Wochen besser beantworten kann. Sponsoring heißt ja nicht nur, einseitig Geld zu geben, sondern wir glauben, dass wir sowohl im Tennis als auch im Hockey interessante Menschen und potenzielle Talente für Firmen in Mönchengladbach in unseren Reihen haben. Unsere Hockey-Spielerinnen und -Spieler, die bei uns spielen wollen, suchen oftmals die Möglichkeit, vielleicht an der Fachhochschule zu studieren oder einen Job zu haben, der ein bisschen Geld zusätzlich bringt. Das ist ein Blick, den wir noch stärker einnehmen müssen, um gute Spieler an uns zu binden. Dies ist, wie bereits beschrieben, ein potenzielles Mehrwertmodell im sogenannten „war for talents“.

Ist das schwierig in Mönchengladbach?

Steimel Es ist auf jeden Fall viel Arbeit, weil wir nicht müde werden dürfen, Firmen anzusprechen. Ich glaube aber schon, dass es durchaus gerade viele mittelständische Unternehmen in der Stadt gibt, die Interesse daran haben.

Sind somit für Sie zunächst vor allem viele Gespräche zu führen?

Steimel Definitiv, sowohl innerhalb des Klubs als auch nach außen. Schatzmeister Michael Hölzle und ich sind neu in der Verantwortung. Da ist es logisch, dass wir uns erst einmal einen Überblick verschaffen. Und dabei haben wir eben nicht die sportliche Brille, sondern die allgemeine Klubbrille auf.

Ist das heutzutage besonders wichtig, da es immer weniger Ehrenamtler gibt und man viel dafür tun muss, dass die Leute in den Verein kommen?

Steimel Am Ende müssen sie eine faire Kalkulation haben, die sie auch offenlegen: Wie komme ich auf meinen Beitrag? Das haben die Menschen auch verdient, dass es vernünftig erklärt wird. Bei uns ist das recht einfach, da wir ein großes Gelände haben, das natürlich auch Kosten produziert. Das Gelände bietet aber auch einen Mehrwert für die Mitglieder, die familiäre Atmosphäre mit den Angeboten für die Kinder habe ich ja schon beschrieben.

Muss dieses Profil wieder stärker geschärft werden, nachdem es zuletzt mehr um die Tennis-Bundesliga und den Wiederaufstieg in die Hockey-Bundesliga ging?

Steimel Ja, wobei das nicht heißt, dass das Familiäre im Klub zu kurz gekommen wäre. Wir alle sind der Meinung, dass im Tennis und im Hockey ganz hervorragende Arbeit geleistet wurde. In den kommenden Monaten wird es auch unser Ziel sein, wieder in die Erste Feldhockey-Bundesliga aufzusteigen. Und da ist es auch richtig, mit wenig Ehrenamtlern die Kräfte zu bündeln, um diese Ziele zu erreichen.

Ist der GHTC in Ihren Augen ein gesunder Verein?

Steimel Aus der Perspektive Ehrenamtler sind wir ein reicher Verein, weil wir viele Mitglieder haben, die extrem gerne und extrem viel mit anpacken wollen. Wir hatten auch relativ schnell die Truppe beisammen, die wir den Mitgliedern als neue Führung vorstellen konnten. Da funktionieren wir sehr gut. Wirtschaftlich ist das wie in jedem Verein: Sie haben immer Beitragsdiskussionen. Wir haben nun mal eine eigene Anlage, die 20 Jahre alt wird und Kosten verursacht, dafür jedoch einzigartig ist. Und im Hockey-Segment haben wir eine Beitragsstaffelung, die vergleichbar ist, zu Vereinen mit ähnlichen Bedingungen.

Nun müssen Sie im Klub auch noch die Corona-Problematik händeln.

Steimel Und es wäre schön, wenn wir noch ein paar Optionen hätten, doch derzeit ist gar nichts möglich. Das trifft natürlich auch unsere Gastronomie, schließlich wären bei dem Wetter in zwei Wochen auch wieder die Tennisspieler auf die Anlage gekommen, genauso wie die Tennistrainer, die das hauptberuflich machen. Wir hoffen natürlich alle, dass unsere 900 Mitglieder wieder so schnell wie möglich auf die Anlage kommen und ihren Sport betreiben können, aber terminieren können wir das nicht.

Wo sehen Sie den GHTC in ein paar Jahren?

Steimel Wir wollen schon weiterhin eine klare Leistungssport-Orientierung haben, aber ebenso Breitensport- und Familienklub sein. Das sind unsere drei Hauptpfeiler, die wir sehen. Wir werden uns niemals nur in eine Stoßrichtung entwickeln können, dafür ist wirtschaftlich keine Grundlage zu bekommen. Das ist auch ganz klar. Zudem wollen wir zurück in die Hockey-Bundesliga und weiter Tennis-Bundesligist bleiben, weil wir auch der Meinung sind, dass dies die Kinder und Jugendlichen anzieht.

Da helfen mit Sicherheit auch Köpfe, wie es Mats Grambusch im Hockey oder Philipp Kohlschreiber im Tennis waren. Haben Sie da schon Nachfolger im Auge?

Steimel Im Hockey können wir uns sicherlich keinen Topspieler kaufen, den müssen wir schon selbst ausbilden. Aber vielleicht kann man auf der Nachwuchsebene auch mal wieder ein Talent nach Gladbach locken. Das Wichtigste ist jedoch die Durchlässigkeit, wir müssen jungen Leuten zeigen, dass sie bei uns Bundesliga spielen können. Wir lassen ja auch ganz bewusst immer wieder Spieler der männlichen Jugend B und A bei den Herren mittrainieren. Und es gelingt erstaunlicherweise immer wieder, dass die Leistungskurve dadurch nochmals deutlich nach oben geht. Für das Tennis-Bundesligateam konnte Henrik Schmidt vor kurzem die Verpflichtung von Cristian Garín bekannt geben, der aktuellen Nummer 18 der ATP-Weltrangliste.