Mönchengladbach: Gladbach will den deutschen Fahrradpreis

Mönchengladbach : Gladbach will den deutschen Fahrradpreis

Einen "Masterplan Nahmobilität" lässt die Stadt von Experten erarbeiten. Diese greifen dabei auf eine Vorgabe des ADFC zurück, der mit Bürgern ein virtuelles Radwegenetz entwickelt hat. Das ist für einen bundesweiten Wettbewerb nominiert.

Mönchengladbach ist eine Fahrradstadt. Wer dies vor einigen Jahren erklärte, musste sich viel Spott und Häme gefallen lassen. Von einer Auto-Vorrangpolitik über viele, viele Jahre war dann meist die Rede, die jeden Versuch, mehr Angebote in den Zentren für Radfahrer zu schaffen, den Garaus machte.

Nein, auch heute ist Mönchengladbach keine Fahrradstadt. Zumindest noch nicht. Aber jetzt bewirbt sich ausgerechnet die Gladbacher Gruppe im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) für den "Deutschen Fahrradpreis". Damit werden Projekte ausgezeichnet, die bahnbrechend und herausragend sind: Der ADFC hat mit vielen Bürgern ein virtuelles Radwegenetz für Mönchengladbach entwickelt. Dies ist für den "Deutschen Fahrradpreis" nominiert. "Wir rechnen uns gute Chancen aus", sagt Dirk Rheydt, stellvertretender Vorsitzender der Gladbacher ADFC-Gruppe.

Wenn die Juroren am Ende den Gladbachern den Preis überreichen sollten, dürfen sich mehr als 50 Bürger zu den Gewinnern zählen. Denn sie haben über das Internet-Portal www.knotennetz.de einen Mönchengladbacher Fahrradnetzplan entwickelt. Die Idee, die der ADFC mit der Werbeagentur "bidlyte" entwickelte, war simpel, aber wirksam. Die beiden Partner entwickelten diesen Knotenplan für die Stadt.

Das ist keine neue Erfindung, weil es Vergleichbares in vielen Kommunen gibt. Wer sich bisher das flächendeckende Knotennetz-Konzept anschaute, entdeckte zwei weiße Flecken: Gladbach und Krefeld. Radler, die etwa aus dem Kreis Heinsberg kommen und sich in Gladbach an den Knotennetzpunkten orientieren wollen, blickten sich vergebens um: Es gab sie in der Stadt nicht. Das haben die beiden strategischen Partner geändert. Sie stellten dabei schnell fest, dass sie die Hilfe von Bürgern benötigen. Es sollte eine Fahrradkarte entstehen, bei der jeder interaktiv Vorschläge für Knotenpunkte machen konnte. Die Resonanz war bemerkenswert: Es gab 242 Knotenpunkt-Vorschläge und fast 900 Kommentare. ADFC-Mitglieder radelten die Punkte ab, schauten sich alles genau an, diskutierten die Vorschläge und arbeiteten rund 80 ein - und fertig war der erste funktionierende Fahrrad-Knotenpunktplan. Drei Monate später war der vollständige Radwegenetzplan mit allen Strecken fertig.

Und auch die Stadt machte ihre Hausarbeiten: Der Rat brachte den "Masterplan Nahmobilität" auf den Weg und empfahl den externen Gutachtern, das vom ADFC und "bidlyte" entwickelte Netz zu nutzen. Voraussichtlich noch 2015 wird mit dem Masterplan begonnen. In den setzt ADFC-Funktionär Dirk Rheydt große Hoffnungen: "Damit können wir die Stadt voranbringen. Dafür müssen wir bereit sein, mehr Einbahnstraßen für Radfahrer freizugeben, Bettelampeln abzubauen und Radwege zu verbessern." Wenn Gladbach Mitte April den Deutschen Fahrradpreis bekäme, "würde dies bei Planern und Radfahrern für viel Rückenwind sorgen".

(RP)
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