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Mönchengladbach: Gladbach feiert ein Fußballfest

Mönchengladbach : Gladbach feiert ein Fußballfest

Rund 4150 Zuschauer verfolgten am Sonntag das Spiel der deutschen Damen gegen Kanada. Auf dem Kapuzinerplatz litten sie mit der Gladbacherin Lira Bajramaj und freuten sich mit der Mannschaft über den 2:1-Sieg.

Es ist voll auf dem Kapuzinerplatz, so voll, wie es wohl nicht einmal die Veranstalter der Fanmeile erwartet haben. Die Fans stehen und sitzen mit Fahnen, Schals und in Trikots auf dem Platz. 4150 Menschen hat die Polizei gegen 18.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Anpfiff des Eröffnungsspiels, gezählt. Viele tragen die Trikots der Nationalmannschaften – der Männer ebenso wie der Frauen. Da stehen Männer im Trikot der Nationalspielerin Birgit Prinz Seite an Seite mit Frauen, die sich das Shirt von Lukas Podolski oder Michael Ballack übergeworfen haben. "Wir sind beeindruckt von diesem wunderschönen Spiel", sagt Wera Steinhäuser, die mit ihrem Ehemann auf den Kapuzinerplatz gekommen ist. "Die Stimmung ist zwar noch nicht ganz wie bei einer Herren-WM", schränkt Markus Steinhäuser ein, "aber es ist schon richtig viel los hier."

Der Nachmittag war noch ein gemütliches Fanfest gewesen, bei dem vor allem Kinder Spaß hatten am Menschen-Kicker, auf dem Fußball-Rodeo und beim Torwandschießen. Eröffnet haben die Fanmeile die christlichen Kirchen. Der katholische Pfarrer Norbert Kaniewski gab beim ökumenischen Gottesdienst um 11 Uhr vor rund 200 Zuschauern den Anpfiff. Sein evangelischer Kollege Andreas Rudolph wies auf die Verbindung zwischen Fußball und Glauben hin: "Wie die Mannschaft ein Team ist und viele Spieler hat, so sind auch wir eine Mannschaft. Wir sind vom Teamgeist durchwachsen." Während der Fürbitten geht ein Ball mit Weltkugel durch die Reihen, der Gospelchor "Sound and Spirit" unter Leitung von Klaus Müßeler singt "We are the champions", "We are the world" und "Herr erbarme dich". "Geht hin in Frieden", sagt Pfarrer Kaniewski zum Abschied. Abpfiff zum Gottesdienst, Anpfiff zur Fansause.

Seit Wochen vorbereitet

Auf die haben sich Fußballfans in Gladbach schon seit Wochen vorbereitet. Heike Scheibe, Spielerin und U15-Trainerin der Sportfreunde Neuwerk, hat für ihre Mannschaft eine ganze Reihe an Fan-Utensilien besorgt. "Nur haben wir leider keine Karten mehr für das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Frankreich bekommen", sagt sie. Dafür wird ein großer Teil der Mannschaft die Partie zwischen Brasilien und Australien besuchen. "Und Brasiliens Star Marta live spielen zu sehen ist ja auch schon was", sagt Scheibe.

Die Fußballerinnen der Stadt fiebern dem Ereignis schon lang entgegen. Vor allem den drei Spielen, die in Mönchengladbach ausgetragen werden. "Ich habe mir für alle drei Partien Karten besorgt", sagt Anna Stroepen. Die 16-Jährige gilt als größter Deutschland-Fan im Frauenteam des SV Rheydt 08. "Ich habe kein einzelnes Idol. Während bei den Männern ein Messi heraus sticht, überzeugt die deutsche Mannschaft als Team", sagt Stroepen, die mit dem dritten Titel für die Deutschen rechnet. Das sieht Kornelia Jansen ähnlich. Die Stürmerin hat sich ebenfalls für alle Spiele im Borussia-Park Tickets gesichert. "Das war gar keine Frage", sagt die 46-Jährige, die die bisher fünf Weltturniere der Frauen alle verfolgt hat. "Für das deutsche Team wird der Druck so groß sein wie nie zuvor. Es ist erstaunlich, wie populär die Mannschaft geworden ist", sagt die ehemalige Bundesligaspielerin, die zu Beginn der 90er Jahre noch gegen die heutige Bundestrainerin Silvia Neid spielte.

Jubel auf der Fanmeile

Auch auf der Fanmeile ist die Begeisterung greifbar. Als in der 70. Minute Lira Bajramaj eingewechselt wird, freuen sich die Gladbacher, dass "ihre Lira" endlich zum Zug kommt. Einige Zeit später ist allerdings die Enttäuschung spürbar, als Bajramaj mehrmals in Folge den Ball an eine Kanadierin verliert. Der Stimmung tut das jedoch keinen Abbruch – immerhin gewinnen die deutschen Damen trotzdem und das Gegentor in der zweiten Halbzeit erhöht die Spannung auf dem Kapuzinerplatz noch. "Wir werden auf jeden Fall noch einmal kommen" – da sind sich Wera und Markus Steinhäuser einig.

(RP)