Aktion RP-Sommer: Gewinner klettern in ehemaliger Kirche

Aktion RP-Sommer: Gewinner klettern in ehemaliger Kirche

Seit 2009 gibt es in Waldhausen die Kletterkirche. Nun wagten sich fünf Leser unter professioneller Anleitung in die Höhe.

Luis nimmt die blaue Route. Er tastet und greift, zieht sich an einem der kleinen blauen Steine hoch, der rechte Fuß tritt in die Leere und findet kurz darauf Halt auf Blau. "Sehr gut", ruft Klaus Fasbender von weit unten. "Jetzt zuerst die Füße", schickt er hinterher, und Luis setzt den linken Fuß auf den letzen Stein, schon ist er oben. Ganz oben. 13 Meter - was für eine Aussicht!

Luis ist sechs Jahre und einer der Gewinner der Sommeraktion der Rheinischen Post. Gemeinsam mit vier weiteren Lesern traf er sich gestern in der Kletterkirche in Waldhausen. Sie alle wollen hoch hinaus, aus eigener Kraft bis unter die Kirchendecke, so wie Luis. Als der Sechsjährige wieder unten ist, setzt er sich erst einmal auf eine Bank, die Füße baumeln in der Luft, er schaut in die Höhe und sagt: "Von oben sehen alle ganz winzig klein aus."

Seit 2009 wird in der ehemaligen Pfarrkirche St. Peter geklettert, vor fünf Jahren wurde aus dem Gotteshaus die Kletterkirche. Klaus Fasbender war damals eine treibende Kraft. Er ist einer der beiden Geschäftsführer, aber dass er sein Projekt nicht bloß als wirtschaftliche Unternehmung begreift, wird deutlich, sobald er erzählt, wie sie im Radio von umgewidmeten Kirchen hörten und wussten, so könnte es etwas werden. Von seinem Job, den er gekündigt hatte, noch bevor die Verträge endgültig unterzeichnet waren. Von den Umbauten und den Herausforderungen des Denkmalschutzes. Sie fanden Lösungen. Die tragenden Säulen etwa ließen sie kurzerhand in die Kletterwand ein. "Für mich war klar, ich will das machen", erzählt er der Runde. Also machte er.

Seit fünf Jahren montiert Fasbender nun kleine bunte Steine, schafft ständig neue Routen, nach verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Katrin Hardt versucht sich an einer der dunkelgrünen Routen, die Farben geben an, welche Steine für den Aufstieg genutzt werden dürfen. "Dunkelgrün ist schon schwerer", sagt Klaus Fasbender, als sie los legt.

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Die 31-jährige Grundschullehrerin hat Sport studiert, einst spielte sie Fußball, heute Tennis. "Ich wohne in der Nähe und habe schon mal in die Halle geschaut." Geklettert aber sei sie nie. Mit Höhen habe sie es "nicht so", sagte sie vor dem Aufstieg. Nun ist sie fast oben. Es ist ein Kraftakt. "Ab der Hälfte habe ich gemerkt", dass mir die Knie zittern", sagt sie später. Und die Höhe, alles gut? Kein Problem, sagt Katrin Hardt. "Wenn man nicht herunter guckt, geht es. Und zum Gucken kommt man gar nicht."

Weil Klettern mehr ist als Gipfelstürmerei, lernen die Kursteilnehmer auch, einander zu sichern. 2100 Kilogramm hält ein Seil, erklärt Fasbender. Aber entscheidend ist natürlich, dass es einer hält. So steht nun Marcel Kauven unten und sieht zu, dass Lars Simons heile hoch und wieder runterkommt. Den Zehnjährigen zu halten, fällt dem 24-Jährigen nicht schwer. "Vor der Verantwortung habe ich Respekt", sagt er.

Klaus Fasbender hält, Lars Simons seilt sich ab. Die anderen schauen zu, wie es geht. Das Sichern ist so wichtig wie das Klettern, sagt Fasbender. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Auch Luis hat jetzt wieder ein Seil vor seinem Bauch gespannt und ist bereit für eine neue Route. Was darf es sein? Die blaue, rote oder orangene Route? "Ich möchte alle Farben klettern", sagt Luis. Das macht er dann.

(RP)
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