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Mönchengladbach: Gewaltfrei lernen: "Halt, schubs mich nicht"

Mönchengladbach : Gewaltfrei lernen: "Halt, schubs mich nicht"

Grundschüler trainieren sinnvolle Formen der Konfliktlösung. Das Projekt wird an insgesamt 22 Schulen in Mönchengladbach angeboten und ist auf zwei Jahre angelegt.

Jan Spicher schlurft mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf durch den Kreis der Grundschüler. Dann fragt der Konflikttrainer die Kinder, wie er gewirkt habe. "Ängstlich", rufen sie. "Schüchtern." Dann macht er ihnen einen Rambo-Auftritt mit herausgestreckter Brust vor, schließlich einen selbstbewussten Gang mit geradem Rücken. "Das nennt man Körpersprache", erklärt er ihnen.

Die Grundschüler der GGS Regentenstraße absolvieren ein Training, das gewaltfreie Konfliktlösungen lehrt. "Wir wollen Handlungsalternativen aufzeigen", sagt Konflikttrainer Jan Spicher, der für den Verein Gewaltfrei Lernen tätig ist. In Rollenspielen werden Situationen nachgespielt und Reaktionsmöglichkeiten ausprobiert. Was sagt die Körpersprache aus? Wie reagiert man richtig, wenn man Opfer von Aggressionen, Beleidigungen oder Ausgrenzung wird? Was macht man als Zeuge? Ein Junge und ein Mädchen führen eine Situation vor: das Mädchen schubst den Mitschüler zu Boden. Jan Spicher ruft zwei weitere Kinder dazu. "Wir bilden jetzt eine Mauer, nicht aus Steinen, sondern aus Körpern", sagt er. "Eine liebe Mauer." Dann zeigt er, wie man die Situation durch ruhige Sprache und entsprechende Handbewegungen entspannt.

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"Als wir von dem Programm hörten, gab es für uns keine Diskussion. Daran wollten wir als Schule teilnehmen", erklärt Beate Schweitzer, Schulleiterin der GGS Regentenstraße/Alsstraße. "Das ist wie ein Sechser im Lotto." Die Förderung der sozialen Basiskompetenzen unterstütze stark den späteren Lernerfolg. Zum Programm gehören drei jeweils zweistündige Trainingseinheiten pro Klasse plus Elternabend und Lehrerfortbildung. Die Aktion ist auf zwei Jahre ausgelegt, so dass das Ganze kein einmaliges Strohfeuer bleibt, sondern immer wieder ins Bewusstsein aller Beteiligten zurückgeholt wird.

Das Programm des Gewaltfreien Lernens wird insgesamt an 22 Grundschulen in Mönchengladbach durchgeführt. Finanziert wird es durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Spardabank und den Rotary Club, der den Löwenanteil schultert. Pro Schule kostet das Anti-Gewalt-Training 4000 Euro. "Das hätten wir uns ohne Unterstützung nicht leisten können", bedankt sich die Schulleiterin bei den Sponsoren. Möglicherweise wird das Programm sogar noch über 2015 hinaus finanziert. "Unser Antrag auf Förderung liegt bei Rotary International", sagt Rotary-Clubmeister Harald Vergossen. "Wir hoffen auf einen positiven Bescheid."

(arie)