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Mönchengladbach: Gesamtschule: Kämmerer legt Veto ein

Mönchengladbach : Gesamtschule: Kämmerer legt Veto ein

Die Hängepartie geht weiter: Vor der Wahl wird es wohl keine Entscheidung über den Standort der neuen Gesamtschule geben. Nun streiten auch noch Bude und Kuckels über das Thema. Derweil gibt es eine weitere Neubau-Variante.

Es war ein schöner Plan: Noch ein letztes Mal wollte die Verwaltung alle relevanten Fakten zusammentragen, damit der Schulausschuss kommenden Mittwoch in einer Sondersitzung — und damit noch vor den Anmeldungen fürs neue Schuljahr — entscheiden kann, wo in der Stadtmitte denn nun die vorerst nur provisorisch untergebrachte sechste Gesamtschule dauerhaft ihren Platz haben wird. Seit gestern ist die Vorlage der Verwaltung fertig und liegt der RP vor. Und obwohl sie eine Reihe spannender Neuigkeiten enthält, war eine Entscheidung wohl noch nie so fern wie jetzt.

Das hat gleich fünf Gründe, die zum Teil miteinander verwoben sind: Erstens sind Politik und Verwaltung weiter schwer damit beschäftigt, sich gegenseitig möglichst viel Schuld daran unterzuschieben, dass Lehrer, Schüler und Eltern gleich zweier Schulen nicht wissen, wie es weitergeht. Denn außer der Gesamtschule wartet auch die Geschwister-Scholl-Realschule, die möglicherweise mit der Gesamtschule ihre Gebäude tauschen soll, auf die Entscheidung. Die wäre längst gefallen — wenn nicht zwischendurch erst das Ampel-Bündnis und dann die Kostenschätzung unabhängig voneinander geplatzt wären.

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Zweitens sind die beiden bisher bekannten, umsetzbaren Lösungen etwa gleich teuer: Sowohl der bisherige Plan, zwei schon bestehende Hauptschulgebäude an der Aachener Straße zu verschmelzen als auch der Gebäudetausch mit der Geschwister-Scholl-Realschule würde die Stadt rund zehn Millionen Euro kosten. Die Verwaltung empfiehlt den Schultausch als wirtschaftlichste Variante. Drittens gibt es urplötzlich eine weitere Variante.

Architekt Dr. Burkhard Schrammen hat der Stadt angeboten, auf dem ehemaligen Schlafhorst-Gelände Platz für die Gesamtschule zu schaffen. Dafür könnte das alte Schlafhorst-Kasino umgebaut oder auf einem Teil des Parkplatzes zwei- oder dreigeschossig neu gebaut werden. Das soll — je nach Variante — zwischen 13 und 14 Millionen Euro kosten, wobei die Stadt auch den Neubau für gut eine Million Euro pro Jahr mieten könnte. Wie wirtschaftlich das ist, vermag die Verwaltung derzeit jedoch noch nicht abzuschätzen. Sie hofft nach Rücksprache mit Schrammen, in der Sondersitzung des Schulausschusses am Mittwoch, erste Hinweise auf Chancen und Risiken geben zu können.

Viertens zeigt die Vorlage, dass im kommenden Jahr noch keine echte Notsituation entsteht. Denn der nächste Jahrgang der Gesamtschule kann noch vergleichsweise problemlos im Gebäude an der oberen Aachener Straße untergebracht werden. Kämmerer Bernd Kuckels (FDP) will darum jetzt noch kein Geld freigeben, wenn dies erst ein Jahr später dringend erforderlich ist. Das hat er nach Informationen der RP auch Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) deutlich gemacht. Als Kämmerer hat er das Recht auf abweichende Meinung. Davon kann er zwar nicht im Schulausschuss, wohl aber im Hauptausschuss, wenn es um die Finanzplanung geht, Gebrauch machen — und will dies offenbar auch tun.

Fünftens wird in vier Monaten neu gewählt. Das macht Absprachen über Parteilager hinweg per se schwierig. Und es gibt im Rat derzeit schlicht keine Mehrheit für die Idee, die leidige Gesamtschulfrage endlich abzuräumen. Allein SPD und Grüne wollen zwingend sofort den Standort festlegen. Schließlich hatten sie die Einführung der Gesamtschule im letzten Wahlkampf versprochen und haben nun wenig Lust enttäuschten Eltern und Lehrern zu erklären, warum es noch immer keine befriedigende Lösung gibt. In allen anderen relevanten Parteien überwiegt die Zahl derer, die nach dem vollends vergurkten Prozess eine wohlüberlegte und vor allem wasserdichte Entscheidung haben wollen. Die neue Schrammen-Variante ist Wasser auf ihre Mühlen. Denn sie lässt sich solide nicht binnen weniger Tage bewerten.

So bleibt denn für Lehrer, Schüler und Eltern eine einzige gute Nachricht — die indes genau genommen eine Selbstverständlichkeit ist. Niemand in Politik und Verwaltung kommt auf die Idee, die sechste Gesamtschule infrage zu stellen. Dass die Schule auf jeden Fall einen vernünftigen Platz in der Innenstadt braucht und diese Lösung etliche Millionen Euro teuer wird, ist unstrittig.

(RP)