Mönchengladbach: Geroweiher: Schlaraffenland für Ratten

Mönchengladbach : Geroweiher: Schlaraffenland für Ratten

Am Fuß des Abteibergs huschen vermehrt Ratten rund um den Parkplatz und die Grünanlage. Einwohner vermuten, dass die Arbeiten an der Stadtmauer der Grund dafür sind. Die Pressestelle widerspricht. Köderboxen sind aufgestellt.

Auf dem Parkplatz am Geroweiher tummeln sich nicht nur die Menschen. Neben Berufstätigen und Passanten sausen auch Ratten durch das Gras und verschwinden zwischen den Sträuchern. Die Tiere scheinen sich rund um den Geroweiher besonders wohlzufühlen. Da schwindet der Wohlfühlfaktor auf dem Spaziergang durch den Park.

"Zahlreiche Ratten vergnügen sich ungestört auf den Grünflächen, Wegen und laufen über die Straße", beschwert sich eine Gladbacherin, die namentlich lieber nicht genannt werden will. Sie parkt jeden morgen am Parkplatz am Geroweiher und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Eine Anwohnerin am Geroweiher bestätigt diesen Eindruck: Vor allem, wenn die Kirmes dort gastiert oder am Wochenende laufen die kleinen Tiere gehäuft um den Parkplatz. Am Fuß der Treppe, die zum Münster hoch führt, scheinen die Nagetiere sich häuslich eingerichtet zu haben.

"Die Ratten am Geroweiher sind immer ein Problem", bestätigt Dirk Rütten von der Pressestelle der Stadt. Und bleiben eine Daueraufgabe für die Stadt. Das von der Stadt beauftragte Schädlingsbekämpfungsunternehmen legt im Geropark regelmäßig Köder in speziellen Boxen aus. Auch derzeit sind rund 15 Köderboxen aufgestellt, die sind nötig, damit nicht andere Tiere versehentlich vergiftet werden.

Diese Maßnahme hilft aber wenig, denn die Tiere finden ständig genügend anderes Futter. Hier sieht Dirk Rütten auch die Bürger in der Pflicht: Am Geroweiher werfen Passanten und insbesondere Altstadtbesucher ihre Essensreste weg. Die Ratten wähnen sich inmitten von Döner, Pizza und Pommes im Schlaraffenland. Auch eine vermeintlich gut gemeinte Geste lockt die kleinen Nager an: Die Passanten füttern liebevoll die Enten, doch auch die Ratten werden dadurch angelockt. "Außerdem ist es in Mönchengladbach verboten, Wildtiere zu füttern. Genau so wie in jeder anderen Stadt auch", sagt Rütten.

Die Bauarbeiten an der Stadtmauer seien nicht die Ursache für eine vermehrte Rattenpopulation. Diese trügen höchstens mittelbar dazu bei, dass die Ratten von Bürgern öfter gesehen werden, weil die Tiere durch die Arbeiten aufgescheucht werden. Die Ratten suchten bislang gerne in den Bodendeckerrabatten an der Stadtmauer Schutz. Außerdem wird die Rattenpopulation am Geroweiher ständig durch Heimtierhalter vergrößert. Diese setzen ihre als Haustiere gehaltenen zahmen Ratten aus, wenn sie diese loswerden wollen. Da diese domestizierten Ratten wenig Scheu vor Menschen haben, kann man sie auch über Tag durch den Park spazieren sehen.

2011 sorgten Ratten in der Innenstadt für Chaos: Sie knabberten Leitungen von Ampel-Signalanlagen an und durchfraßen zentimeterdicke Ummantelungen. Das Resultat: Die Ampeln fielen mitten im morgendlichen Berufsverkehr aus und bescherten den Autofahrern zusätzlichen Stress. In Großstädten bleiben die Ratten ein großes Problem - und ein von Menschen gemachtes.

(RP)