Mönchengladbach: Gegenwind für die neuen Windräder

Mönchengladbach : Gegenwind für die neuen Windräder

Das JHQ wird kein Windpark. Er eignet sich allenfalls für zehn Anlagen. Derweil verstehen im Westen die Bürger nicht, warum 150 Meter hohe Windräder ausgerechnet ins Landschaftsschutzgebiet sollen.

Schon mit ihrem Namen wollen sie zeigen, dass sie nicht einfach nur dagegen sind. Die Bürger, die sich gegen vier südlich des Hardter Waldes und nördlich des Buchholzer Waldes geplante Windräder aussprechen, haben sich zur "Bürgerinitiative Windkraft mit Abstand" zusammengeschlossen. "Wir haben überhaupt nichts gegen Windkraft. Wir wollen nur, dass sie an den richtigen Stellen eingesetzt wird", sagt Günter Heymanns. 500 Meter von Häusern entfernt in einem Landschaftsschutzgebiet ist für ihn eindeutig kein guter Standort. Und zwar, wie Heymanns beteuert, unabhängig davon, ob er nun selbst betroffen ist oder nicht. "Wenn die NEW auf die Idee käme, in Giesenkirchen Windräder in so geringem Abstand zur Bebauung aufzustellen, würden wir den Anwohnern dort helfen, sich dagegen zu wehren", sagt er. Bis zu 150 Meter hoch sollen die neuen Anlagen sein. "Zum Vergleich: Das Elisabeth-Krankenhaus ist das höchste Gebäude der Stadt und 61,60 Meter hoch", sagt Dr. Simon Lauter.

Die von der NEW in einem Flyer und zwei Bürgerversammlungen vermittelten Informationen haben die Skepsis nur größer gemacht. "Die Ansichten auf den Fotos waren perspektivisch stark verzerrt. Da fühlen wir uns verschaukelt", sagt Lauter. Die Initiative hat recherchiert, dass in anderen Ländern mögliche Gesundheitsschäden durch Infraschall sorgsamer beachtet werden als in Deutschland. Vor allem aber verweisen sie auf die geltende Beschlusslage in Mönchengladbach. "Erstens produziert unsere Stadt laut Regionalrat schon jetzt so viel Strom aus Windenergie wie keine andere in der Region. Zweitens ist vom Rat beschlossen worden, wo weitere Windräder gebaut werden könnten: in Wanlo und Piperlohof", sagt Michaela Heymanns. Tatsächlich müsste dieser Ratsbeschluss gekippt und der Flächennutzungsplan verändert werden. Hinter vorgehaltener Hand mutmaßt mancher Politiker, in Wanlo lägen womöglich die geeigneteren Flächen — die NEW wolle sich dort nach dem Bürgeraufstand gegen die geplante Biogasanlage nicht noch eine blutige Nase holen.

Der Prozess wird so oder so einige Zeit in Anspruch nehmen. Ende des ersten Halbjahres 2013 werden nach Auskunft des zuständigen NEW-Vorstands Dr. Rainer Hellekes die nötigen Gutachten vorliegen. Die prüfen, ob Fledermäuse beeinträchtigt wären und wie viel Schatten und Schall die Anlagen erzeugen. Erst danach wird die NEW den Bau bei der Stadt beantragen. Und erst dann wird sich die Politik positionieren. "Die Tatsache, dass an dieser Stelle nun untersucht wird, heißt nicht automatisch, dass wir am Ende beschließen, dass dort der richtige Standort ist", sagt Lothar Beine, Fraktionsvorsitzender der SPD. So weit sei man noch lange nicht. Allerdings halte er es für richtig, dass die NEW in regenerative Energie investiert, sagt Beine, der Aufsichtsratsvorsitzender des Versorgers ist.

Man dürfe nicht für die Stadt wichtige Erholungsflächen dem Profit unterordnen, sagt Günter Heymanns. Die Bürgerinitiative schlägt das JHQ als geeignetere Fläche für die großen Windräder vor. Doch das wird nicht, wie von manchem Politiker erhofft, zum großen Windpark werden. "Dort sind prinzipiell Windkraftanlagen möglich. Nach unseren Untersuchungen gehe ich aber davon aus, dass dort höchstens zehn solcher Anlagen entstehen können", sagt NEW-Vorstand Hellekes. Insofern brauche die NEW Platz für weitere Anlagen. "Die Energiewende nimmt Gestalt an", sagt Hellekes. "Gerne — aber nicht im Landschaftsschutzgebiet", sagt Heymanns.

(RP/top)
Mehr von RP ONLINE