Mönchengladbach: Gefälschte Knöllchen

Mönchengladbach: Gefälschte Knöllchen

Auf den ersten Blick sehen die Strafzettel, die in Rheydt an sechs Windschutzscheiben klebten, echt aus. Doch Peter Nagel wurde stutzig und forschte nach. Jetzt ist bestätigt: Die Knöllchen mit Kontonummer der Stadt sind gefälscht.

Als Peter Nagel von seinem Termin mit einem Kunden zu seinem Auto zurückkehrte, fand er ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer. 1500 Euro sollte er für vermeintliches Falschparken bezahlen. Nun, gut, dachte er zunächst, da hat jemand das Komma vergessen. Das sollen wohl 15 Euro sein. Doch dann sollte er etwas herausfinden, das äußerst seltsam ist.

"Ich stand auf dem Hof zwischen dem Realmarkt in Rheydt und dem neuen Ärztehaus. Dort parkten auch noch Handwerkerautos. Alle hatten einen Strafzettel am Wagen", berichtet der Geschäftsmann. Bei dem Knöllchen handelte es sich – so sah es zumindest auf den ersten Blick aus – um maschinell gedruckten Überweisungsträger der Stadtkasse Mönchengladbach. Doch Peter Nagel wurde stutzig, weil es drei Durchschläge gab. "Ich kenne die nur mit zwei Durchschlägen", berichtet er. Der Geschäftsmann forschte bei der Stadt nach. Im zuständigen Amt ließ man sich das Knöllchen zufaxen. Wenig später erhielt Peter Nagel die Bestätigung: Der Strafzettel ist gefälscht. Das angegebene Konto gehöre aber tatsächlich der Stadt.

Kassenzeichen gibt es nicht

"Eine dubiose Sache", das findet man offenbar auch in der Verwaltung. "Wir haben keine Ahnung, wer diese Überweisungsträger hergestellt hat, und wir wissen auch nicht, warum", sagt Stadtsprecher Walter Schröders. Die Knöllchen seien gefälscht, aber welche Absicht dahinter stecke, sei schleierhaft. Nutzen könne das eigentlich niemandem, sagt Schröders. Das Konto gehöre zwar der Stadt, aber das auf dem Überweisungsträger angegebene Kassenzeichen "0000 9999" gebe es gar nicht.

Da der Vorfall bekannt sei, werde man ein besonderes Auge darauf haben, versichert Walter Schröders. Falls tatsächlich jemand gezahlt habe oder das noch tun wird, lande das Geld bei der Stadt auf einem so genannten Verwahrgeldkonto, das regelmäßig kontrolliert werde. Alle fehlgeleiteten Überweisungen laufen hier auf. "Das passiert immer dann, wenn etwas nicht eindeutig zugeordnet werden kann, ein Aktenzeichen nicht richtig ist oder es Dreher bei Zahlenkombinationen gibt", sagt der Stadtsprecher. Die Mitarbeiter in der Buchungsstelle seien bereits informiert, auf Eingänge mit dem gefälschten Kassenzeichen zu achten. "Selbstverständlich wird das Geld an die Auftraggeber zurücküberwiesen", verspricht Schröders. Bis jetzt sei aber noch kein Betrag mit dem ominösen Kassenzeichen eingegangen.

Peter Nagel hatte sich schon die Frage gestellt, ob sich da vielleicht ein Mitarbeiter der Stadt einen "Hilfsfonds" eingerichtet hat? Auch bei der Stadt wüsste man gerne, wer die falschen Knöllchen verteilt hat oder noch verteilt. "Aber um den Schuldigen das Handwerk zu legen, müsste man ihn schon auf frischer Tat ertappen", sagt Schröders.

(RP)