1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Gaben Stimmen den Befehl zum Bankraub?

Mönchengladbach : Gaben Stimmen den Befehl zum Bankraub?

Die Erste Strafkammer des Landgerichts schloss sich gestern einem Sachverständigen-Gutachten an und ordnete die Unterbringung eines Roermonders (42) in einer psychiatrischen Klinik an. Der 42-Jährige , dem ein versuchter Banküberfall vorgeworfen wird, leide an einer paranoid-halluzinatorischen Psychose und es bestehe Wiederholungsgefahr.

Mit dem Fahrrad zum Bankraub

Tatsächlich war der 42-Jährige am 3. Juni mit einem Fahrrad aus Roermond nach Mönchengladbach gekommen. Dann war er, maskiert und mit einem Messer bewaffnet, in eine Bankfiliale am Alten Markt eingedrungen. Hier hatte er eine Bankangestellte bedroht und "Geld, Geld", gefordert. Das völlig verängstigte Opfer hatte ihm erklärt, dass es in dieser Filiale kein Bargeld gebe. Doch der Eindringling verlangte erneut "Geld". Erst, als ihm der Filialleiter ebenfalls zu verstehen gab, "hier gibt es kein Geld", verließ er die Filiale. Auf der Flucht wurde er von dem Filialleiter verfolgt und nach 300 Metern von der inzwischen verständigten Polizei festgenommen.

Nach den Aussagen eines Betreuers und des Vaters des 42-Jährigen wurde gestern klar, dass der Roermonder seit etwa 20 Jahren psychisch krank ist und unter "inneren Stimmen" leidet. Der Mann mit dem langen Rauschebart ist in den Niederlanden bereits zweimal wegen Bankraubes zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Auf seine psychotische Erkrankung hat die niederländische Justiz damals offenbar nicht geachtet. Einmal wurde er mit Medikamenten behandelt. Nach massiven Nebenwirkungen wollte er davon nichts mehr wissen. Auch gestern betonte der Beschuldigte, dass er lieber ins Gefängnis wolle: "Eine psychiatrische Behandlung lehne ich ab."

  • Explosion an der Rheydter Straße
    Prozess : Brandstifter bleibt in psychiatrischer Klinik
  • Symbolbild
    Moers : Moerserin droht dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie
  • Korschenbroich : Serieneinbrechern drohen lange Gefängnisstrafen

Offene Fragen beantwortete gestern der psychiatrische Sachverständige. Der 42-Jährige habe wahrscheinlich unter dem Einfluss von akustischen Halluzinationen gehandelt, als er in die Bank eindrang. Die Stimmen hätten ihm den Befehl erteilt. "Der Roermonder lebt gleichzeitig in einer realen und in einer Wahnwelt", sagte der Gutachter. Sein Zustand habe sich seit einem Jahr verschlechtert. Er konnte nicht mehr arbeiten und war völlig kontaktarm. Das Finanzamt verlangte eine Geldnachzahlung von ihm. Wahrscheinlich war das ein Tatmotiv für den Versuch, in Mönchengladbach Geld zu erbeuten, so der Gutachter. Der Niederländer müsse sich behandeln lassen. Aber der will lieber ins Gefängnis.

(RP)