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Mönchengladbach: Fußballspieler als Kunstakteure

Mönchengladbach : Fußballspieler als Kunstakteure

Bei ihrer sechsten Performance ließ Rosa Sijben unter der Skulptur "Flause" von Franz West Spieler des VfL Giesenkirchen agieren. Die waren nach einer halben Stunde nicht nur nass von Regen, sondern auch schwer begeistert von der Aktion.

Als die Mönchengladbacher Atelierstipendiatin in der Einladung zu ihrer sechsten im Rahmen des "Ahnungslosen Traums vom Park" stattfindenden Performance "survival of the fittest" schrieb, hatte sie sicher nicht die ebenso unerschrockenen wie fitten Gäste im immerhin warmen Dauerregen vor Augen, die mit festem Schuhwerk, Regenkleidung und Schirmen im Park warteten. Ein gutes Dutzend Kunstinteressierte war trotz der widrigen Wetterumstände der Einladung von Museumsleiterin Susanne Titz und Kurator Markus Ambach zu einer Führung gefolgt.

Titz und Ambach erläuterten mit hörbarer Begeisterung den "Ahnungslosen Traum vom Park" in all seinen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Phasen. Die aktuelle Phase wird als Interimsphase in einem "dauerhaften Diskussionsprozess" beschrieben. Begeistert berichteten Titz und Ambach über die gesellschaftlichen Prozesse, die vor drei Jahren angeschoben wurden und deren künstlerische Ergebnisse sich in den nächsten Jahren beispielsweise in einer Gestaltung des Platzes vor dem neuen Einkaufszentrum zeigen könnten.

Während des Rundgangs durch Skulpturengarten, Hans-Jonas-Park und die kleinen, scheinbar unscheinbaren Gassen wie der "Traumstraße", die durch den künstlerischen Eingriff von Alex Morrison durch die farbigen Laternen verwandelt wurde, machten die beiden Fachleute die Gäste auf viele Kleinigkeiten mit großer Wirkung aufmerksam. Bäume und Büsche im Park hinter dem Museum beispielsweise wurden gezielt geschnitten und gefällt, um Sichtachsen erneut wahrnehmbar zu machen. Ebenso wie die Pergolen, die von Hollein geplant und gebaut wurden.

Titz und Ambach nahmen die Gäste auf Wege mit, die selbst alteingesessene Mönchengladbacher zum ersten Mal bewusst gingen und lenkten immer wieder ihre Blicke auf Kleinigkeiten wie das Beet von Tanja Goethe, das sich seit 2012 entwickelt und in diesem Jahr durch die Konzentration auf Beinwell Anziehungspunkt für Bienen werden soll.

"Survival of the fittest" - dieser Slogan schien roter Faden des Samstags zu sein. Anlässlich der offiziellen Einweihung der Skulptur "Geozentrik" von Christian Odzuk - immer noch im warmen Sommerregen - begrüßte Kulturdezernent Dr. Gert Fischer die mittlerweile größer gewordene Gruppe von Gästen mit "Liebe Tapferen der Tapfersten" und sprach davon, dass "die Stadt Mönchengladbach dabei sei, sich neu zu erfinden". Die Kunst, so war zu hören "macht Vorschläge, mischt sich ein. Dann kommt die Realität". Eine gute Verbindung!

Und dann endlich: "Fittest" mit "These Beuys" - die sechste Performance von Rosa Sijben. Unter der Skulptur "Flause" von Franz West hatten sich sieben Fußballspieler des VfL Giesenkirchen mit ihrem Trainer versammelt, um ein halbstündiges Training zu veranstalten. "Rain or no rain, THINGS ARE HAPPENING today" hatte Rosa Sijben am Vormittag auf ihrer Facebookseite gepostet. Sie, die häufig mit Objekten arbeitet, die ein Eigenleben entwickeln, ließ nun anstelle von Bällen oder Sockeln die Männer agieren. Die waren nach einer halben Stunde nicht nur nass vom Regen, aber gemeinsam mit Rosa Sijben schwer begeistert von der Aktion.

(b-r)