Mönchengladbach: Fußballfan: Rädelsführer war ich nicht

Mönchengladbach : Fußballfan: Rädelsführer war ich nicht

Landfriedensbruch warf die Staatsanwältin dem Fußballfan vor. Doch der 25-jährige Viersener beschwerte sich. Zwar habe er sich am 22. Oktober 2007 an einem Fußballfan-Marsch beteiligt. "Aber ich habe nichts gemacht, bin doch nur im Block mitgelaufen", so der Angeklagte, der sich inzwischen ein dreijähriges Stadionverbot in Mönchengladbach eingehandelt hat.

Man habe ihn damals, als Mönchengladbachs Borussia gegen den 1.FC Köln spielte, wie einen Rädelsführer behandelt. Mit blauen Flecken habe er Stunden später die Zelle des Polizeigewahrsams verlassen dürfen.

Polizeikette gebildet

Ein Polizeibeamter, der an dem Oktoberabend im Einsatz war, erinnerte sich da ganz anders: "Wir mussten die beiden Fan-Gruppen, die Kölner und die Mönchengladbacher aneinander vorbeibringen." Schließlich sollte der Fußballspaß friedlich enden. Etwa 70 Beamte, unter Einsatz von Hunden und Pferden, hätten an dem Abend eine Polizeikette gebildet. "Doch dann mussten wir Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen. Die gegnerische Fangruppe wurde mit Gegenständen beworfen ", so der 52-jährige Beamte. Dabei sei ihm der Angeklagte aufgefallen, schwarz gekleidet und vermummt. Schließlich sei die Polizekette von den Fans durchbrochen worden.

Die Version "vom nur Mitlaufen" nahm der Zeuge dem Angeklagten nicht ab. Der 25-Jährige habe dafür gesorgt, dass einige der 1500 Teilnehmer des Fan-Marsches ihm in Richtung Kölner Fanblock folgten. Der Polizeibeamte informierte Kollegen. Der Angeklagte wurde festgenommen.

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Dessen Verteidiger war der Ansicht, der Fall sei durch Verfahrenseinstellung zu beenden. Dem widersprach der Richter. Schließlich sei der Fußballfan im vergangenen Jahr bereits von einem Bielefelder Gericht wegen Landfriedensbruchs zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Als der gelernte Chemiekant im Mönchengladbacher Stadion vermummt auftauchte, habe er bereits von dem Prozesstermin in Bielefeld gewusst.

"Sie wollten Randale", gab der Richter dem Angeklagten zu verstehen. Wegen Landfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz muss der 25-Jährige eine Geldstrafe von 2250 Euro (90 Tagessätze zu je 25 Euro) zahlen. Dass er damals tatsächlich als Rädelsführer agiert hat, ließ sich nicht eindeutig klären.

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(RP)
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