Fridays for Future: Wie Mönchengladbacher Schüler gegen die Klimapolitik demonstrieren

Fridays for Future : Wie Mönchengladbacher Schüler gegen die Klimapolitik demonstrieren

An der internationalen Klima-Demonstration am Freitag auf dem Rheydter Marktplatz beteiligen sich viele Schüler des Gymnasiums an der Gartenstraße – ohne zu schwänzen.

Alexandra ist sich sicher: „Wir sind die letzte Generation, die noch etwas ändern kann und das Thema Klimawandel ist mir extrem wichtig.“ Ihre Mitschülerinnen Angelina, Hanna und Meryem nicken. Die Klasse 7a des Gymnasiums an der Gartenstraße hat beschlossen, sich mit dem Klima zu beschäftigen. Ihr Klassenlehrer Jan-Henrik Buchholz unterstützt das, indem er das Thema im Englischunterricht behandelt. „Wir greifen auf, was von den Schülern kommt“, sagt er.

Die von der jungen Schwedin Greta Thunberg ins Leben gerufene Fridays-for-Future-Bewegung nimmt auch in Mönchengladbach langsam Fahrt auf. Waren es zu Beginn nur vereinzelte Schüler, die sich freitags statt in der Schule auf dem Rheydter Marktplatz einfanden, so wächst die Zahl inzwischen. Am heutigen Freitag ist zum Internationalen Schulstreik aufgerufen worden. Dabei sind auch die Parents for Future, eine parteiunabhängige Eltern-Initiative, die die Schüler unterstützt und auch Erwachsene auffordert, sich am Protest zu beteiligen. Auch das Aktionsbündnis Grüne Alte unterstützt den Protest der Jungen.

Der Streik der Schüler ruft auf politischer Ebene gemischte Reaktionen hervor: Die Bundeskanzlerin lobt die Schüler, der FDP-Chef kritisiert sie. Die Schüler des Gymnasiums an der Gartenstraße sind sich der Probleme, die ein Schulstreik hervorruft, bewusst und suchen nach Alternativen. „Ich war am Tag der Zeugnisausgabe bei der Demo“, sagt die zwölfjährige Angelina. An diesem Tag war früher schulfrei. Auch Oberstufenschülerin Zeynep Bicici, die sich engagiert an den Klima-Demos in Rheydt beteiligt, muss keinen Unterricht ausfallen lassen. „Ich habe freitags eine Freistunde“, sagt sie. Aber auch Fehlstunden seien für die Demos akzeptabel. „Man kann fehlen und den Stoff trotzdem lernen“, sagt sie. „Ich habe mein Studium jetzt genauso im Blick wie vorher“, sagt sie, „und ich verstehe auch, dass sich die Versammlungsfreiheit der Schulpflicht unterzuordnen hat. Aber wir müssen in dieser Stadt ein Zeichen setzen. Die Politiker gehen ihrem Job nicht nach.“ Sie wird auch bei der Demo um 11.30 Uhr auf dem Rheydter Markt wieder eine Rede halten – in der Freistunde. Die 7a und weitere Klassen des Gymnasiums an der Gartenstraße werden ihr zuhören, ebenfalls schulpflichtskonform. „Wir machen einen Unterrichtsgang“, sagt Lehrer Buchholz. Angewandter Politik-Unterricht sozusagen.

Während das Interesse der Mittelstufenschüler an den Klima-Demos groß ist, ist Zeynap über die Einstellung der Oberstufenschüler etwas enttäuscht. „Viele sind uninteressiert“, stellt sie fest. Um den Schülern die Teilnahme an den Demos trotz Schulpflicht zu erleichtern, haben die Organisatoren der Fridays for Future vor, auch Termine am schulfreien Nachmittag anzubieten. Auch an diesem internationalen Schulstreik-Tag gibt es die Möglichkeit: um 17.30 Uhr in Mönchengladbach (Hauptbahnhof).

Die Schülerinnen ziehen auch persönliche Konsequenzen. Nicht nur Zeynap achtet darauf, nicht so viel Auto zu fahren, weniger Plastik zu kaufen und selten Fleisch zu essen. „Keiner kann sagen, dass man nichts machen kann“, sagt Angelina.

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