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Mönchengladbach: Freispruch für Geisterfahrerin

Mönchengladbach : Freispruch für Geisterfahrerin

Weil ein Gutachter ihr eine seltene Krankheit bescheinigte, wurde eine 47-jährige Geisterfahrerin gestern freigesprochen. Erst eine Lkw-Blockade hatte die angetrunkene Frau am 11. Februar auf der A 52 stoppen können.

Als Falschfahrerin musste sich die Frau auf der Anklagebank gestern wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Widerstandsleistung gegen Polizeibeamte vor dem Mönchengladbacher Amtsgericht verantworten. Vorsätzlich und rücksichtslos soll die langhaarige, blonde Frau damals nach fünf Gläsern Wein und Champagner ihr Fahrzeug mit etwa 120 km/h entgegen der Fahrtrichtung über die A 52 gesteuert haben, so die Anklage.

"Ich weiß noch, dass ich verkehrt über die Autobahn gefahren bin", verteidigte sich die Angeklagte gestern. Sie wisse allerdings nichts davon, dass Fahrzeuge auf sie zugefahren seien. "Ich weiß nur noch, dass ich mich in mein Auto gesetzt habe und losgefahren bin", erinnerte sich die Kaarsterin.

Champagner und Wein

Bereitwillig schilderte sie die nächtliche Vorgeschichte. Zunächst habe sie mit Freundinnen in Köln zu Abend gegessen. "Dann waren wir in einer Disco in Düsseldorf und haben getanzt", erklärte die Angeklagte, die sich nach zwei Gläsern Champagner und drei Gläsern Wein "vielleicht leicht angetrunken" fühlte. Auf der Autobahn sei sie plötzlich "wie aus dem Schlaf aufgewacht", als sie Blaulichter und Polizeifahrzeuge vor sich sah.

Dagegen war eine 23-jährige Studentin noch im Gerichtssaal geschockt, als sie sich an die nächtliche Begegnung mit der Falschfahrerin am 11. Februar auf der A 52 erinnerte. "Mir kamen auf einmal zwei Lichter entgegen und rauschten an mir vorbei. Ich war sehr erschrocken", so die Kölnerin gestern im Gerichtssaal.

Auch weitere Autofahrer sollen von der Frau gefährdet worden sein. Polizeibeamte aus Mönchengladbach und Neuss erinnerten sich ebenfalls an die außergewöhnliche Begegnung mit der Falschfahrerin. Erfolglos versuchten sie, mit Lautsprecheransagen und Blaulicht die Frau zu stoppen. Vergeblich fuhren sie auf der anderen Autobahnseite neben ihr her. Dabei gelang es der 47-Jährigen, sich zwischen einem Polizeifahrzeug und der Leitplanke durchzuquetschen. Erst als die Beamten die Autobahn auch mit Hilfe von Lkw-Fahrzeugen sperrten, hielt die alkoholisierte Frau an der Anschlussstelle Kaarst Nord an.

Die Autofahrerin habe alkoholisiert und verwirrt gewirkt. Sie habe doch nur nach Hause gewollt und vergebens die Ausfahrt gesucht. Ein psychiatrischer Sachverständiger erklärte, die Angeklagte leide unter einer seltenen organischen Hirnerkrankung, einer vorübergehenden episodenhaften Amnesie. Dabei handele es sich nicht um eine Folge des Alkohols. Dann sei das Langzeitgedächtnis gestört. Dabei könnte die Angeklagte ihr Verhalten nicht mehr steuern, sondern nur noch impulshaft reagieren.

Staatsanwalt und Richterin schlossen sich dem Gutachten an. Am Ende sprach das Gericht die schuldunfähige Angeklagte frei, verfügte aber zugleich eine einjährige Sperre der Fahrerlaubnis.

(RP/rl)