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Mönchengladbach: Fotokunst: Wer bin ich? Wer könnte ich sein?

Mönchengladbach : Fotokunst: Wer bin ich? Wer könnte ich sein?

Trinker in Uniform, Geschäftsfrau in Business-Kleidung mit Smartphone, Piercerin: Studierende der Kulturpädagogik zeigen die Ergebnisse ihres Semester-Projekts. Es geht um Identitäten, um die Auseinandersetzung mit sich selbst.

Alles ist perfekt. Die Bilder hängen, die Gäste strömen in Scharen, es gibt Erfrischungsgetränke, Sekt und Selbstgebackenes, das mit betörendem Duft lockt. Reden werden gehalten, dann erklingt Musik. Eine Ausstellungseröffnung wie sie sein soll, allerdings nicht im Museum oder in einer Galerie, sondern in der dritten Etage vom Gebäude S auf dem Campus der Hochschule Niederrhein. Hier ist die Kulturpädagogik zu Hause. Hier wurde in den vergangenen Wochen ein künstlerisches Projekt von Studierenden des ersten Semesters unter der Leitung von Professor Theodor M. Bardmann und der Tutorin Julia Henn erarbeitet, das mit der Präsentation seinen Abschluss findet. Die Fotoausstellung trägt den Titel "Tridentität".

18 Studierende haben sich der Herausforderung gestellt. Wer bin ich? Wer war ich? Wie könnte ich sein? Wie möchte ich nicht sein? Jeweils drei Situationen inszenierte jeder Teilnehmer, ein Kommilitone nahm die Fotos auf. Kevin Efferz etwa zeigt sich in Uniform mit einem Bierhumpen in der Hand (38,5 Liter die Woche), als Arzt (60 Stunden die Woche) und ziemlich großkotzig an einem gelben Flitzer vor dem Gladbacher Stadion stehend (120 Existenzen die Woche). Sarah Smotrycki sieht sich als Geschäftsfrau in Business-Kleidung und Smartphone am Ohr, als Piercerin und als feine Dame der 20er Jahre.

"Diese Aufgabe erforderte viel Vertrauen zwischen Protagonist und Fotograf", sagt Julia Henn. Es mussten der richtige Ort, die passende Kleidung, die richtige Haltung, Mimik, das Licht gefunden werden. Beeindruckende Fotografien sind entstanden - sehr unterschiedlicher Art. Humoristisches, Anrührendes, Desillusionierendes.

Sogar einen kleinen Ausstellungskatalog haben die Studierenden erstellt. Im Vorwort wird das Projekt erläutert, dann folgen Abbildungen einiger Fotos, die in der Ausstellung zu sehen sind. Diesen sind Zitate zugeordnet. Etwa: "Fotografie lässt uns mittels Bewegungslosigkeit schweigend durch die Welt ziehen" von Jean Baudrillard. Oder: "Fotografieren bedeutet, teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen" von der Fotografin Susan Sontag. Auch: "Wir glauben nicht länger an die Objektivität der Fotografie, wohl aber daran, dass Fotografien in spezifischer Weise unsere Wirklichkeit sind" von Bernd Stiegler.

Theodor Bardmann bringt Dr. Jekyll und Mr. Hyde ins Spiel. Auch da geht es um Identitäten. Dr. Jekyll, der in seiner grenzenlosen Tugendhaftigkeit seine Neigung zur Lebenslust unterdrückt, die er nur als Mr. Hyde herauslassen kann. "Es geht dort wie hier in der Ausstellung um die gute und die böse Seite", sagt er. "Es wird markiert, inszeniert, ausprobiert." Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Und zwar noch bis Ende des laufenden Semesters.

(RP)