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Mönchengladbach: Förderschulen machen Zentren Platz

Mönchengladbach : Förderschulen machen Zentren Platz

Nach vielen Diskussionen und Kontroversen in den vergangenen Wochen schickte der Schulausschuss das Konzept der Verwaltung auf den Weg. Die Umsetzung der Inklusion lässt die Schülerzahlen an Förderschulen drastisch sinken.

Es sind viele Gespräche geführt worden - mit Lehrern und Eltern. Und in einem Arbeitskreis der Schulleitungen wurden große und kleine Bedenken ausgeräumt. Das teilte gestern Schulrat Martin König den Mitgliedern des Schulausschusses mit. Die hatten in der vorangegangenen Sitzung noch ausgiebigen Klärungsbedarf formuliert. Fragen wurden von Schuldezernent Dr. Gert Fischer und dem Schulrat gestern beantworten, Bedenken zerstreut. Am Ende votierten alle Fraktionssprecher einmütig für den nun eingeschlagenen schulpolitischen Weg.

Der sieht vor, die Anne-Frank-Förderschule, die Förderschule Rheydt, die Förderschule Wiedemannstraße, die Peter-Ustinov-Schule und die James-Krüss-Schule vollständig aufzulösen. Es gibt zwei Förderschulzentren mit insgesamt sechs Standorten. Das Zentrum Süd könnte seinen Hauptsitz in der alten Hauptschule Frankfurter Straße haben. Hier sollen Schüler der Klasse 1 bis 7 mit Unterstützungsbedarf in den Bereichen Sprache, Lernen sowie emotional-soziale Entwicklung unterrichtet werden.

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Als Dependancen sind die Förderschulstandorte Wiedemannstraße (Klasse 1 bis 7, Lernen, emotional-soziale Entwicklung) und Wilhelm-Strauß-Straße (Klasse 8 bis 10, gleiche Schwerpunkte) geplant. An der Von-der-Helm-Straße soll ein so genannter intensivpädagogischer Ort entstehen. Laut König ist angedacht, hier Kinder und Jugendliche zu unterrichten, die selbst einen Förderunterricht sprengen. Sie sollen in kleinen Gruppen temporär beschult werden.

Das Förderschulzentrum Nord sieht nach bisherigen Planungen so aus: Hauptstandort ist die Anne-Frank-Schule für Kinder der Klassen 1 bis 7 mit den Förderschwerpunkten Lernen und emotional-soziale Entwicklung. Am Standort Hehnerholt sollen Jugendliche mit den gleichen Schwerpunkten in den Klassen 8 bis 10 unterrichtet werden.

Und in der James-Krüss-Schule könnten Kinder Klassen 1 bis 7 in den Bereichen Sprache, Lernen sowie emotional-soziale Entwicklung unterrichtet werden. Auch im Zentrum-Nord soll es bei Bedarf einen intensivpädagogischen Ort geben. Der Standort soll dann bestimmt werden.

Die umfangreiche Umstrukturierung ist im Sinne des Inklusionsgedanken und war zudem, laut Gert Fischer, nötig geworden, weil die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen: Derzeit besuchen insgesamt 744 Schüler eine Förderschule mit den Schwerpunkten Sprache, emotionale und soziale Entwicklung sowie Lernen. Im Schuljahr 2019 / 20 werden es voraussichtlich noch 528 Kinder sein.

Der Planungszeitraum für die Umstrukturierung der Förderschulen endet im Schuljahr 2019 / 20. Auf lange Sicht werden voraussichtlich nur noch zwei Förderschulen benötigt, von denen eine im nördlichen und eine im südlichen Stadtgebiet liegen soll. Die Peter-Ustinov-Schule am Karl-Barthold-Weg mit Teilstandort Am Torfbend werden bereits zum Ende des Schuljahres 2014 / 15 aufgegeben. In den darauffolgenden Jahren könnten die James-Krüss-Schule an der Kabelstraße, die derzeitige Förderschule Hehnerholt am Heidegrund, die Förderschule Wiedemannstraße und die Rheydter Förderschule an der Wilhelm-Strauß-Straße geschlossen werden.

Wie die Schüler von ihren jetzigen Schulen auf die neuen Zentren mit ihren Teilstandorten verteilt werden sollen, hatte Fragen aufgeworfen. Es sei nicht sinnvoll, ausschließlich auf die Nähe der Schule zum Wohnort zu schauen, sagte gestern Schulrat Martin König. "Statt dessen sollten wir darauf achten, dass wir keine Freundschaften auseinenanderreißen oder Gruppen zerstören, die sich in den Klassen gebildet haben." Die sozialen Bindungen seien wichtig.

Die Schulkonferenzen der betroffenen Schulen hatten differenziert auf die Konzeptentwicklung reagiert. Der Tenor: Der Inklusionsprozess wird begrüßt, dennoch sei man davon überzeugt, dass auch in den kommenden Jahren eine Vielfalt von Förderorten in der allgemeinen Schule sowie in der Förderschule für individuelle Schullaufbahnen von Schülern mit und ohne sonderpädagogische Unterstützung bedeutend ist. So formulierte es etwa die Konferenz der Anne-Frank-Schule.

(RP)