Mönchengladbach: Flüchtlingszahlen sprengen Prognosen und Statistiken

Mönchengladbach : Flüchtlingszahlen sprengen Prognosen und Statistiken

Rechnerisch könnten in diesem Jahr 975 Flüchtlinge nach Gladbach kommen. Bis gestern waren es schon 330.

Im Jahr 2014 kamen fast 203.000 Flüchtlinge nach Deutschland, annähernd 76.000 mehr als im Jahr zuvor. Das entspricht einer Steigerung von 59,7 Prozent. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rechnet in diesem Jahr sogar mit bis zu 300.000 Flüchtlingen, die nach Deutschland strömen könnten. Städte und Kommunen wissen kaum noch, wie sie mit diesem Ansturm fertig werden sollen. Ständig wird nach neuen Flüchtlingsunterkünften gesucht. Der Druck auf die zuständigen Fachbereiche wächst.

Nach welchem Schlüssel weist die Bezirksregierung Arnsberg Flüchtlinge zu? Wie viel Prozent oder Promille von ihnen werden nach Mönchengladbach geschickt? "Nach Auskunft des Fachbereichs Soziales und Wohnen gibt es keinen offiziellen Schlüssel, mit dem man bundesweite Prognosen auf die Stadt herunterbrechen könnte", sagte gestern Stadtsprecher Wolfgang Speen.

Allerdings habe das Unternehmen KommConsult als Anbieter von mobilen Unterkünften 2013 eine Prognose entwickelt, wonach für 2014 ein Faktor von 0,00325 für Gladbach gelten sollte, der sich auf 90 Prozent der Einwohner und 10 Prozent der Fläche bezieht. Danach habe sich Mitte 2014 eine Prognose von 852 Flüchtlingen ergeben. "Tatsächlich kamen 838 Flüchtlinge nach Mönchengladbach, so dass die Prognose ziemlich genau zutraf", sagte Wolfgang Speen.

Sollten 2015 tatsächlich 300.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ergäbe sich für Mönchengladbach eine Zuweisung von 975 Menschen. "Ich bezweifle allerdings, ob diese Zahl in diesem Jahr zutreffen kann, zumal allein im Januar und Februar bis gestern bisher schon etwa 330 Flüchtlinge nach Mönchengladbach gekommen sind." Im Übrigen sei, so Speen, auch die Prognose für die bundesweiten Zahlen sehr vage.

Heute werden die ersten Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle Wanlo untergebracht. Bis zu 50 Menschen soll sie aufnehmen können. Auch in der Turnhalle an der Wilhelm-Strauß-Straße in Rheydt leben derzeit 50 Flüchtlinge. Aber nur noch für eine Woche. Und auch die Halle in Wanlo darf nur temporär genutzt werden. In zwei Wochen muss auch hier schon wieder geräumt werden. Wohin mit den vielen Menschen? "Wir sind jeden Tag auf der Suche nach neuen Unterkünften", sagt Speen. Entzerrt werde die Situation erst, wenn die Erstunterbringung im JHQ in Betrieb geht. "Wir gehen davon aus, dass das auf jeden Fall noch in diesem Jahr passiert."

Hier geht es zur Infostrecke: Was ist was - Begriffe zum Thema Flüchtlingsunterkünfte

(RP)
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