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Flüchtlingsrat ist in Mönchengladbach jetzt seit 30 Jahren aktiv

Rat feiert Geburtstag mit besonderer Aktion : 30 Jahre Arbeit für Geflüchtete

1991 wurde der Mönchengladbacher Flüchtlingsrat gefründet. In all den Jahren hat er viel für Geflüchtete in der Stadt bewirkt. Was der Verein jetzt vorhat und wie er sein 30-jähriges Bestehen angeht.

Dafür sorgen, dass Geflüchtete eine Wohnung bekommen, oder die medizinische Hilfe, die sie benötigen – das gehört zu den Aufgaben des Mönchengladbacher Flüchtlingsrates. Dieser setzt sich seit 1991 für die Interessen von Geflüchtete in der Stadt ein und hat in all den Jahren schon vielen Menschen geholfen und auch einige Umstrukturierungen im Umgang mit ihnen bewirkt.

Der SPD-Politiker Reinhold Schiffers ist heute einer der Vorsitzenden und gründete den Flüchtlingsrat damals mit. Er erinnert sich an seine ersten Erfahrungen im Umgang mit Geflüchteten in einer Zeit, in der eine Willkommenskultur in der Gesellschaft noch nicht verbreitet war: „Ich war damals Lehrer an einem Weiterbildungskolleg. Plötzlich kamen da Menschen, die Deutsch lernen und einen Abschluss machen wollten.“

Auch Freunde und Bekannte von ihm machten ähnliche Erfahrungen. Schnell wurde ihnen klar: Gemeinsam kann man mehr erreichen. So gründeten sie im August 1991 den Flüchtlingsrat Mönchengladbach. Eines der ersten Probleme, die dieser Zusammenschluss anging, war die Wohnsituation der Geflüchteten, erinnert sich Schiffers: „Sie wurden damals einfach in Bundeswehrzelten mit Dixi-Klos untergebracht.“

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Ein besonderer Höhepunkt für Schiffers sei es heute, wenn er Familienmitglieder der vor 30 Jahren hierher geflüchteten Tamilen jetzt erfolgreich in Berufen wiedersehe: „Dann trifft man plötzlich Leute von damals wieder, die heute Geschäftsführer von Supermärkten sind und deren Kinder Ingenieurswissenschaften studieren“, erzählt Schiffers begeistert. Auch auf struktureller Ebene konnte der Flüchtlingsrat über die Jahre einiges erreichen. Ein Erfolg war der Start von Lern- und Freizeithilfen für Kinder von Geflüchteten im Jahr 2000, gefördert durch die Stadt. 2010 wurde im Stadtrat die Bildung einer Beratungskommission für ausländerrechtliche Härtefälle gegründet, die sich um schwierige Einzelfälle kümmert: „Da haben wir lange drauf gedrängt, und es hat die Prozesse sehr erleichtert“, so Schiffers.

Ute-Helene Becker ist ebenfalls Vorsitzende des Flüchtlingsrates und erinnert sich noch an bewegende Einzelschicksale: „Wir hatten einen jungen Mann, der beide Beine bei einem Bombenangriff verloren hat. Er sollte einen Rollstuhl bekommen, aber unsere Krankenschwester hat dann dafür gesorgt, dass er vernünftige Prothesen bekommt und so ein selbstbestimmtes Leben führen kann.“ Fachkräfte, die sich in den einzelnen Bereichen auskennen, seien wichtig für die Arbeit des Flüchtlingsrates, betont sie. Deswegen brauche der Flüchtlingsrat unter anderem die Unterstützung von Medizinern und Juristen, die sich mit den komplizierten und sich ständig ändernden Rechtslagen rund um das Asylrecht auskennen.

Auf menschlicher Ebene habe man in all den Jahren kaum schlechte Erfahrungen gemacht, sagt Reinhold  Schiffers: „Man hat oft dieses Bild im Kopf von Rechtsextremen, die gegen Geflüchtete sind. Das kann ich aber nicht so bestätigen, wenn dann sind es wirklich Einzelfälle.“ Auch während des Flüchtlingszustroms 2015/16 sei die Erfahrung mit Leuten aus der Gesellschaft positiv gewesen: „Es gab so viele Leute, die sich für Geflüchtete eingesetzt und geholfen haben, dass wir fast dachten, wir könnten aufhören“, so Schiffers.

Zum 30-jährigen Bestehen des Flüchtlingsrates  gibt es eine besondere Aktion. Auf der Internetseite des Flüchtlingsrates ist 30 Wochen lang jede Woche ein Statement eines Ratsmitgliedes zur Arbeit des Flüchtlingsrates zu sehen. Den Anfang machte Oberbürgermeister Felix Heinrichs mit einem Bild, auf dem er ein Schild mit den Worten „Flüchtlinge in Mönchengladbach bereichern unsere vielfältige Stadtgesellschaft“ in die Kamera hält. Auch aktuelle und ehemalige Vereinsmitglieder des Flüchtlingsrates veröffentlichen in den kommenden Wochen ihre persönlichen Eindrücke aus der Arbeit. Monika Hintsches schreibt: „Warum ich den Flüchtlingsrat wichtig finde? Weil wir Menschen sind!“ Eigentlich waren zum Jubiläum noch andere Aktionen geplant, die durch die Corona-Beschränkungen aber vorerst abgesagt wurden. Man versuche aber, im Laufe der kommenden Monate noch weitere Aktionen und Veranstaltungen zu organisieren, verrät Ute-Helene Becker.