Mönchengladbach: Flüchtlingskinder backen für Obdachlose

Mönchengladbach : Flüchtlingskinder backen für Obdachlose

Im Übergangswohnheim an der Eickener Straße zog in den letzten Tagen zuckersüßer Duft durchs Treppenhaus. In einem Kellerraum wurde eifrig gebacken. Zehn Kinder und Simone Schüller formten wunderschöne Weihnachtskekse.

Jetmir und Bajran lachen verschmitzt. Zwischen all den Sternen, Herzen, Tannenbäumen und Kreuzen liegt etwas ausgesprochen Unweihnachtliches. "Das ist Goofy, den haben wir gemacht", rufen sie und klatschen in die Hände, dass das Mehl nur so staubt. Die Disneyfigur wird von den anderen Kindern bewundert. "Cool", sagt Zülfije. Die Sechsjährige kommt aus Aserbaidschan. Die Familie des siebenjährigen Jetmir stammt aus dem Kosovo, Bajran ist acht und kommt aus Mazedonien.

Im Keller des Übergangsheims ganz am Ende der Eickener Straße backen zehn Flüchtlingskinder mit Simone Schüller. Wie sehr die Mädchen und Jungen sie mögen, ist augenscheinlich: An der Wand hängt eine große gelbe Pappe - darauf der Name Simone und ganz viele Herzchen. Und wie sehr sie gebraucht wird, ist unüberhörbar: "Simone, guck mal!" - "Simone, hab ich das gut gemacht?" - Simone, ich habe keinen Teig mehr!"

Simone Schüller ist regelmäßig an der Eickener Straße, aber auch in der Baracke im Luisental und in anderen Flüchtlingsunterkünften. Die junge Frau arbeitet ehrenamtlich für den Flüchtlingsrat - mit viel Energie und riesigem Einsatz. Unterstützt wird sie von der Facebook-Gruppe "Obdachlosenhilfe/Gemeinsam für Menschen in Not", die sich für Obdachlose einsetzt.

Für den morgigen ersten Weihnachtstag hat die Facebookgruppe eine Feier für die Obdachlosen im Bruno-Lelieveld-Haus an der Erzberger Straße organisiert. Da wollen sie Geschenke verteilen - frisch gebackene Kekse, Mützen, Schals, Handschuhe, aber auch Tee, Instantkaffee, Zwieback und Hygieneartikel. 20 Plätzchentüten steuert Simone Schüller mit den Kindern bei.

Die letzten Kekse sind in Arbeit. Gufedane hat noch einen kleinen Klumpen Teig ergattert. Die Vierjährige schlägt mit ihrer kleinen Hand immer und immer wieder auf ihn ein. Die viel zu großen Handschuhe sind im Übereifer längst weggeflogen. Egal, weiter geht's. Mit dem Förmchen sticht sie einen Halbmond aus. Dann wird der Teig, dessen zartes Hellgelb sich nach und nach in ein lichtes Grau verwandelt hat, wieder platt gemacht. Und noch ein kleiner Mond. Noch mal schlagen. Noch ein Mond. Ende. Das allerletzte Blech wandert in den Backofen. Iljas würde allzugern von den Keksen naschen. Simone Schüller bremst ihn: "Iljas, du weißt doch, für wen die Plätzchen sind." Der Vierjährige nicht: "Für die Obdachlosen!"

Und gemeinsam mit den anderen Kindern bestäubt er die Monde, Sterne, die Weihnachtsbäume und den Goofy mit Puderzucker. Jeweils zehn wandern in eine Tüte. Festliches Schleifchen drum. Fertig.

(RP)