FIH Pro League belebt den Hockeypark in Mönchengladbach wieder

Hockey : Erinnerung an das Hockey-Fest von 2006

Am Freitag gibt es in der FIH Pro League das Double-Feature der deutschen Damen und Herren im Hockey-Park gegen die Niederlande. Vor 13 Jahren wurde Deutschland an selber Stelle Weltmeister. Es waren beeindruckende elf WM-Tage, die Stimmung trug den Gastgeber zum Titel.

Natürlich ist da Rivalität, egal wie groß der Ball ist. Wenn sich Deutschland und die Niederlande messen, geht es, in welchem Wettbewerb auch immer, ums Prestige. Am Freitagabend gibt es das Treffen der Nachbarn gleich zweimal im Hockey-Park: Zunächst treffen sich die deutschen Frauen mit „Oranje“, später sind die Männer dran. Dass sich das niederländische Team für die zuletzt erlittene 0:1-Niederlage in Rotterdam revanchieren will, ist logisch.

Wenn die Hockey-Giganten auf dem Gladbacher Kunstrasen aufeinandertreffen, kommen die Erinnerungen an die Weltmeisterschaft von 2006 hoch. Damals, im September und bei wundervollem Wetter, feierte das deutsche Hockey sein bisher größtes Fest: Mit dem 4:3-Finalsieg gegen Australien, bei dem die Gastgeber einen 1:3-Rückstand wettmachten, wurde Deutschland Weltmeister im eigenen Land. 13.000 Zuschauer im zum Bersten gefüllten Hockey-Park feierten sich mit dem Team die Seele aus dem Leib.

Was waren das für beeindruckende elf WM-Tage! Deutschland war nach dem Sommermärchen der Fußballer noch total im WM-Fieber. Und die Hockey-Männer spielten die ganze Klaviatur der Emotionen immer wieder rauf und runter, schon im ersten Spiel gegen Indien war es so, als der Schlussakkord den 3:2-Auftaktsieg brachte.

Natürlich gab es auch den Vergleich mit den Niederlanden. 2:2 endete er, weil Deutschland nach einem 0:2 zurückkam. Das Drama hatte ein Nachspiel. „Gab es eine Absprache mit Südkorea?“, fragte ein niederländischer Journalist nach dem 0:0 der Deutschen gegen die Asiaten, das beiden Teams das Weiterkommen und den Niederlanden das Aus bescherte. „Ich spreche kein koreanisch“, antwortete Bundestrainer Bernhard Peters in seinem stoisch-westfälischen Tonfall. Dieses torlose Treiben war ein der einzige sportliche Makel der WM, es hatte was vom „Gijon“ der Fußballer. In Spanien hatten sich Deutschland und Österreich mit einem Nicht-Angriffspakt 1982 den Zorn der leidtragenden Algerier zugezogen, nun fühlten sich die Niederlande betrogen von der Konstellation, dass ein Remis beiden reichte.

Ansonsten war die WM 2006 ein einziges Fest. Mehr als 100.000 Menschen sahen die 42 Spiele im Hockey-Park, 500 Berichterstatter aus aller Welt waren da, 42 Stunden des Ereignisses wurden im Fernsehen übertragen, nie zuvor wurde ein Hockey-Turnier umfangreicher im TV abgedeckt. Und nie waren Hockey-Spieler populärer als in diesen Tagen: Die „Bild“ taufte Torjäger Christopher Zeller den „Hockey-Klose“, in Anlehnung an Fußballer Miroslav Klose, auch Torhüter Uli Bubholz, der im Siebenmeterschießen des Halbfinals gegen Spanien zum Matchwinner wurde, war ein Held des Turniers. Oder Philipp Crone, der beim Turnier Rekordnationalspieler wurde (inzwischen hat ihn Matthias Witthaus abgelöst). „Das ist eine neue Dimension“, sagte die damalige Generalsekretärin des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), Uschi Schmitz.

Der Hockey-Park tat sein Übriges dazu: „Ein solches Stadion hatten wir vorher nicht“, sagte Schmitz. Es war auch die pure Emotion, die von den Rängen kam, die das deutsche Team immer wieder nach vorn peitschte, gerade im Finale, das wie schon 2002 in Kuala Lumpur gegen Australien gewonnen wurde. Fast jedes Spiel war eine Nervenschlacht – das schweißte Fans und Team zu einer verschworenen Einheit zusammen. „Dieses großartige Comeback der Deutschen war auch ein Verdienst des Stadions. So eine Stimmung habe ich noch nie erlebt“, sagte ein australischer Fan unserer Redaktion. „Gladbach trug die Elf zum Titel“, titelte die Rheinische Post.

Allerdings, und das ist wie jetzt bei der FIH Pro League: Die WM war kein Phänomen in ganz Gladbach, sondern nur im Hockey-Park. Jenseits des Stadions bekamen Unkundige nicht mit, dass es eine WM in der Stadt gibt, daran änderten die „Wir sind Hockey-Hauptstadt“-Fahnen und die Hockey-Kunstwerke nichts, die es überall in MG gab. Auch aktuell weist nichts darauf hin, dass einige der weltbesten Hockeyspieler in Gladbach sind.

Dass das neu geschaffene Turnier auch nur annähernd die Dimension der WM vor 13 Jahren erreicht, wäre vermessen anzunehmen. Trotzdem hofft der Hockey-Bund auf angemessen gefüllte Ränge. Gerade am Freitagabend, wenn es das prestige-trächtige Doppelpack gegen die Niederlage gibt. „Das ist einer der Höhepunkte der gesamten Runde. Auch das Spiel gegen Großbritannien wird hochattraktiv, aber gegen die Niederlande ist es wie beim Fußball, wenn Deutschland und die Niederlande aufeinandertreffen. Das sind zwar zwei völlig andere Spielsysteme, aber die Mannschaften kennen sich gut, und da ist immer Stimmung im Laden“, sagte DHB-Präsident Wolfgang Hillmann im Interview mit unserer Redaktion.

Die Stimmung im Hockey Park war bei der WM 2006 prächtig. Foto: Ilgner, Detlef (ilg)/Ilgner,Detlef (ilg)

Ein Hauch von 2006 wäre schön – und natürlich auch, wenn es für die Deutschen sportlich ebenso erfolgreich wird wie damals. Weltmeister können sie nicht werden. Aber es geht um die Olympia-Qualifikation 2020. 2016 in Rio de Janeiro holten die Hockey-Männer Bronze – durch einen Shoot-out-Sieg gegen die Niederlande. Die Frauen unterlagen „Oranje“ im Halbfinale, ebenfalls im Shoot-out. Rivalität garantiert Spannung. Auch am Freitag beim Double-Feature im Hockey-Park. Der hat schon gezeigt, dass er große Erfolge kann.

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