Mönchengladbach: Figaro – witzig und multimedial

Mönchengladbach: Figaro – witzig und multimedial

Regisseur Kobie van Rensburg inszeniert Mozarts meisterliche Intrigen-Komödie in einer "filmreifen" Bühnenfassung. Video-Projektionen beleben das Spiel. Ein vom Premierenpublikum bejubelter Saisonstart.

Eine Spitzenoper von Wolfgang Amadeus Mozart eröffnete würdig die Spielzeit im wieder in Betrieb genommenen Rheydter Haus des Theaters. Die Premiere war nicht nur ausverkauft, sie zog allerlei Interessierte an, die sich bestens mit der 1786 in Wien uraufgeführten Oper "Die Hochzeit des Figaro" auskennen: Da lauschte in der Saalmitte der künftige Generalmusikdirektor Mihkel Kütson, weiter hinten saßen Mikhail Lanskoi, der Graf Almaviva in Thomas Krupas Inszenierung von 1998; und auch Christoph Erpenbeck war da, der gefeierte Figaro der damaligen Spielzeit unter Intendant Jens Pesel.

Andere standen direkt auf der Bühne und sangen ihre Partien, die sie zum Teil auch 1998/99 schon zu verantworten hatten: Markus Heinrich als hinterfotziger Musikmeister Basilio, Debra Hays (diesmal als Marcellina, damals als Susanna), Walter Planté als Richter Don Curzio. Und am Cembalo begleitete, einfühlsam wie schon vor zwölf, 13 Jahren, Solorepetitor Robert Pazur.

Filmische Animationen

Doch der neue "Figaro" hat sonst mit dem alten keine weitere Ähnlichkeit. Der als Sänger weltberühmte Südafrikaner Kobie van Rensburg hat Lorenzo da Pontes Libretto famos auf Witz, Schrullen und auch ein paar gesellschaftskritische Hinweise abgeklopft. Und er setzt auf filmische Animation der auf wenige Elemente reduzierten Bühnen-Ausrüstung. Videoprojektion dient aber nicht nur zur köstlichen Unterhaltung — die schon mal vom Spiel ablenken kann —, sie hilft auch beim Verständnis.

Denn Mozarts Vierakter, der so unvergleichlich packend durchwebt ist von einer großartigen, höchst aussagekräftigen Musik, erschließt sich in der Originalwiedergabe auf Italienisch sonst nicht so leicht. Doch hier begleitet die lesbare Übersetzung, die sich von links nach rechts wie beim Lesen eines Buches entspinnt, stets den Gesang. Die Musik gibt dabei den sinnfälligen Rhythmus vor.

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Einmal wandern die Textzeilen bei einem Sextett elegant über den Köpfen der Singenden von rechts nach links und umgekehrt, um deutlich zu machen, wo die Singenden nach einem Ortswechsel stehen. Das ist glänzend gemacht!

Doch ohne das nicht minder aussagekräftige Spiel der Figuren, die der Regisseur in die 1920er-Jahre gebeamt hat, wie ihre Kostüme (Dorothee Schumacher, Lutz Kemper) zeigen, wäre dieser "Figaro" nicht der große Bühnenwurf geworden.

Die Zofe Susanna (Laura Nicorescu) und ihr Verlobter, der Kammerdiener Figaro (Andrew Nolen), Graf Almaviva (Tobias Scharfenberger), seine Ehefrau Rosina (Dara Hobbs) und der Page Cherubino (Susanne Seefing) sorgen für ein tolles bis tolldreistes Spiel.

Nolen verfügt über einen angenehm volltönenden, erdhaften Bass-Bariton, seine muntere Partnerin Laura Nicorescu spielte besonders in den rasant wechselnden Rezitativ-Dialogen, aber auch in Ensembles ihre lyrische Stärke aus.

Scharfenberger empfing den kräftigsten Szenenapplaus für seine Arie "Vedrò mentre io sospiro". Von den kleineren Partien gefielen besonders die Marcellina von Debra Hays und Markus Heinrich als Musikmeister Basilio.

(RP)
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