Mönchengladbach: Feuerwehrmänner legten Brände selbst

Mönchengladbach: Feuerwehrmänner legten Brände selbst

Wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung mussten sich gestern zwei frühere Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Sie hatten in mehreren Fällen Lauben und Papiercontainer angezündet.

Zu Prozessbeginn vor dem Jugendschöffengericht saßen die 22, 23 und 24 Jahre alten Männer noch nebeneinander auf der Anklagebank. Allerdings vermieden es die Angeklagten, Blicke miteinander zu wechseln. Erstaunlich, denn im vergangenen Jahr hatten sich der 24-Jährige und die beiden jüngeren Ex- Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr noch für gemeinsame Zündeleien begeistert, wie das Gericht am Ende urteilen sollte.

Schnell endete der Prozess für den 24-Jährigen. Der Mönchengladbacher, der sich nur bei einer Gelegenheit zusammen mit dem jüngsten Angeklagten im Sommer 2013 beim Anzünden eines Papiercontainers beteiligt hatte, kam wegen Sachbeschädigung mit einer Verfahrenseinstellung davon. Die beiden Männer hatten damals bei ihren "Feuerspielchen" Grillanzünder eingesetzt. Bei dem Brand des Containers entstand immerhin ein Schaden von 1500 Euro. Deshalb muss der 24-Jährige eine Geldbuße von 750 Euro zahlen.

Für die beiden Ex-Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ging das Verfahren hingegen weiter mit Zeugenaussagen und dem Gutachten eines Brandsachverständigen. Die beiden jüngeren Angeklagten traten die Flucht nach vorn an: "Alles, was in der Anklage steht, ist richtig", gaben die vor ihren Rauswürfen begeisterten Feuerwehrmänner zu. Laut Anklage sei es ihnen vor allem um das Löschen der gelegten Feuer gegangen. Bei allen Brand-Aktivitäten hätten sie immer gehofft und gewünscht, "dass die Berufsfeuerwehr zum Brandort gerufen wird".

So wurden im Juli 2013 ein leerstehendes Haus in Wetschewell, mehrere Gartenlauben und Papiertonnen angezündet. Es entstand hoher Sach-, aber kein Personenschaden. Die Ex-Feuerwehrmänner bestritten nichts. In den meisten Fällen hatten sie die Brände gemeinsam gelegt. Aber am 8. Juli 2013 hatte der 22-Jährige offenbar allein gezündelt. Dazu hatte er sich eine Papiertonne in der Firma ausgesucht, in der er selbst angestellt ist. "Papiertonne" klingt harmlos. Doch in der Lagerhalle der Rheydter Firma waren Tonnen mit feuergefährlichen Chemikalien gelagert.

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Glücklicherweise griff das Feuer damals nicht auf die Tonnen über. "Wenn das anders gekommen wäre, hätte die Feuerwehr nur noch Nachbargebäude schützen können. Dann wären Wände und Decken in die Luft geflogen. Die Gefährdungssituation wäre in dem Fall für die Anwohner und für die Rettungskräfte sehr groß gewesen", war sich ein Brandsachverständiger aus Neuss in seinem Gutachten gestern sicher.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe setzte sich für die kaum vorbelasteten Angeklagten ein. Aber Jugendstrafrecht komme für sie nicht mehr infrage. Die Brandstifter befinden sich zur Zeit in psychotherapeutischer Behandlung. Am Ende entschuldigten sich die Angeklagten sichtlich geknickt für ihre Taten - so etwas würden sie nie wieder tun.

Wegen dreifacher Brandstiftung und Sachbeschädigung in zwei Fällen verurteilte das Gericht den 22-jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Der 23 Jahre alte Komplize bekam mit einer Brandstiftung weniger die gleiche Strafe. Der jüngere Mittäter hatte sich noch des "Herbeiführens einer Straftat" schuldig gemacht, als er in der Nähe der Chemikalien zündelte. Die Ex-Feuerwehrmänner müssen die Strafen nicht verbüßen. Diese wurden zur Bewährung ausgesetzt. Aber der Jüngere muss eine Geldbuße von 300 Euro zahlen, und der Ältere muss 150 Arbeitsstunden leisten. Den Schaden müssen beide wieder gutmachen.

(RP)
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