Mönchengladbach: Feuerwehr rückt 110 Mal am Tag aus

Mönchengladbach : Feuerwehr rückt 110 Mal am Tag aus

Bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2012 erklärte Feuerwehrchef Lampe auch, warum Fehlalarme ihr Gutes haben.

Geht man streng mathematisch vor, müsste die Gladbacher Feuerwehr (Telefon 112) eigentlich die Notrufnummer der Polizei (Telefon 110) bekommen. Denn sie rückte im vergangenen Jahr im Schnitt genau 110 Mal pro Tag aus, zu insgesamt 40 211 Einsätzen. Das waren deutlich mehr als im Vorjahr (38 490), die Zahl pendele aber meistens um die 40 000er-Marke herum, sagt Feuerwehrchef Jörg Lampe; mit Ausschlägen mal in die eine, mal in die andere Richtung. Was aber kontinuierlich und deutlich zunehme, sei die Zahl der so genannten technischen Hilfeleistungen, speziell bei Unfällen — und immer häufiger auf Autobahnen, insbesondere mit Beteiligung von Lkws. "Wir sind mittlerweile jeden dritten Tag mit einem technischen Zug auf einer der Autobahnen im Einsatz", sagt Lampe.

Insgesamt war 2012 für die Wehr jedoch ein "relativ ruhiges Jahr". Mit einigen allerdings herausragend spektakulären Einsätzen, etwa bei der Massenschlägerei von Bandidos und Hells Angels in der Nacht auf den 22. Januar. 670 Mal rückte die Wehr zu Bränden aus, deutlich seltener als in den vier Jahren davor. Allerdings waren darunter mehr Großbrände (sieben) als in den Vorjahren. Die Zahl der Verletzten bei den Bränden ist gesunken (46), allerdings gab es, anders als 2011, wieder einen Brandtoten zu beklagen.

Über die "Landesweiten Konzepte" ist die Feuerwehr zudem häufiger (und vor allem koordinierter) als früher überörtlich im Einsatz — beispielsweise bei dem Großbrand in einer Krefelder Düngemittelfabrik und den zum Teil spektakulären Bombenentschärfungen in Viersen und Dortmund.

Bedenklich stimmen könnte die Zahl von 827 Fehlalarmierungen, nach denen die Wehr 2012 ausrückte. Diese Zahl hat im Laufe der Jahre stetig zugenommen, insbesondere der Wert der "böswilligen" Fehlalarmierungen (23 in 2012 gegenüber vier in 2009). Fehlalarme seien aber nicht grundsätzlich schlecht, sagt Lampe. Sie seien häufig auch ein Anzeichen dafür, dass Nachbarn sich Sorgen machen, wenn etwas merkwürdig wirkt. "Speziell durch die Verbreitung von Handys haben wir auch immer öfter Fehlalarme von der Autobahn, wenn Autofahrer etwa ein Auto am Straßenrand stehen sehen." Früher habe man dafür bis zur nächsten Notrufsäule fahren müssen, heute sei der Anruf schnell getätigt. Und durch die Rauchmelderpflicht ab 1. April gehe man davon aus, dass die Zahl der Fehlalarme weiter zunehmen werde — auch das nehme man aber gerne in Kauf.

Im Folgenden ein Überblick über einige der spektakulärsten Einsätze der Feuerwehr im Jahr 2012:

18. Januar Weil eine Tanne beim Fällen statt in einen Hinterhof in Richtung Dahlener Straße fiel, musste die Wehr den Baum sichern und zerkleinern.

4. Februar Nach einem verheerenden Verkehrsunfall auf der Hohenzollernstraße versorgte die Wehr den schwer verletzten Fahrer und seine Beifahrerin, die später in der Klinik verstarb.

9. März Bei einem spektakulären Unfall an der Hardter Landstraße, bei dem ein Auto quasi auf einem anderen landete, versorgte die Wehr die Beteiligten und sicherte die Unfallstelle.

22. März Der Feuerwehr gelang es, einen ausgedehnten Großbrand an der Erzbergerstraße einzudämmen.

25. April Ein Gerüstbauer war auf einer Baustelle in 20 Metern Höhe kollabiert. Mittels einer Drehleiter gelang es den Höhenrettern der Feuerwehr bei starkem Wind, den Mann abzutransportieren.

28. April Drei GEM-Mitarbeiter waren bei bei Sperrmüllsammlung mit Mäusegift in Kontakt gekommen. Die Wehr zeichnete für die Versorgung der Betroffenen und den Abtransport des Giftmülls verantwortlich.

28. Juli Ein Zug war hinter dem Bahnübergang Wickrath defekt liegengeblieben. Die Wehr ermöglichte mit einer Rettungsplattform das Umsteigen der Fahrgäste in einen anderen Zug.

30. September Nach der Notlandung eines Kleinflugzeugs am Flughafen versorgte die Wehr den Piloten und seine drei Passagiere.

29. Oktober Nach einem Zugunglück im Rheydter Hauptbahnhof versorgte die Wehr eine schwerverletzte Frau im Gleisbett und koordinierte ihren Abtransport in ein Krankenhaus.

5. Dezember Bei Reparaturarbeiten am Kanalnetz war eine Gas-Hochdruckleitung an der Unterheydener Straße beschädigt worden. Die Feuerwehr nahm Messungen vor, sicherte und evakuierte das Umfeld und löschte das nach einer Verpuffung entstandene Feuer.

(RP/ac)