Mönchengladbach: Festival mit drei Big Bands im BIS

Mönchengladbach : Festival mit drei Big Bands im BIS

Einen Big-Band-Himmel konnte man bei dem Big-Band-Festival im BIS erleben. Der voluminöse Abend, der sich zu Recht "Festival" nannte, war ein Fest des gepflegten Big-Band-Sounds.

Dabei zeigten sowohl die Musikschul-Bigband "Dicke Lippe" als auch die Gäste aus Bottrop, die Bebot-BigBand, sowie die Kempen Bigband, dass sie mehr können als mitreißend dicke Tutti. Schon die Jugend - unter der Leitung Markus Türks - eröffnete das Konzert neben schön abgestimmtem Sound mit guten Einzelleistungen. Mit ihrem Programm, darunter Coltranes "Blue Train" oder "Tequila" von den Champs, präsentierte sich die Band aus Gladbach mit Esprit und hochkonzentriert. Vielleicht ist die "Dicke Lippe" manchmal noch etwas brav. Das Potenzial ist da, wie einige expressive Soli zeigten, also keine Scheu vor mehr Pfeffer!

Pfeffer hatte die BeBot Big-Band unter Axel Knappmeyer genug. Sie trumpften, als sie in den Groove gefunden hatten, mit vollmundigem Klang und reizvollen Momenten in gelungenen Soli auf. Zusätzliche Würze bot die sehr amerikanisch klingende Röhre ihrer Sängerin Barbara Schirdewahn-Debring. Mit Charme und Charakter in der Stimme verzauberte sie mit "Speak Low" von Kurt Weill oder mit "Mack the Knife" in verjazzter Version.

Vor populäreren Klängen scheuen auch die Kempen Big-Band und ihr niederländischer Sänger William Wulmsen nicht zurück. Pflegen sie doch, gut hörbar, nach eigenem Bekunden einen "anspruchsvollen Jazz-Stil, der sich durchaus in der Tradition des Big Band Jazz versteht, sich aber deutlich vom Unterhaltungs-Jazz abhebt." Auch hier konnte bei Solo-Einschüben mit sehr viel Energie improvisiert werden. Tutti gelangen fein und voluminös.

Stimmlich in Sinatra-Manier entführte Wulmsen die Zuhörer mit Musik wie "Black Hole Sun" von Soundgarden, "Wenn sie dich fragt" (Roger Cicero) oder REMs "Everybody Hurts" in Gefilde jenseits des klassischen Swing. Vieles gelang packend mit der sehr kultivierten Stimme Wulmsens. Mit "Better Get Hit in Your Soul" von Mingus ließ die Band mit Markus Türk alle Jazz-Enthusiasten jubeln. Am Ende Sinatras "New York" und viel Applaus.

(laki)
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