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Mönchengladbach: Festakt: 100 Jahre Realschule Volksgarten

Mönchengladbach : Festakt: 100 Jahre Realschule Volksgarten

1988 wurden die Lehranstalt für Knaben und die Mädchenschule zusammengelegt. Zum Jubiläum erinnerten sich ehemalige Schüler.

Die Realschule Volksgarten ist für Ursula Sander eine Herzensangelegenheit. Die Schulleiterin spricht von der Bildungseinrichtung wie von einer guten Freundin. "Eine alte Dame wird 100 Jahre alt", sagte Sander daher im Forum der Schule, als dort nun der Festakt anlässlich des Schuljubiläums anstand.

Gekommen waren neben aktuellen Schülern auch ehemalige Pennäler. Einen von ihnen, der zu Beginn der 70er Jahre die Schulbank drückte, hatte die Schulleitung ausgeguckt, die Festrede zu halten. "Als ich auf die Realschule ging, war ich ein Junge vom Dorf, der vieles kennenlernen musste", erzählte Horst Thoren. Der stellvertretende Chefredakteur der Rheinischen Post erinnert sich noch genau an seine Lehrer von damals. So habe es einen gegeben, der hin und wieder mit Schwämmen nach seinen Schülern warf und einen anderen, bei dem Kreide quer durch das Klassenzimmer flog.

In seiner Rede spannte Horst Thoren einen Bogen von ganz persönlichen Erfahrungen bis hin zu Dingen, die sich nie geändert haben. "Eine Schulstunde dauerte schon damals 45 Minuten. Das kann manchmal ganz schön lang sein", scherzte Thoren. Zu seiner Schulzeit war die Realschule Volksgarten noch eine Lehranstalt für Knaben. "Die Mädchenschule war nebenan. In der Aula gab es eine Verbindungstüre. Manchmal wurde ich als Bote dorthin geschickt", berichtete er. Dieser Zustand änderte sich erst 1988, als die beiden Schulen zusammengelegt wurden. In das heutige Gebäude an der Luise-Vollmar-Straße zog die Schule erst 1992 ein. Davor hatte sie im Laufe der Jahre schon öfter ihren Standort gewechselt. Zu Horst Thorens Schulzeit fand der Unterricht in der heutigen Gesamtschule an der Volksgartenstraße statt. Dorthin war die Schule im Herbst des Jahres 1959 umgezogen.

"Das heutige Schulgebäude ist eines der schönsten und innovativsten in der ganzen Stadt", lobte Oberbürgermeister Norbert Bude den heutigen Bau. Er war nur einer von zahlreichen Ehrengästen, zu denen neben Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer und seinem Amtsvorgänger Michael Schroeren auch Regierungsschuldirektorin Claudia Nübel gehörte. "Diese Realschule ist eine bedeutende Schule", sagte sie. Michael Schroeren erinnerte sich daran, wie es in den politischen Diskussionen der 80er Jahre zuging, als es um den Standort der Schule ging. "Wir haben uns damals gegen den Schuldezernenten durchgesetzt", sagte er.

Einen Einblick in das Schulleben während der Nachkriegsjahre gaben Merve Katran und Raul Ot y Chouchene. Die beiden Schüler hatten ein Interview mit einem Schüler des Abschlussjahrgangs 1950 geführt. "Damals wurden die Schüler noch von ihren Lehrern geschlagen, wenn sie schmutzige Fingernägel hatten", berichtete Raul. Doch einmal habe ein Schüler zurückgeschlagen. Der Lehrer sei davon so beeindruckt gewesen, dass er den Knaben nie wieder anfasste.

Zwischen den Reden und Grußworten gab es immer wieder künstlerische Darbietungen. Die beiden Bläserklassen 5b und 6b spielten auf und das Bläserorchester "Premiere" zeigte, wie gut die Kooperation zwischen der Realschule und der Musikschule funktioniert. Außerdem gab es Tänze und Gesang. Doch so sehr die Gäste des Festaktes auch in historischen Gedanken schwelgten und sich an den musikalischen Darbietungen erfreuten, blieb auch die aktuelle Schuldebatte nicht unerwähnt. "Eine gut funktionierende Realschule ist heute wichtiger denn je. Sie gilt jedoch als Auslaufmodell. In 20 Jahren wird es wahrscheinlich keine Realschule mehr geben", vermutete Horst Thoren.

(cli)