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Mönchengladbach: Feilschen um ein würdiges Begräbnis

Mönchengladbach : Feilschen um ein würdiges Begräbnis

Als ehemaligem Heimkind stand Hermann-Josef Humeny Geld aus dem Hilfsfonds Heimerziehung zu. 9500 Euro waren ihm bewilligt worden. Nun ist er gestorben. Das Geld darf nicht für seine Bestattung verwendet werden.

Erst am Ende seines Lebens hat Hermann-Josef Humeny Freundschaft erfahren - und Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt. Seine Kindheit und einen Teil seiner Jugend hat er in Kinderheimen der Vinzentinerinnen Köln und in Heimen vom Orden vom armen Kinde Jesus Aachen verbracht. Er wurde gedemütigt, sexuell missbraucht, körperlich gezüchtigt. Im Alter von 62 Jahren ist Hermann-Josef Humeny unerwartet gestorben. Und soll jetzt ein Armenbegräbnis bekommen. Dabei steht ihm eine Entschädigung aus dem Hilfsfonds Heimerziehung zu - exakt 9500 Euro. "Seinem Antrag war stattgegeben worden, das Geld sollte kurzfristig auf sein Konto überwiesen werden", sagt Uwe Werner. Dann starb Jupp, wie er Hermann-Josef Humeny nennt. Ein Bestattungsunternehmen hat ausgerechnet, dass ein würdiger Abschied von dem Verstorbenen um die 3000 Euro kosten würde. Geld, das nun nicht da ist.

Auch Uwe Werner ist wegen seiner Erlebnisse in diversen Kinderheimen traumatisiert. Anders als viele andere ehemalige Heimkinder hat er sich aufgemacht, seinen Leidensgenossen zu helfen. Leidensgenossen wie Hermann-Josef Humeny. Für ihn hat er Anträge ausgefüllt, Begründungen geschrieben, ihn zu Gesprächen begleitet. Das Geld, das ihm nach zähem Ringen zugestanden wurde, wollte er für die Renovierung und Ausstattung seiner kleinen Wohnung in Holt verwenden. In einer Bedarfsliste hat er alles Benötigte aufgeschrieben. Unter anderen Dingen sind das Töpfe, Pfannen, Decken, Kissen, eine Schlafcouch, einen Staubsauger, eine Gleitsichtbrille.

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Da er nicht vermerkt hat, dass das Geld im Todesfall für seine Beerdigung benutzt werden soll, steht Uwe Werner jetzt vor der Aufgabe, Geld für eine würdige Bestattung seines Freundes zu organisieren. Nach einem entsprechenden Aufruf in den sozialen Netzwerken hat er bisher insgesamt 250 Euro bekommen - von ehemaligen Heimkindern aus Berlin, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Uwe Werner hat einen erneuten Antrag auf Übernahme der Beerdigungskosten beim Heimfond-LVR-Köln gestellt, eine Antwort steht noch aus. Auch an die Orden, in deren Kinderheimen Hermann-Josef Humeny so viele schreckliche Jahre verbringen musste, hat er sich gewandt.

Schwester Stefanie, Oberin des Hardter Josefshauses und Vinzentinerin, hat angeboten, die Beerdigungszeremonie zu machen. "Ich möchte, dass Herr Humeny, der ein sehr gläubiger Katholik war, einen würdigen Abschied erhält." Und Schwester Bettina von den Steyler Schwestern hat die Brandtskapelle als würdigen Ort für die Feier angeboten. Und einen Bus, der die Trauergäste zum evangelischen Friedhof am Wasserturm fährt.

Für den Antrag beim Landschaftsverband hatte Hermann-Josef Humeny lückenlos Einblicke in sein Heimleben geben müssen. "Wir waren in den Einrichtungen und in Archiven und haben das Leben von Jupp mit Dokumenten belegt", sagt Uwe Werner. Etwa 200 Seiten liegen in dem Aktendeckel, den Uwe Werner an sich genommen hat. Dokumente eines Heimlebens - psychologische Gutachten, Bewertungen, Einschätzungen seiner sozialen Kompetenz, seiner Intelligenz, seiner Fähigkeiten. Allesamt vernichtend.

"Ich stelle mir vor, wie Jupp abends in seinem Zimmer gesessen hat - die Osterkerze brannte, und er las in diesen Dokumenten", sagt Uwe Werner. "Ich weiß, wie sehr ihn diese Lektüre gequält und letztlich noch einmal zutiefst erniedrigt hat." Die Osterkerze steht jetzt in der Brandtskapelle. Sie wird bei der Beerdigung leuchten. Für Hermann-Josef Humeny.

(RP)