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Mönchengladbach: Fehlzeiten: Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu

Mönchengladbach : Fehlzeiten: Psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu

Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse schlägt Alarm: Landesweit sind mittlerweile 17 Prozent aller Krankschreibungen auf psychische Erkrankungen zurückzuführen.

Die Kosten für die stationäre Behandlung der Patienten betrug 2013 insgesamt 7 Millionen Euro. "Diese Zahlen stimmen uns nicht positiv", sagte der Referent des Vertragswesens der TK in NRW, Jürgen Medenbach.

Häufig fehlt es den Erkrankten an ambulanten Versorgungsangeboten neben der stationären Betreuung in einer Klinik. Selbiger fehlt nach einer erfolgreichen Behandlung eine fortführende Betreuung, sodass rund 30 Prozent der Patienten erneut eine stationäre Behandlung in Anspruch nehmen müssen. Man spricht dann vom sogenannten "Drehtüreffekt."

Zusätzlich dauert die Vermittlung eines Psychotherapeuten meist bis zu mehreren Monaten. Ein Risiko gerade für an Depressionen erkrankten Menschen. Um Alternativen im ambulanten Bereich zu schaffen, initiierte die TK gemeinsam mit dem Hauptpartner der Gesellschaft für psychische Gesundheit (GpG), sowie dem "Verein für die Rehabilitation psychisch Kranker" und der LVR-Klinik Mönchengladbach ein neues Netzwerk.

Die Beteiligten Institutionen sorgen für eine Zusammenarbeit von ambulanten und stationären Einrichtungen. Medenbach schildert die zentralen Kernpunkte des Netzwerks: "Es unterstützt die Patienten möglichst so, dass diese trotz ihrer psychischen Erkrankung im gewohnten familiären, beruflichen und sozialen Umfeld bleiben können." Ein Kompetenzteam aus Ärzten, Sozialarbeitern, Fachpflegern und Therapeuten bietet dabei Unterstützung.

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Anja Alaoui, Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Zentrums erklärt die praktische Durchführung des Programms: "Zunächst führen wir ein Aufnahmegespräch mit dem Patienten, dann stellen wir mit ihm einen Behandlungs- und einen Krisenplan auf, bei dem wir erfahren möchten, welche Ziele er sich selber stellt und mit Eigenmotivation schaffen will." Gruppentreffen bieten Erkrankten sozialen Austausch.

Dieter Schax, Geschäftsführer des Vereins für die Rehabilitation psychisch Kranker betonte die Möglichkeit, Fachpersonal durch eine eigens eingerichtete Rufnummer rund um die Uhr erreichen zu können, ein weiterer Service des Netzwerks. Neben der telefonischen Kommunikation stehen den Mitarbeitern des Netzwerkes "Rückzugsräume" zur Verfügung, die den Patienten die Möglichkeit zum Austausch geben sollen.

Nach einer Umfrage bei Patienten, die die Dienste des seit dem 1. Oktober 2013 gestarteten Netzwerkes in Anspruch genommen haben, gaben 62 Prozent der Befragten an, mit ihrer Krankheit besser umgehen zu können. Neben der TK haben sich auch die AOK Rheinland/Hamburg und die KKH Kaufmännische Krankenkasse entschlossen, den Zugang zum Netzwerk zu ermöglichen.

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(seu)