Mönchengladbach: Fast-Juso-Bundesvorsitzende wird heute Vorsteherin

Mönchengladbach : Fast-Juso-Bundesvorsitzende wird heute Vorsteherin

Barbara Gersmann gilt als strategischer Kopf. Die Juristin soll heute zur Bezirksvorsteherin im Süden gewählt werden.

Die große Liebe ist es nicht, die Barbara Gersmann mit der SPD Mönchengladbach verbindet. Viele Sozialdemokraten in der Stadt fremdeln mit der Juristin, die ein anerkannt politischer und strategischer Kopf ist. Beim Parteitag im November 2013, als die SPD ihre Ratskandidaten nominierte, kritisierte die 39-Jährige Gladbachs Genossen offen am Rednerpult - und wurde be-straft. Die Delegierten stellten Gersmann nicht als Ratskandidatin auf.

Vermutlich deshalb zweifelten viele, ob die Vorsitzende der Rheydter SPD sich - obwohl auf Platz 1 der Bezirksvertretungsliste stehend - für die Position des Bezirksvorstehers überhaupt zur Verfügung stellen würde. Es wird ebenso viele in ihrer Partei gegeben haben, die insgeheim sehr darauf hofften, dass sie es nicht tun würde. Barbara Gersmann erfüllt alle diese Erwartungen nicht: Sie lässt sich heute zur Vorsteherin im Bezirk Süd wählen. "Ich freue mich auf die Aufgabe und bin glücklich, dass wir mit einer großen Mehrheit einiges in Rheydt anpacken können", sagt sie.

Dass man ihr gegenüber in der Partei so reserviert auftritt, hat auch mit ihrer politischen Sozialisation zu tun: Barbara Gersmann wäre beinahe Bundesvorsitzende der früher rebellischen Jusos geworden. Und das ist eine Position, die viel damit zu tun hat, geschickt Bündnisse zu schmieden, Strippen zu ziehen, potenzielle Gegner schachmatt zu setzen und sich mit der SPD-Politprominenz zu duellieren. Niels Annen, dem sie damals äußerst knapp unterlag, sitzt heute für die SPD im Bundestag. Es gehe ihr um eine "neue und professionelle Streitkultur" verkündete Gersmann 2001, als sie gegen Annen antrat. Die FAZ sah sie seinerzeit im linken Lager.

Inzwischen sind 13 Jahre vergangen. Gersmann ist heute in der politischen Realität angekommen. Obwohl: Sie steht, auch wegen ihrer Beziehung zum ehemaligen Oberbürgermeister Norbert Bude, innerparteilich immer wieder im Zentrum von Verschwörungstheorien. Und ja, bei jenem Nominierungsparteitag im November vergangenen Jahres, als sie so krachend scheiterte, forderte die Juristin ebenfalls mehr Streitkultur ein. Doch Gersmann, in Hagen geboren und mit 16 Jahren in die SPD eingetreten, arrangiert sich allmählich mit Gladbachs SPD. Sie weiß die Rheydter hinter sich, weil sie knallhart ist, wenn es um die Interessen Rheydts geht. Den Ausspruch ihres Partners Bude, die SPD gewinne und verliere Wahlen in Rheydt, unterschreibt Gersmann sofort. Einen Schmusekurs gibt es mit ihr nicht - aber SPD und Gersmann respektieren sich inzwischen. Wer sie heute fragt, was sie als Bezirksvorsteherin umsetzen will, hört Wertkonservatives: "Ich möchte ein Projekt mit Menschen starten, die für Rheydt und Odenkirchen viel bewegen wollen. So wie einst der Verein Blühendes, schaffendes Rheydt."

(RP)
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