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Fandango, Eight Wheel Drive und Yes we Jam! - Live-Musik aus Mönchengladbach

Kolumne Live dabei : Revival in Venlo und Mützen-Solo im Krokodil

In Mönchengladbach und der Nachbarschaft wurde wieder heftig gerockt und gejazzt. Auf den Bühnen standen René Pütz bei Yes we Jam!, Paddy Boy Zimmermann mit Fandango und – mit neuem Sänger – Eight Wheel Drive.

Beim letzten „Yes We Jam!“-Konzert 2019  im sehr gut besuchten Live-Club Messajero klang es vor wenigen Tagen wesentlich rockiger als bei den vorherigen Ausgaben. Initiator René Pütz blieb zwar neuerlich der bestens erprobten Maxime treu, ohne Absprache mit drei gesetzten Gastmusikern munter drauf loszujammen, jedoch stand diesmal die jazzige Attitüde ein wenig hintenan.  Die seit Jahren bestens aufeinander eingespielten Musiker Andy Pilger (Drums), Pianist Jürgen Dahmen (Fender-Rhodes) und Pütz (Bass, Gesang) trafen diesmal auf das vielbeschäftigte Gitarren-Ass Dennis Hormes.

Der Ex-Mönchengladbacher Profi ist in vielen Rock- und Blues-Spielarten zu Hause und in der Musiker-Szene sehr gefragt. Er hatte spürbare Freude, sich bei der eingespielten Mannschaft einzubringen. Trotz straighten Musizierens frönten die Cracks wie sonst auch dem Fusion-Gedanken. Mit hörbarem Vergnügen deklinierten sie das Genre rauf und runter; streuten hier und da eine Prise Blues ein; rissen Songs von Stevie Wonder und Dylan („All Along The Watchtower“) beinahe bis zur Unkenntlichkeit auseinander und fanden oft grandios zum Leit-Thema zurück. Beim virtuosen Zusammenspiel begegnete sich das Quartett auf hohem Niveau.  Aus der Grundstruktur einiger weniger Töne entwickelte jeder für sich oft mitreißende Phrasierungen.   Dafür gab es viel Beifall vor vollem Haus und die obligatorische Zugabe.

  Kopfbedeckung ist auf der Bühne bei Fandango Pflicht. Mindestens Hut, nach Möglichkeit aber Mütze ist als Outfit angesagt. Cool.  Ganz und gar uncool aber war die Show, zu der die Mönchengladbacher Musiker eingeladen hatten. Die brannte komplett. Mit einem Semi-Akustik-Set zu Beginn und einem krachigen Feuerwerk voller Rock-Klassiker nach der Umbaupause eroberten Fandango im Roten Krokodil (Wickrath) Samstagabend ihr Publikum im Sturm. Erst nach einer 15-minütigen packenden Live-Version des Neil-Young-Klassikers „Cortez The Killer“ entließen die begeisterten Fans Sänger André Moeker, „Paddy Boy“ Zimmermann (Gitarre, Gesang), Jörg von Gehlen (Gitarre), Khan Paulussen (Bass) und Rallusch Vieten (Schlagzeug) in die Garderobe. Vorher tobte sich das Quintett nach dem Motto „From Heaven to Hell“ zur Freude der Besucher im stimmungsvollen Live-Club mit einem Parforce-Ritt durch hitparadenbewährte Rock-Klassiker so richtig aus.

Vor 25 Jahren als ZZ-Top-Coverband gestartet, hat Fandango längst die Lieder der Rock-Granden entdeckt und spielte sie nahezu perfekt. Im Programm reihten die Rocker eine Songperle an die andere. Startete  der Abend noch verhalten auf der liebevoll inszenierten Bühne (tolles Licht, klangvoller Sound) mit einer hinreißenden Akustik-Version von Herman Broods „Saturday Night“ und weiter mit gut arrangierten und selten gehörten Songs berühmter Kollegen wie Thin Lizzy („Jailbreak“), Bob Dylan („Rainy Day Woman“) und Ugly Kid Joe („Cats in the Cradle“), war die Bühne im zweiten Konzertteil für den ein oder anderen Musiker oftmals zu klein. Beim Who-Song „Pinball Wizard“ tanzte Paddy mit seiner Gitarre minutenlang durch den Saal, nahm verdientermaßen das berühmte „Bad in der Menge“. Im Publikumsgewimmel tauschte er seine Mütze gegen einen stylischen Hut. So unterwegs verlor Paddy trotz ausufernder Soli niemals das Timing und fand sich zum kraftvollen Schlussakkord unter heftigem Applaus rechtzeitig auf der Bühne wieder.  Da hatte der gitarrenspielende Tausendsassa das Publikum längst durch eine himmlische Version der George-Harrison-Komposition „While My Guitar Gently Weeps“ in der Tasche.  Gitarrenkollege Eric Clapton hätte das Solo kaum besser spielen können.

Eight Wheel Drive in Venlo: (v.l.) Dick Franssen (Tasteninstrumente), Hans-Georg Rehse (Gesang, Gitarre), Dominik Michel (Schlagzeug), Willi Bergen (Bass), Wolfgang „Dufte“ Albers (Gitarre), Achim Rietzler (Saxofon), Clive Fenton (Trompete), Manni Schmelzer (Posaune).          . Foto: Horst Pawlik

   Nach langer Pause standen die neun Musiker von Eight Wheel Drive (8WD) Dienstagabend im niederländischen Venlo wieder vor einem Live-Publikum. Beim Konzert im Gemeindehaus „De Windmeule“ präsentierte die Band um Manni Schmelzer (Posaune) mit Hans Georg Rehse erstmals ihren neuen Sänger. Der glänzte so ganz nebenbei auch noch an der Gitarre. Die spielt er auch nach wie vor bei seiner ersten Liebe, der Bonner Band Soulful of Blues. „Mit unserem speziellen Mix aus Jazz, Beat, Rhythm & Blues und Rock kommen wir auch im Ausland gut an“, freute sich Schmelzer über den herzlichen Applaus der fachkundigen Besucher.

Für das kurzfristig angesetzte Konzert, zusammen mit der Bigband Noord-Limburg, sind die Musiker aus Mönchengladbach einer Einladung der Euregio gefolgt. Überraschungsgast war der frühere Sänger und Tasteninstrumentalist der Band, Pannas Dannecker. Der freute sich darüber, wie souverän sein Nachfolger das Debüt meisterte. Schließlich hatten die Routiniers nur wenige Proben gebraucht, um zur alten Form zu finden. Beifall gab es auch für das Mitbringsel von Rehse: Mit „She’ll be so fine“ brachte der Musiker den Song als Einstand mit. Das Stück reiht sich nahtlos an 8WD-Stücke wie „Riding with the King“  und „Standing at the Crossroads“,   nachzuhören auf der Studio-CD „Better Days“.

   Livemusik-Tipps: Samstag, 30. November, 20 Uhr,  in der Gaststätte Denkmal, Geneickener Straße 75: Rock-Cover der Band Metal Force; Sonntag, 1. Dezember, 12-15 Uhr, Ratskeller Rheydt, Markt 11: „Nikolaus-Jazz“ mit der Redhouse Jazzband; Sonntag, 1. Dezember, 18 Uhr, im Lokal „Spö 407“, Jahnplatz 10: „Musikalischer Adventsmarkt“ mit der Sixties-Band Obergärig; Montag, 2. Dezember, 20 Uhr, Irish Pub The Pogs, Bahnhofstraße 31: Paddy Boy & Friends (Charly T., Ufo Walter) meet Gitarrist Ralf Oehmichen (u.a. Status Quo, Xavier Naidoo); Samstag, 7. Dezember, 20 Uhr, Messajero, Sophienstraße 17: „Let’s Rock in a Clubfunk Style“: die Band Superstrada; Freitag, 13. Dezember, 20 Uhr, Projekt 42, Waldhausener Straße 42-44: die „NDW-Band 2.0“  Astronaut stellt ihr aktuelles Album „Problemhits“ live vor;  Samstag, 14. Dezember, ab 20 Uhr, in der Kultube, Westend, Luisenstraße 93: The Nicks, Ska-Heroen aus Krefeld live; Mittwoch, 18. Dezember, 20 Uhr im Krypti, Humboldtstraße 48a: Fusion-Jazz mit Mike Roelofs’s (NL) Analog Smog.