Mönchengladbach: Fanclub-Flaute für die Bayern

Mönchengladbach : Fanclub-Flaute für die Bayern

Unter Fußballfans ist Mönchengladbach eine weitgehend bayernfreie Zone: In der Stadt ist offiziell kein einziger FC-Bayern-Fanclub zu Hause. In München allerdings hält sich seit über zehn Jahren der Borussia-Fanclub "Isarfohlen". Seit etwa zwei Jahren steigt die Zahl der Mitglieder.

ist ein weißer Fleck in der Fanclub-Landkarte des FC Bayern. Ein paar versprengte Anhänger des Rekordmeisters mag es in der Stadt geben — in organisierter Form hält in Gladbach bisher jedoch niemand die Bayernflagge hoch. In vielen anderen Großstädten Deutschlands und Nordrhein-Westfalens hat der FC Bayern eine breite Fanbasis: In Essen und Leverkusen gibt es jeweils drei Fanclubs, und selbst das von den Bayern verschmähte Dortmund stellt immerhin zwei Fangruppen in der Statistik, von denen einer seine Sympathie für die Münchner laut der offiziellen Fanclubliste des FC Bayern allerdings unverdächtig unter dem Clubnamen "Dortmund" führt.

Durch Zufall kennen gelernt

Borussia Mönchengladbach hingegen hat auch im Süden eine kleine Bastion seiner Anhänger , die im vergangenen Jahr ihren zehnten Geburtstag feierte: die Isarfohlen. Der gebürtige Mettmanner Stefan Appenowitz hat den Club mit anderen Borussia-Anhängern gegründet. Beim Hinspiel in der Allianz-Arena feuerten sie ihren Verein noch im Stadion an, am Freitag müssen sie sich mit der Live-Übertragung in der Bar Bareve begnügen — ihrem Schwabinger Stammlokal.

Über 40 Mitglieder hat der Verein — werden Spiele übertragen, gesellen sich aber noch viele Fans dazu: Um die 70 erwartet Stefan Appenowitz zum Rückrundenauftakt in der Bar. Als der Verein in der Endphase der vergangenen Saison um den Klassenverbleib kämpfte, kamen immer mehr Borussia-Fans in das Lokal und fieberten mit. "Das hat uns am Ende etwa 15 neue Mitglieder gebracht", sagt Appenowitz.

Gerade einmal sieben hatte der Fanclub bei der Gründung im Jahr 2001. Die Gruppe hatte sich durch Zufall gefunden und kennen gelernt: Sven Giesbert, der damals am Borussia-Fanprojekt arbeitete, war beruflich in München und suchte über das Internet Fans, um mit ihnen eine Partie gegen Hannover anzuschauen.

"In der ersten Zeit wurden wir schon ein wenig belächelt", erzählt Stefan Appenowitz. Doch das ist längst vorbei: In München gebe es mittlerweile viele Fanclubs anderer Bundesligavereine. "Das nehmen die Münchner auch locker — außer vielleicht, wenn es Dortmund-Fanclubs sind."

Die meisten Mitglieder leben in München und Umgebung. Viele von ihnen stammen aus Nordrhein-Westfalen, wie Stefan Appenowitz, der in Mettmann geboren wurde und in Paderborn aufwuchs. Ein gebürtiger Münchner ist auch nach über zehn Jahren noch nicht dabei. "Aber immerhin haben wir einen Fan von 1860 München erfolgreich bekehrt — er ist sogar Mitgründer unseres Fanclubs", sagt Appenowitz und lacht.

Dass er Borussia-Fan geworden ist, hat Stefan Appenowitz seinem Onkel und seinen Cousins aus Viersen zu verdanken. Sie statteten ihn mit Fahnen und Schals aus und nahmen ihn mit ins Stadion. Die erste Partie, die er 1984 am Bökelberg sah, wird er nie vergessen: ein Rückrundenspiel gegen den FC Bayern. In der Hinrunde hatten Karl-Heinz Rummenigge und Co die Borussia mit 4:0 deklassiert, fünf Monate später schickte die Gladbacher Elf die Münchner mit 3:0 nach Hause.

Wenn ihr Verein im Münchner Umland spielt, sind die Fans fast immer dabei. Beim letzten Heimspiel gegen den FC Augsburg planen sie, mit dem Bus nach Mönchengladbach zu reisen, um im Borussia-Park wieder einmal dabei zu sein. Die Karten sind schon reserviert. Vielleicht gründet sich bis dahin noch der erste Mönchengladbacher Bayern-Fanclub. Ein passender und historisch begründeter Name wäre eigentlich schon gefunden: München Gladbach.

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(RP/rl)
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