Ranking: Ist Mönchengladbach die familienfreundlichste Stadt?

Neues Städteranking : Ist Mönchengladbach die familienfreundlichste Stadt?

Beim Thema Familienfreundlichkeit führt Mönchengladbach die Liste der 30 größten deutschen Städte an. Das sagt eine Studie eines Versicherungsvergleichsportals aus. In manchen Bereichen mag das stimmen – doch die Studie hat Schwächen.

Mönchengladbach ist laut einer Studie des Versicherungsvergleichportals „Comfortplan“ unter den 30 größten Städten Deutschlands die familienfreundlichste Kommune. Zwölf Kriterien haben die Macher der Studie an die Städte angelegt, um eine Rangliste zu erstellen. Mithilfe einiger öffentlich zugänglicher Daten haben sie so die Familienfreundlichkeit berechnet. Besucht wurde die Vitusstadt wohl nicht, sonst wäre Mönchengladbach sicherlich nicht als „westlichste Stadt im Ruhrgebiet“ bezeichnet worden.

In dem Ranking liegt Mönchengladbach auf Platz 1, vor München und Bremen. Und die Beurteilung ist durchaus schmeichelhaft: Mönchengladbach präsentiere sich „jung und modern“, heißt es. Und: „Mit mehr als 35 m² Grünfläche je Einwohner und einer hohen Dichte an Schulen ist die Stadt für Familien sehr attraktiv. Trotz geringer Einkommen erweist sich Mönchengladbach als die kinderfreundlichste Stadt im Index.“ Doch die Aussagekraft der Rangliste hinkt: Viele Daten werden auf den einzelnen Einwohner runtergerechnet. Die Studie gibt die Einwohnerzahl Gladbachs mit rund 262.000 an, eine Zahl vom Land. Die Stadt selbst zählt aber rund 270.000 Einwohner in ihren Statistiken.

Kitas und Schulen Auch hier wird nur die Zahl der Einrichtungen in Korrelation zur Einwohnerzahl gesetzt. Die Betreuungsquote in Kitas wird nicht angegeben. Die liegt in Mönchengladbach bei 88,2 Prozent, was die Ü3-Versorgung angeht, und bei 38,7 Prozent bei der Versorgung der Unter-Dreijährigen. Noch zu wenig. Aber die Stadt hat mit einer Ausbau-Initiative begonnen. Nicht berücksichtigt in dem Ranking sind die Kita-Gebühren.

Unfälle und Kriminalität In Mönchengladbach wird laut Polizeistatistik zwar weniger gerast, dafür steigt aber die Zahl der Unfälle – etwa 10.000 sind es laut Studie pro Jahr. Wo die Unfälle passieren, untersucht sie nicht. Was die Kriminalität betrifft, ist Mönchengladbach tatsächlich eine der sichersten Großstädte in NRW.

Parks, Spielplätze – und Sonnenstunden Punkten kann Mönchengladbach bei den Grünflächen: Rund 35 Quadratmeter stehen pro Einwohner bereit – mehr als in vielen anderen Städten. Dazu kamen im Jahr 2018 (mit dem Hitzesommer schlechthin) rund 2080 Sonnenstunden. Im vergangen Jahr hatten laut den Daten nur Nürnberg, Leipzig und Berlin mehr Sonne. Viel Zeit also, um etwa die Spielplätze zu nutzen, die die Studie mit 224 Stück angibt. In den kommenden Monaten wird deren Zahl aber weiter abnehmen. Dafür will die Stadt einige Spielplätze aufwerten. Die Studie bewertet allerdings nicht, in welchem Zustand die Plätze sind und was sie für eine Ausstattung haben. Genau darüber beschweren sich aber immer wieder Eltern.

Einkommen, Mietpreise und Arbeitslosenquote Beim Einkommen schneidet Mönchengladbach im Vergleich bekanntermaßen nicht so gut ab: Rund 38.750 Euro beträgt das Durchschnittseinkommen laut Studie in Mönchengladbach – nur in Chemnitz und Leipzig ist es niedriger. Dafür punktet die Stadt mit relativ moderaten Mieten (7,28 Euro pro Quadratmeter; zum Vergleich: Aachen knapp 10, Düsseldorf 12,31 und Spitzenreiter München 20,46 Euro). In der Studie werden allerdings nicht Einkommen und Mietpreise in Relation zueinander gesetzt. Zudem würde es Sinn ergeben, den verfügbaren Wohnraum für Familien (meist brauchen sie Vier- oder Fünfzimmerwohnungen) zu untersuchen. Einen dicken Fehler hat die Studie beim Thema Arbeitslosigkeit: Die genannte 6,5-Prozent-Quote ist jene des Bezirks der Arbeitsagentur Mönchengladbach. Diese umfasst aber auch den Rhein-Kreis Neuss, wo zum Beispiel in Korschenbroich fast Vollbeschäftigung herrscht. In Gladbach lag die Arbeitslosenquote im Juni 9,2 Prozent.

Ärzte Die Studie schaut auch auf die Versorgung mit Ärzten in der Stadt. 221,5 Mediziner sollen es pro 100.000 Einwohnern in Mönchengladbach sein – kein schlechter Wert. Die Zahlen sagen aber nichts darüber aus, wie viele Kinderärzte es in der Stadt gibt.

Internet Die Studie bescheinigt Gladbach einen „Breitbandausbau“ von 97 Prozent der Haushalte. Ab welcher Geschwindigkeit Breitband anfängt, ist nicht definiert. Und: Es ist fraglich, was dies mit Familienfreundlichkeit zu tun hat.

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