Paula Schneiders aus Mönchengladbach: Leistungssport und Schule sind ok

Leistungssport und Schule in Mönchengladbach : „Die Familie gibt Selbstvertrauen“

Paula Schneiders ist in diesem Jahr U-20-Europameisterin im Hindernislauf geworden – und hat Abitur gemacht. Welche Rolle die Familie spielt, wenn Leistungssport und Schule zusammenkommen.

2018 startet Paula Schneiders zum ersten Mal international – und räumt gleich eine Medaille ab. Bei den U18-Europameisterschaften in Ungarn holt die junge Mönchengladbacherin Bronze auf der 2000-Meter-Hindernis-Strecke. „Ich konnte es kaum fassen“, sagt sie rückblickend. „Bei der Siegerehrung hatte ich Gänsehaut.“ Aber es kommt noch besser. 2019 siegt die Läuferin, die beim LAZ Mönchengladbach trainiert, auf der 3000-Meter-Hindernis-Distanz und wird in Schweden U20-Europameisterin. Sie steht ganz oben auf dem Treppchen, als die Nationalhymne erklingt. „Das war sehr emotional“, sagt die 18-Jährige und lächelt.

Mit dabei in Ungarn und in Schweden: ihre Eltern und ihr Trainer Johannes Gathen. Die Unterstützung hilft. „Allein fühlt man sich nicht so wohl“, sagt die junge Europameisterin. „Wenn die Familie dabei ist, gibt das Selbstvertrauen für den Wettkampf.“ Nur zu den Olympischen Jugendspielen 2018 in Argentinien, für die sie sich durch Platz 3 in Ungarn qualifiziert hat, ist sie allein gereist. Das heißt, natürlich nicht allein, sondern mit 80 anderen jungen deutschen Sportlern. Aber ohne Trainer und Familie. Da war der Weg doch zu weit. Doch die Familie fiebert natürlich mit. „Wir haben die Eröffnungsfeier und die Wettkämpfe im Internet verfolgt“, sagt Paulas Mutter. Nervös war die junge Mönchengladbacher Läuferin beim olympischen Auftritt nicht. „Ich wollte in erster Linie Erfahrungen sammeln, bin dann aber doch an meine persönliche Bestzeit herangekommen und habe im europäischen Vergleich gut abgeschnitten“, stellt sie zufrieden fest.

Die sportlichen Erfolge sind sehr eindrucksvoll, aber nicht alles. Paula hat in diesem Jahr auch ihr Abitur gemacht. Leistungssport und Schule – wie geht das zusammen? Richtig gut, meint Paula. „Ich fange normalerweise früh mit dem Lernen an. Und mit Sport bekomme ich den Kopf frei. Auch bei der Vorbereitung auf das Abitur war Sport immer ein guter Ausgleich.“ Gab es nie Probleme, Wettkämpfe und die Anforderungen der Schule unter einen Hut zu bekommen? „Für Wettkämpfe bin ich freigestellt worden und konnte die Klausuren nachschreiben“, sagt die 18-Jährige, die die Gesamtschule Volksgarten besucht hat. Schulische und sportliche Anforderungen habe sie immer gut koordinieren können. Ihre Mutter stimmt zu. Nein, Diskussionen darüber, ob die Schule unter dem Sport leide, habe es nie gegeben. Paula hatte es immer im Griff. „Ich brauchte nie an die Schule erinnern“, sagt Mutter Eva Schneiders. Deshalb konnten die Eltern die sportlichen Aktivitäten stets uneingeschränkt unterstützen. Und das haben sie auch mit großem Engagement getan. Bis zu sechs Mal pro Woche haben sie die Tochter durchschnittlich zum Training gefahren. Ihr Ausdauertraining haben sie auf dem Fahrrad begleitet, damit die Tochter nicht allein unterwegs war. Die ganze Familie ist sportlich: Der Bruder trainiert ebenfalls beim LAZ, auch die Eltern sind im Verein und laufen regelmäßig.

Schneiders ist U20-Europameisterin über 3000 Meter Hindernis. Foto: LAZ Mönchengladbach

Paula sieht noch einen großen Vorteil in der Verbindung von Leistungssport und Schule: „Durch die Wettkämpfe bin ich Prüfungssituationen gewöhnt und weiß, wie ich mit Nervosität umgehen kann.“ Die Aufregung vor einer Abiturprüfung hat man eben besser im Griff, wenn man schon bei Europameisterschaften und internationalen olympischen Jugendspielen gestartet ist. An Wettkämpfen nimmt Paula gern teil. „Man ist zwar aufgeregter, aber man will auch mehr geben als im Training. Beim Wettbewerb kann ich sehen, wo ich stehe.“

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