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Opa-Kolumne in Mönchengladbach: Warum ich mein Handy heute kaum noch aus der Hand lege

Opa-Kolumne : Warum ich mein Handy heute kaum noch aus der Hand lege

Der Mönchengladbacher Dieter Weber ist Opa von drei Mädchen: Hannah (10), Matilda (6) und Elisa (3). An dieser Stelle berichtet er in regelmäßigen Kolumnen vom aufregenden Opa-Leben.

Meine Beziehung zum Mobiltelefon ist gespalten. Ich hatte zwar früh ein eigenes: Es war damals ein „Knochen“ von Siemens, der es mir möglich machte, von vielen Stellen aus zu telefonieren. Je komplizierter die Handys wurden und je mehr Technik sie beinhalteten, umso distanzierter reagierte ich. Telefonieren ist ja okay. Aber ich will mich nicht unter WhatsApp-Terror setzen lassen, ich will nicht alles mit Fotos und Videos festhalten, ich will nicht pausenlos per Mail erreichbar sein. Und soziale Netzwerke mag ich schon gar nicht. Meine Ex-Kollegen bezeichneten mich deshalb einst fies als Handy-Opa und machten mich zum Mittelpunkt einer diskriminierenden Glossen-Serie.

Und jetzt – Überraschung, Überraschung – wertschätze ich mein Uralt-iPhone geradezu und trage es immer mit mir. Und warum? Weil meine Enkelin Hannah ein Handy hat. Sie bekam es zum 10. Geburtstag geschenkt, da sie demnächst auf ein Gymnasium wechselt, das außerhalb ihres Heimatortes liegt. Da ließen sich ihre Eltern – aus ihrer Sicht: endlich - erweichen und kauften ihr ein generalüberholtes Mobiltelefon. In Corona-Zeiten ein wichtiges Utensil für die Kommunikation.

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 Bald tauchte auf dem Handy meiner Frau Hannahs erste Mail vom eigenen Handy auf: „Guten Morgen Oma. Wann bist du aufgestanden?“ Es folgte eine Kommunikation mit dem Austausch der Zeiten, wer wann das Bett verlassen hat. Wirklich, ein bedeutendes Thema. Und kaum war der Austausch beendet und der erste Kaffee getrunken, erreichte meine Frau eine neue Mail von Hannah: „Ich mache Hausaufgaben. Dann fahre ich mit Inlinern. Und du?“ Da war mir klar: Wollte ich, der einzige Opa Dieter meiner Enkelin Hannah, nicht abgeschnitten sein, musste ich Teil des Mailaustauschs sein. Meine Frau reagierte mit der diabolischen Bemerkung: „Fühlst dich wohl abgekoppelt, was?“ Diese Aussage habe ich natürlich sofort energisch dementiert.

 Sofort habe ich Hannah eine Mail geschickt und sie informiert, dass ich auch eine eigene Mailadresse habe. Es entwickelte sich dieser Dialog. Hannah: „Cool.“ Ich: „Ich bin der Coolste von allen.“ Hannah: „Is klar du Angeber.“ Hannah, ein höfliches, gut erzogenes Kind, entpuppte sich an der Handy-Tastatur als sprachlicher Rabauke. Sie, die so wunderschöne Geschichten schreiben kann, beschränkte sich nun auf Ein-Wort-Sätze: „Mega.“ Und: „Ok.“ Und: „Haha.“

Kommata und Ausrufezeichen, die sie sonst zielgerichtet in ihren Texten einsetzt, fehlten oft, Buchstaben an Wortendungen lässt sie weg.  Egal. Morgens wartete ich auf ihre erste Mail. Hannah: „Guten Morgen Opa. Ich bin um 7.30 Uhr aufgestanden. Und du?“ Ich: „Ich war schon um 5.30 Uhr wach und bin mit dem Hund gegangen.“ Hannah: „Ok.“ Ich: „Aber dafür bin ich jetzt richtig wach und kann Bäume ausreißen.“ Hannah: „Haha.“ Und als eines Morgens ihre Begrüßungsmail ausblieb, plagten mich heftige Sorgen: Ob mit Hannah alles in Ordnung ist?  

Dann die erschreckende Mitteilung: Hannahs Handy war nicht in Ordnung, der Akku entlud sich zu schnell. Das Mobiltelefon musste eingeschickt werden. „Mein Handy wird heute Abend in einen Karton gepackt. Ich kann dir ja Bescheid sagen, wenn das Handy wieder da ist. Ok?“ Es las sich wie die Anzeige für eine Mobiltelefon-Beerdigung. Und seitdem warte ich mit Hannah sehnlichst auf die Rückkehr ihres iPhone. Und auf die Morgenmail meiner Enkelin: „Guten Morgen Opa. Wann bist du aufgestanden?“

Wer hat eigentlich jemals den Handy-Terror verteufelt?