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Opa-Kolumne aus Mönchengladbach: Opa und Oma im Home-Office

Opa-Kolumne : Wenn Oma und Opa ins Homeoffice gehen

Seine drei Enkelinnen darf unser Kolumnist zurzeit nicht besuchen. Also sucht er sich andere Möglichkeiten, um mit ihnen zu kommunizieren. Wenn die Situation zu deprimierend wird, greift er zum Kärcher.

Ich könnte Ihnen heute locker flockig berichten, wie ich meinen Betreueralltag mit Hannah (9), Matilda (6) und Elisa (3) verbringe. Zwei Reaktionen wären denkbar: Sie würden mir dann entweder vorwerfen, Fake-News zu verbreiten, weil ich derzeit kein aktiver Opa sein darf. Oder Sie würden mich einen verantwortungslosen Ignoranten schimpfen, der gewissenlos Regeln verletzt.

Ich kann Sie beruhigen, ich bin nur noch Opa im Homeoffice. Aber mir ist es ergangen wie vielen anderen Großeltern. Ich habe mit meiner passiven Rolle gehadert, ich wollte kein Opa-Ruheständler sein, ich habe gezetert und mit wenig Überzeugungskraft erklärt: Dieses Virus hat auch seinen Stolz und greift mich nicht an. Dann hat mein Sohn ein Machtwort gesprochen, um mich und meine Frau zu schützen. Seitdem bin ich in der Opa-Quarantäne.

Doch dies bedeutet nicht, als Opa inaktiv zu sein. Klar, es gibt heute die Möglichkeit, am PC zu skypen und den Gesprächspartner am Handy sichtbar zu machen. Das ist schön, aber nicht mein Ding. Ich brauche Interaktion, die aus mehr als nur ein paar beiläufigen Sätzen besteht. Machen wir uns Großeltern nichts vor. Wenn wir anrufen, kommen wir auch oft ungelegen. Kann ich mithalten, wenn gerade eine superspannende Folge von „Tiere bis unters Dach“ im TV läuft? In diesem Moment vermutlich nicht.

Ich versuche es etwas anders. Hannah habe ich vorgeschlagen, mit ihr einen Krimi zu schreiben. Sie war angetan. Das Kind hat mit Freundinnen einen Detektivclub gegründet und mag die Geschichten „Der drei !!!“. Den ersten Teil unseres Krimis habe ich verfasst, sie schreibt die Fortsetzung. Immer abwechselnd. Es geht um ein Krankenhaus, in dem Schutzmasken verschwunden sind. Mit Matilda hatte ich vor Corona Buchstaben geübt, weil sie lesen lernen will. Nun schreibe ich für sie Geschichten von Frau Alpha und Frau Bet, die den Tieren Namen geben: M-eise, E-sel, A-ffe ... Sie soll die Tiere malen und mir als Foto mailen. Nur bei Elisa ist es schwierig. Sie braucht den direkten Kontakt, und den kann ich ihr per Telefon und Mail nicht geben. Wenn ich sie am Telefon habe, ist sie, die eigentlich Temperamentvolle, sehr einsilbig. Wie soll sie auch verstehen, dass ich nicht komme und sie auf den Arm nehme? Das kann man nicht digitalisieren.

Aber mir als Opa geht’s ja noch gut. Die andere Oma, die Mutter meiner Schwiegertochter, hat’s schlimmer erwischt. Sie „feierte“ am vergangenen Sonntag ihren 65. Geburtstag, und der sollte eigentlich mit allen fünf Kindern und einer inzwischen imposanten Enkelschar in einem Ferienhaus verbracht werden. Alles gestrichen. Am Ende machten die Segnungen der Technik die Enttäuschung erträglicher. In einer Videokonferenz gratulierten alle Kinder und Enkelkinder morgens zum Ehrentag, und nachmittags fanden sich alle Familien abwechselnd ein, um für die Oma vor deren Haustüre zu singen.

Meine Frau und ich wollen den Enkelinnen Bücher zukommen lassen. Bestellen werden wir sie im örtlichen Buchhandel mit Lieferservice. So profitieren er und die Kinder in einer schwierigen Zeit. Außerdem packen wir Pakete mit Schul- und Bastelanregungen, sind allerdings privilegiert, weil meine Frau mehr als 40 Jahre in der Grundschule tätig war. Im Gegenzug kauft unser Sohn für uns ein.

Und wenn die Situation ganz deprimierend wird, dann habe ich ein Patentrezept: Ich hole den Kärcher raus. Mit Hochdruck gegen das Virus.

Dieter Weber ist Opa von Hannah (9), Matilda (6) und Elisa (3). An dieser Stelle berichtet er regelmäßig vom Leben. Foto: ILG