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Mönchengladbach: Wie viel Taschengeld braucht ein Kind?

Empfehlungen zum Taschengeld : Wie viel Geld braucht ein Kind?

Das Thema Taschengeld ist in Familien oft heiß umkämpft. Wie viel soll ein Kind bekommen, wie viel ein Jugendlicher? Ist es klug, das Geld an Bedingungen zu knüpfen? Eine Expertin gibt Tipps.

Der zehnjährige Joshua bringt eine Fünf in Mathe nach Hause. „Kein Taschengeld diese Woche“, entscheidet seine Mutter. Schließlich habe Joshua sich auch nicht ordentlich auf die Arbeit vorbereitet. Der Junge wird wütend, das sieht er nicht ein. Die 14-jährige Lena will mehr Taschengeld. Momentan bekommt sie 18 Euro im Monat. „Alle anderen Kinder kriegen mehr als ich“, schimpft sie. Ihr Vater zuckt die Achseln. „Hilf’ im Haushalt, dann kannst du mehr kriegen“, entscheidet er. Taschengeld ist ein Thema, das in vielen Familien Streit auslöst. Wie viel bekommt ein Kind? Wann? Was kann, muss oder darf es davon kaufen? Ist es an Bedingungen wie gute Schulleistungen oder Mitarbeit im Haushalt geknüpft? Es ist ein Minenfeld für familiäre Konflikte.

Wenn auch jede Familie ihre eigenen Regeln definieren muss, gibt es doch Expertenempfehlungen, die Orientierung liefern. Claudia Bredt, Sozialarbeiterin, Präventionsexpertin bei der Schuldnerberatung in Rheydt und häufig als Referentin zum Thema Umgang mit Geld in Familienzentren im Einsatz, rät, im letzten Kindergartenjahr mit Taschengeldzahlungen zu beginnen. „Den Kindern ist in diesem Alter klar, dass Mama und Papa bezahlen und dafür Ware bekommen“, sagt sie. Also können sie auch den Umgang mit Geld erlernen. Für unter Sechsjährige schlägt der Taschengeldrechner, den der Deutsche Sparkassen- und Giroverband herausgibt, 50 Cent bis einen Euro pro Woche vor. Dieses Geld sollten die Kinder auch ausgeben oder sparen dürfen, wie sie es möchten. Mit zunehmendem Alter wächst auch das Taschengeld: Für Grundschüler werden ein bis drei Euro pro Woche empfohlen. Ab zehn Jahren sollte auf eine monatliche Auszahlung umgestellt werden. Damit die Kinder lernen, sich das Geld einzuteilen. Für dieses Alter wirft der Taschengeldrechner 15,50 bis 18 Euro im Monat aus. Allerdings ist das Taschengeld natürlich auch abhängig von den elterlichen Möglichkeiten. Wo wenig Geld vorhanden ist oder viele Kinder im Haushalt leben, kann das Taschengeld auch geringer ausfallen. Wichtiger als die Höhe sind andere Dinge. „Das Taschengeld sollte für das Kind planbar sein und zuverlässig zum festgelegten Zeitpunkt in ausgemachter Höhe ausgezahlt werden“, erklärt Claudia Bredt. Und: es sollte nicht vom Verhalten des Kindes abhängig gemacht werden. „Taschengeld ist kein Erziehungsmittel. Es sollte deshalb nicht zur Belohnung und Bestrafung von Verhalten oder Leistungen eingesetzt werden“, teilt das Deutsche Jugendinstitut in der Expertise zum Thema Taschengeld und Gelderziehung mit. Auch nicht als Bezahlung für Mithilfe im Haushalt. Die gehöre zu einem funktionierenden Familienleben und werde nicht zusätzlich bezahlt, führen die Experten aus.

Das Taschengeld soll dazu dienen, den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld zu erlernen. Deshalb ist auch ein zu großzügig bemessenes Taschengeld eher kontraproduktiv. „Das Kind lernt dann nicht, die Dinge wertzuschätzen, die es sich von seinem Taschengeld kauft“, erklärt Claudia Bredt. Worauf man länger spart, damit geht man sorgsamer um – ob als Kind oder als Erwachsener. Allerdings sollte das Kind frei über das Taschengeld verfügen können und sich damit kleinere Wünsche wie Spielzeug, Süßigkeiten oder Zeitschriften erfüllen können. „Auch ein Fehlkauf ist erlaubt“, sagt die Sozialarbeiterin. „Das setzt einen Lernprozess in Gang. Menschen lernen auch durch Versuch und Irrtum.“ Die rechtliche Grundlage für solche Transaktionen bietet der Taschengeld-Paragraph: Minderjährige können rechtswirksame Verträge abschließen, wenn ihnen von ihren Eltern Mittel zur freien Verfügung übertragen wurden. Diese Mittel stellen übrigens eine erhebliche Kaufkraft dar: Kinder und Jugendliche verfügen in Deutschland über knapp drei Milliarden Euro im Jahr.

Für Jugendliche werden zwischen 23 Euro für 13-Jährigen, und bis zu 61 Euro für 17-Jährige empfohlen. Hinzu kann ein Budgetgeld kommen, mit dem die Jugendlichen definierte Anschaffungen wie Kleidung, Schulmaterial oder Bustickets bezahlen können. Und dann kann man auch über ein Girokonto für den Nachwuchs nachdenken.