Mönchengladbach: Wie eine Alleinerziehende den Berufseinstieg schaffte

Mönchengladbach  : Ein Job, zwei Kinder – kein Vater

Nanusha Sabaratnam hat zwei Kinder und ist alleinerziehend. Als sie in einem Elterncafé eine Beraterin des Jobcenters kennenlernt, wagt sie den Schritt zurück ins Berufsleben – mit einer Teilzeitausbildung.

Es ist der Morgen am ersten Arbeitstag bei der neuen Stelle, und Nanusha Sabaratnam weiß nicht weiter. Mit ihren zwei Kindern steht sie vor der verschlossenen Kindergartentür. Weil dort noch umgebaut wird, macht der Kindergarten erst einen Tag später auf – doch in zehn Minuten muss Sabaratnam bei ihrer neuen Arbeitsstelle sein. Was also tun? Der Vater der Kinder lebt inzwischen im Ausland, Freunde und Familie wohnen in Mülheim an der Ruhr. Als Alleinerziehende, die zudem noch recht neu in der Stadt ist, hat Sabaratnam kein soziales Netz für solche Notfälle.

Es hilft also nichts: Die 33-Jährige nimmt all ihren Mut zusammen und ruft mit Bauchschmerzen ihren neuen Arbeitgeber an. Zum Glück, sagt sie heute lachend, ist das das Kinder- und Familienzentrum Pfiffikus – und das erlaubt ihr, ihre Kinder mitzubringen.

Es sind Hürden wie diese, die für Alleinerziehende oft noch höher liegen als für Eltern, die sich Erziehungs- und Erwerbsarbeit durch zwei teilen können. Nanusha Sabaratnam macht beides: ihre Kinder erziehen und aufziehen und eine Ausbildung zur Erzieherin. Was ihr dabei etwas hilft: Sie macht eine praxisintegrierte Ausbildung. Berufsschule und Arbeit im Betrieb wechseln sich dabei wöchentlich ab, und die Praxisanteile kann sie in Teilzeit machen. So arbeitet sie 30 Stunden pro Woche im Familienzentrum und besucht in den anderen Wochen die Berufsschule in Vollzeit.

Einfach war der Weg dorthin nicht. Dass sie die Ausbildung überhaupt angefangen hat, ist einem Elterncafé zu verdanken. Dort lernte sie eine Beraterin des Jobcenters kennen, die sie mit ihrem Wunsch nach einem beruflichen Neuanfang an Sabine Duda vermittelte. Die ist Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenters Mönchengladbach und konnte Sabaratnam helfen. Denn ein Problem, das viele Eltern haben, hatte die junge Mutter auch: Weil sie noch keinen Arbeitsvertrag vorweisen konnte, wollte der Kindergarten die Betreuungszeit ihrer Kinder nicht von 25 auf 45 Stunden erhöhen – eine Voraussetzung, um arbeiten gehen zu können. Und andersherum: Weil sie noch keine gesicherte Kinderbetreuung vorweisen konnte, hatte sie schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn viele Arbeitgeber wollen eine solche Sicherheit haben. Duda konnte bei der Bewerbung beim Familienzentrum helfen, ebenso bei den Betreuungszeiten.

Sabaratnam ist mit der Situation rundum glücklich. Auch wenn ihr Alltag seit August strikt durchgeplant ist. Morgens macht sie die Kinder fertig und bringt sie in den Kindergarten, dann geht sie arbeiten oder zur Schule, holt ihre Kinder ab und wenn die irgendwann im Bett sind, stehen noch Lernen und die Haushaltsarbeiten an. „Aber ich weiß, was ich dann geleistet habe, und wofür ich das mache“, sagt sie: für ihren Traumjob und für ihre Kinder.

Vor einigen Jahren noch hatte sie im Einzelhandel in Duisburg gearbeitet und wohnte in Mülheim an der Ruhr. Wegen ihres Mannes zog sie vor wenigen Jahren nach Mönchengladbach, doch die Beziehung hielt nicht. Als sich ihre Elternzeit dem Ende näherte und sie in ihren Job in Duisburg hätte zurückkehren müssen, wäre Sabaratnam fast aus Mönchengladbach weggezogen. „Ich habe schon Wohnungen in Mülheim besichtigt, obwohl ich eigentlich die Ausbildung zur Erzieherin machen wollte“, sagt sie. Im letzten Moment kam die Zusage aus Gladbach und die Hilfe von Duda.

Weil sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschärft, es also immer weniger Arbeitslose gibt, sind Unternehmen immer mehr auch auf alleinerziehende Mütter und Väter angewiesen. „Die Arbeitgeber müssen sich weiter öffnen und flexibler werden“, sagt Duda. Im Fall von Sabaratnam nimmt das Familienzentrum Rücksicht, wenn zum Beispiel ihre Kinder krank sind. Und auch ihr Schulleiter zeigt Verständnis für solche Situationen. „Er weiß, dass ich nicht fehle, weil ich keine Lust habe“, sagt sie. Arbeit und Kinder unter einen Hut zu bringen, sei für alle Eltern eine Herausforderung, sagt Duda. „Wir versuchen da, Mut zu machen.“ Bei Sabaratnam hat es geklappt.

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