Mönchengladbach: Tipps für Eltern, deren Kinder Youtuber werden wollen

Kurs in Mönchengladbach : Wenn Kinder Youtuber werden wollen

Beim Projekt „Ich zeig dir meine Welt“ lernen Jugendliche, wie man ein Youtube-Video produziert – und nicht nur das. Die Betreuer geben Tipps für Eltern, deren Kinder sich für die Videoplattform interessieren.

Auf der Videoplattform Youtube werden jeden Tag rund eine Milliarde Stunden lang Videos abgespielt – und auch die Mönchengladbacher Jugend hat ihren Anteil daran. Haitham zum Beispiel hat in einer Woche fast 13 Stunden lang Videos auf seinem Handy geschaut – das zeigt eine Tracking-App, die misst, wie lange der 14-Jährige ein Programm auf seinem Smartphone geöffnet hat. Inas (14) kommt in jener Woche auf knapp acht Stunden. Doch die beiden sind nicht nur typische Konsumenten der Videoplattform – sondern würden sie gerne auch selbst mit Videos befüllen, vielleicht sogar Youtube-Stars werden.

Bei dem Projekt „Ich zeig dir meine Welt“, das regelmäßig im Chapeau Kultur in Rheydt stattfindet, lernt ein knappes Dutzend Jugendlicher derzeit, wie man Youtube-Videos aufnimmt, sie schneidet und theoretisch auch online stellt. Die Pädagogen Kai Kyas und Mona El-Yassir leiten den Workshop, der ein Projekt des SKM ist und eigentlich den Sinn hat, mit Jugendlichen über Geschlechterrollen zu diskutieren. Wie das zusammenpasst? „Geschlechterrollen sind allgegenwärtig“, sagt El-Yassir. Beim ihrem Projekt haben die beiden den Youtube-Trend „Unboxing“ aufgegriffen, bei dem Menschen vor der Kamera etwas auspacken und die Gegenstände dabei kommentieren. Nur packen die Jugendlichen bei „Ich zeig dir meine Welt“ teils geschlechterspezifische Dinge wie einen Herren-Rasierer oder eben bewusst Klischee-durchbrechende Dinge wie einen Lippenpflegestift für Männer aus. Und vor der Kamera sollen sie dann darüber reden, für wen das jeweilige Produkt gedacht ist und warum.

Doch den Jugendlichen geht es dabei viel mehr um das Filmen, das Schneiden, das Hintergrundwissen zu Youtube-Kanälen. Und auch all das vermittelt das Leitungs-Duo. Sie finden: Eltern sollten es nicht direkt abblocken, wenn ihre Kinder Interesse an Youtube-Filmen haben. „Kinder freuen sich, wenn sich Eltern für ihr Hobby interessieren, egal ob es der Sportverein oder Youtube ist“, sagt Kyas. Kommunikation sei dabei das Wichtigste, gerade weil den Jugendlichen nicht immer die Gefahren bewusst seien, die entstehen, wenn sie Videos von sich im Netz hochladen. „Sie haben nicht immer auf dem Schirm, dass die Videos von jedem gesehen werden können, Filmmaterial geklaut und manipuliert und sogar gegen sie verwendet werden kann“, sagt El-Yassir.

Dennoch: Den Kindern einfach zu verbieten, Videos zu produzieren, sei auch nicht richtig, sagen die Pädagogen. Es sei nötig, über die Risiken zu sprechen. Und: Am Ende könne man immer noch entscheiden, ob ein fertiges Video hochgeladen wird oder nicht. „Wenn Kinder zu Hause nicht üben können, mit Risiken umzugehen, werden sie es nie lernen. Im Straßenverkehr ist es ähnlich, da lassen wir unsere Kinder ja auch nicht direkt allein über die große Straße gehen“, sagt Kyas. Und El-Yassir sagt: „Filme sind ein wichtiges Medium für Jugenliche, um sich selbst zu sehen. Sie sind ja auf der Suche nach ihrer Identität.“

Nicolas, Hanna und Hugo schneiden ihr Drehmaterial auf dem Laptop zu einem Video zusammen. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Die Jugendlichen beim Youtube-Projekt in Rheydt wissen inzwischen schon recht gut über die Risiken Bescheid. Inas, die gerne einmal verschiedene Formate auf der Videoplattform ausprobieren würde, sagt: „Man muss aufpassen, dass man nicht sagt, in welcher Stadt man lebt oder auf welche Schule man geht“, sagt sie. Und auch darauf, was im Hintergrund so alles zu sehen ist – das könne auch viel über den Ort oder Privates verraten. „Ein bisschen Privatsphäre muss sein“, sagt sie.

Davon kann auch Hugo ein Lied singen. Der 12-Jährige hatte vor etwa einem Jahr auf dem Kanal eines Freundes ein Video hochgeladen, auf dem er zu sehen war, wie er Musik machte. „Wir haben das aber einen Tag später wieder gelöscht“, sagt er. Zwanzig Leute hatten es da schon gesehen und Hugo bekam das Gefühl, dass das Video noch nicht gut genug war. „Das war mir echt peinlich“, erinnert er sich.

Ab Mai geht es bei „Ich zeig dir meine Welt“ weiter mit dem Thema Werbung. Auch dort soll gefilmt und geschnitten werden. Treffpunkt ist immer dienstags von 16 bis 18.30 Uhr im Chapeau Kultur in Rheydt.

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