Mönchengladbach: Studie der Hochschule Niederrhein zu Schulhöfen

Studie der Hochschule Niederrhein : Warum Schulhöfe in Mönchengladbach besser werden müssen

Eine Studie der Hochschule zeigt: Fangen, Fußball und Verstecken – das spielen viele Mönchengladbacher Grundschüler in der Pause. Vielerorts fehlen Geräte wie Schaukeln und Rutschen. Doch pädagogisch gesehen gibt es bessere Lösungen.

So unterschiedlich die Schulhöfe in Mönchengladbach auch sind – bei vielen gibt es aus Sicht von Studierenden der Hochschule Niederrhein noch Luft nach oben. Das hat eine Studie des Studiengangs Kindheitspäda­gogik ergeben. Die Studierenden haben an den fünf „Home-Plus“-Schulen in Mönchengladbach eine Umfrage unter 193 Grundschülern gemacht und deren Schulhöfe unter die Lupe genommen. Mit dabei waren die Grundschule Eicken, die Katholische Grundschule Untereicken, die Erich-Kästner-Grundschule, die Grundschule Mülfort-Dohr und die Grundschule Waisenhausstraße. Die Schulen im Home-Plus-Programm haben einen hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Das Projekt setzt sich mithilfe von Sozialpädagogen für herkunftsunabhängige Bildungschancen von Kindern ein.

Die Schulpause ist für die Mädchen und Jungen dabei immens wichtig: „Im spielerischen Umgang erwerben Kinder unendliche viele Kompetenzen“, erklärt Astrid Krus, Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit. So würden durch Pausenspiele etwa Problemlösungskompetenzen, Ausdauer oder soziale Kompetenzen gefördert. Gerade in Zeiten, in denen Spielräume für Kinder immer weiter abnehmen – etwa weil Autos auf den Straßen Vorrang haben – müsste die Pause optimal genutzt werden. In Eicken, sagt Hermann-Josef Stefes, der als Lehrbeauftragter am Fachbereich Sozialwesen die Studie leitete, sei der Schulhof gar die größte Freifläche im Stadtteil. „Zudem ist der Ganztag ein riesiger Einschnitt in die Kindheit“, sagt er. Wenn die Kinder auch nachmittags in der Schule bleiben, haben sie weniger Freiraum zum Spielen – Pausen und Ganztagsprogramme seien heute mehr „pädagogisiert“. Und gerade weil die Kinder immer mehr Zeit in der Schule und damit auf dem Schulhof verbringen, sei dieser ein wichtiger Ort und müsse entsprechend gestaltet sein.

Fangen, Fußball, Verstecken und Quatschen sind die häufigsten Beschäftigungen der befragten Grundschüler in ihrer Pause. Viele wünschen sich jedoch mehr Geräte wie Klettergerüste, Schaukeln, Rutschen oder Trampoline. Manche davon gibt es an den Schulen schon, nur an der Grundschule in Eicken ist der Schulhof besonders karg. Aus pädagogischer Sicht wären solche Geräte wünschenswert: Kinder können daran den eigenen Körper erfahren und teilweise lernen, Risiken einzuschätzen und damit umzugehen. Doch es gibt aus wissenschaftlicher Sicht auch Nachteile bei solchen Spielgeräten: Oft lassen sie nur eine Funktion zu und schränken so die Fantasie ein. „Auf einer Schaukel kann man nur schaukeln, und vielleicht noch schauen, wer weiter springen kann“, sagt Stefes. Noch besser seien Freispielmaterialien, ein Baumstamm etwa. Dadurch, dass keine Funktion festgelegt ist, werde die Fantasie der Kinder angeregt. Dass sei in Zeiten, in denen die „Straßenkindheit“ fast nicht mehr stattfindet, sehr wichtig.

Die Stadt versucht bereits, die Schulhöfe in Mönchengladbach zu verbessern. 35 Grundschulen gibt es in der Stadt, teilweise werden sie mit städtischen Geldern, aber auch mit landesweiten Förderprogrammen wie „Gute Schule“ unterstützt. Ende 2018 wurde laut Stadt etwa die Außenanlage an der Katholischen Grundschule Holt neu gestaltet. Da es sich um eine Grundschule für Kinder mit und ohne Förderbedarf handelt, sind dort spezielle Spielgeräte aufgestellt worden, unter anderem ein Karussell und ein Trampolin, die auch von Kindern im Rollstuhl genutzt werden können. Der Schulhof der Grundschule Pesch wurde kürzlich erneuert. Neben den Asphaltflächen, auf denen Spielmarkierungen angebracht wurden, sind auch die Sitzgelegenheiten und die Beete neu gestaltet worden. Das Förderzentrum Nord hat eine neue Spielinsel bekommen.

„Die Schulhöfe müssen interessanter gestaltet werden“, fasst Stefes die Ergebnisse der Studie zusammen. Dabei sollten trotz Aufsichtspflicht auch Rückzugsorte geschaffen werden. „Kinder brauchen so etwas“, sagt er. Auch sollten Alternativen zu Fußball sowie alte Spiele wie Gummitwist oder das Sprungspiel Himmel und Hölle wieder ins Gedächtnis gerufen werden – was an einigen Grundschulen schon passiert. An den fünf Schulen der Studie wurden solche Spiele aber nicht genannt.

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