Schüler-Kolumne : Schule am Esstisch

Normalerweise klingelt bei Luna um 6 Uhr morgens der Wecker. Jetzt nicht. Jetzt ist alles anders.

Ich bin Luna, 14 Jahre alt, und Schülerin des Gymnasiums Rheindahlen.

Bis vorletzte Woche war meine Welt noch völlig in Ordnung. Schule, Freunde treffen, lernen, Ballett und Musik gehörten zu meinem Alltag, aber jetzt ist alles anders.

Es ist 6 Uhr morgens und ich wache auf, ohne dass der Wecker klingelt. Schule? Nein! Es ist Corona.

Ich stehe auf, obwohl ich liegen bleiben könnte. Alle im Haus sind noch am Schlafen. Ich genieße die Ruhe, bevor die Welle der Corona-Nachrichten über mich schwappt, weil Mama und Papa zurzeit kein anderes Thema haben.

Während ich mir einen Kakao mache, checke ich die WhatsApp-Nachrichten meiner Freunde. Mein Handy ist mir zur Zeit wichtiger als je zuvor.

Mama kommt in die Küche, gefolgt von meiner siebenjährigen Schwester Stella, die normalerweise die zweite Klasse besucht. Um 9 Uhr geht für uns die Schule am Esstisch los, was Mama so entschieden hat, um Struktur in unseren Alltag zu bringen.

Ich öffne Moodle, mein digitales Klassenzimmer im Netz. Moodle ist eine Webseite, die von meinen Lehrern regelmäßig mit Aufgaben gefüttert wird. Hier kann ich unter „Meine Kurse“ alle Aufgaben für die jeweiligen Fächer abrufen, online bearbeiten und an den jeweiligen Fachlehrer abschicken, der sie kontrolliert und sein Feedback gibt. Auch ein Chatportal steht zur Verfügung, um sich mit seinen Klassenkameraden und Lehrern auszutauschen.

Für heute stehen Deutsch, Mathe und Latein an.

Meine Schwester hat ein schriftliches Lernpaket erhalten und sitzt heute an dem „W“ wie Wolke im Schreibschriftheft.

Während ich in Mathe quadratische Gleichungen löse, kratzt unser Kater Cosmo, wie jeden Morgen, an der Gartentür, um seine Freiheit zu leben und sein Revier zu checken. Für ihn gibt es kein Corona, er darf raus, meine Schwester nicht. Für sie unverständlich, da sie normalerweise täglich draußen ihre Freunde aus der Nachbarschaft zum Spielen trifft.

13 Uhr! Schule vorbei. Ich freue mich, gleich mit meinen Freunden zu chatten und mal wieder Zeit zum Zeichnen zu haben.

Luna Romboy schreibt für unsere Familienseite regelmäßig über ihre Erlebnisse als Schülerin – auch jetzt in der Corona-Krise