Mönchengladbach: Plötzlich war der Spielplatz weg

Ärgernis in Mönchengladbach : Plötzlich war der Spielplatz weg

Rutschen, klettern, wippen – das wäre für Kinder im Mönchengladbacher Stadtteil Venn beinahe nicht mehr möglich gewesen. Denn dort wurden Spielflächen geräumt. Das war zwar so geplant, aber erst wenn der große neue Spielplatz fertig ist. Und das dauert noch.

Dorothea Zingsem erinnert sich noch genau an die verdutzten Gesichter der Kinder: Sie wollten auf dem Spielplatz Grottenweg wippen, doch plötzlich waren die Geräte weg. Auch das Karussell war verschwunden. Die einzigen Geräte, die dort noch standen, waren eine kaputte Rutsche und eine angeblich defekte Kletterspinne. Dafür war alles Intakte futsch. Zwar hatte auch Anwohnerin Dorothea Zingsem gehört, dass der alte Spielplatz irgendwann verschwinden soll, „aber das sollte erst geschehen, wenn mit dem neuen Baugebiet begonnen wird, im Zuge dessen auch ein neuer großer Spielplatz entstehen soll“, sagt sie und fügt gleich an: „Für das neue Wohngebiet ist noch nicht einmal ein Investor gefunden.“

Und damit nicht genug: Auch der Spielplatz Poether Weg wurde abgeräumt. Das hätte für die Kinder in Venn-Mitte geheißen: Es gibt keinen öffentlichen Spielplatz mehr für sie. Die Mags hatte offenbar im Auftrag der Stadt die Liste der aufzugebenden Spielplätze abgearbeitet. Nach dem Spielplatzentwicklungskonzept und entsprechenden politischen Beschlüssen soll im Stadtgebiet eine ganze Reihe alter Spielflächen verschwinden. Das erklärte Motto der Stadt: Qualität statt Quantität.

In Venn hätte es aber beinahe „nix“ statt „Uralt-Spielplätze“ gegeben. „Logik spielt auch bei Logistik eine Rolle“, sagt Dorothea Zingsem. Sie wandte sich an Bezirksvertreterin Manuela Luhnen. Die konnte bewirken, dass wenigstens ein paar Spielgeräte auf die alten Spielplätze zurückkommen. „Am Grottenweg wurde der Sand ausgetauscht, und es wurden auch kleinere Hopser aufgestellt“, sagt sie. Und auch am Poether Weg sollen wieder Spielmöglichkeiten entstehen, wenn auch in abgespeckter Form.

Aus dem Rathaus wird erneut bestätigt, dass der Spielplatz Grottenweg – wie auch weitere Spielflächen – aufgegeben werden soll und die Mags deshalb Ende März angefangen habe, die „zum Teil nicht mehr verkehrssicheren“ Spielgeräte abzubauen. „Dies bedeutet aber nicht, dass die Kinder zukünftig den Spielplatz nicht mehr nutzen können: Bis zur Bebauung der jetzigen Fläche soll die Spielfläche in reduzierter Form kurzfristig wieder zur Verfügung gestellt werden“, hatte ein Stadtsprecher auf Anfrage unserer Redaktion versichert. Und einige Tage später waren tatsächlich ein paar Geräte wieder da. Von Seiten der Stadt heißt es weiter: „Dazu werden nach dem Abriss des maroden Spielturms im Bereich der Sandfläche wieder einige kleinere Spielgeräte wie Schaukel, Karussell und Wipptiere installiert. Auch ein Klettergerät kann bis zur Bebauung stehenbleiben.“

Mit der Realisierung des Baugebietes am Stationsweg sei dann neben dem heutigen ein großer und moderner Spielplatz geplant. Als Investoren gebe es mehrere Interessenten, und bei der Stadttochter EWMG sei man zuversichtlich, die Verhandlungen „in Kürze abschließen“ zu können. Dann müsse der Rat noch endgültig entscheiden.

Hier standen drei Sitzbänke. Die Stadttochter Mags hatte sie abgebaut. Foto: Dorothea Zingsem
Auch Spielgeräte waren verschwunden, angeblich weil sie defekt waren. Anwohner sehen das anders. Foto: Dorothea Zingsem

Auf dem Areal zwischen Stationsweg und Grottenweg soll auf einer Baulandfläche von rund 6000 Quadratmetern Wohnraum für verschiedene Generationen entstehen. Der Investor soll auch den neuen, modernen Spielplatz bauen, der öffentlich zugänglich sein soll.

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