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Mönchengladbach: Mit dem „Walking Bus“ sicher zur Schule

Eltern organisieren „Walking Bus“ : Gemeinsam sicher zur Schule

Weil durch eine benachbarte Baustelle der Schulweg der Kinder gefährlicher wird, organisieren die Eltern der Montessori-Grundschule an der Gertraudenstraße in Rekordzeit einen „Walking Bus“.

Es regnet nicht nur, es schüttet an diesem Morgen. Es ist alles andere als gemütlich im Freien und die Sicht ist auch noch schlecht. Aber auf dem Parkplatz des Discounters an der Odenkirchener Straße treffen immer mehr Eltern und Kinder ein, ausgestattet mit gelben Warnwesten und Reflektoren. Ein neu angebrachtes Schild weist den Parkplatz als Haltestelle des „Walking Bus“ aus.

Von hier aus gehen die Schüler der Montessori-Grundschule begleitet von zwei Eltern gemeinsam den Rest des Schulwegs zu Fuß. „Die Eltern haben den Walking Bus innerhalb von nur einer Woche organisiert“, sagt Irena Fasolo-Kulis, die Leiterin der Montessori-Grundschule, beeindruckt. Unterstützt wurden sie dabei von Erwin Hanschmann, Polizeihauptkommissar und Verkehrssicherheitsberater bei der Mönchengladbacher Polizei, der unermüdlich an den Mönchengladbacher Grundschulen für die Idee des „Walking Bus“ wirbt.

 An der Montessori-Grundschule an der Gertraudenstraße gab es lange eine bequeme und sichere Möglichkeit: Die Eltern hielten auf dem nahegelegenen Parkplatz, begleiteten die Kinder zur Gertraudenstraße, konnten sehen, wie sie die Straße überquerten und sicher zur Schule kamen. Nun aber wird auf dem Gelände gebaut, auf dem früher neben dem Discounter ein Baumarkt untergebracht war. Der Discounter ist bereits innerhalb des Geländes umgezogen, an der zur Schule gewandten Seite entsteht ein neuer Baumarkt. Damit ist der Parkplatz gesperrt, die Parksituation rund um die Schule ist jedoch schwierig. Es gibt Halteverbote und es muss gewendet werden, um die Gertraudenstraße wieder zu verlassen. „Die Situation ist sehr unübersichtlich geworden“, sagt die Schulleiterin.

Deshalb wurden die Eltern aktiv. In Rekordzeit haben sie sich organisiert und das Walking-Bus-Angebot auf die Beine gestellt. „Das war absolut vorbildlich“, sagt Präventionsexperte Hanschmann erfreut. Ebenso beispielhaft ist die Unterstützung durch die Filialleitung des Aldi-Marktes. Der Parkplatz kann als Treffpunkt von Eltern und Kindern genutzt werden.

 Peter Noll hat die Organisation des „Walking Bus“ übernommen. Sein siebenjähriger Sohn Leonard geht mit den anderen auf einem etwas weiteren, aber sicheren Weg zur Schule. Sechs bis acht Minuten brauchen die Kinder und haben ihren Spaß am Fußmarsch. „Leonard war gestern total begeistert“, sagt sein Vater. Auch der Regen an diesem Morgen macht den Kindern nichts aus. „Die Stimmung war toll“, erzählt Mihaela Püllen, die die Gruppe an diesem Tag begleitet hat, und lacht. „Die Kinder haben sich als Piraten gefühlt. Wahrscheinlich wegen des Regens.“ Die Schüler kommen dank „Walking Bus“ nicht nur sicher, sie kommen auch wacher an. „Sie sind entspannter“, sagt die Schulleiterin.

So positiv der Walking Bus als solcher auch ist, die aktuelle, vor allem aber die zukünftige Verkehrssituation an der Grundschule sehen die Eltern kritisch. „Wenn der Baumarkt fertig gestellt ist, sollen die Lkw die Zufahrt an der Gertraudenstraße nutzen“, sagt Frank Seeger-Hupperten, der seinen Sohn Felix zur Schule gebracht hat. „Die Situation ist für die Kinder nicht überschaubar. Das geht gar nicht.“

Auf dem Rückweg von der Schule gibt es leider keinen „Walking Bus“. Foto: Markus Rick (rick)

Man werde versuchen, bei der Stadt Einfluss zu nehmen, sagt Andreas Ewerhardy. „Es kann nicht sein, dass die wirtschaftlichen Interessen des Baumarkts wichtiger sind als die Sicherheit der Kinder.“ Die Zulieferung habe ja früher auch geklappt, ohne dass die Gertraudenstraße dafür benutzt werden musste. Die Eltern wollen die Situation klären, denn so schön der Walking Bus auch ist – für den Nachhauseweg der Kinder gibt es ihn leider nicht.