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Mönchengladbach: Ist der Wald wirklich ein Ort der Stille?

Natur-Kolumne für Mönchengladbach : Ist der Wald wirklich ein Ort der Stille?

Einmal lauschen, bitte! Unsere Kolumnistin fordert alle auf, auf die Geräusche in der Natur zu achten. Wenn man dann noch Block und Stifte dabei hat, kann daraus ein schönes Spiel werden.

Eine liebe Freundin und Kinderliedermacher-Kollegin, Astrid Hauke, bat mich in meiner Kolumne auch einmal etwas über die Stille im Wald zu schreiben – besser gesagt, darüber, dass man auch als Familie im Wald einmal ganz still werden kann. Wichtig ist, finden wir beide, dass der Wald, egal ob nun in Krisenzeiten mit Kontaktverbot oder in allen anderen Zeit, ein Ort der Erholung für alle sein sollte. Familien mit Kindern freuen sich über die Freiheit, die Kinder im Wald genießen können. Und hier ist es auch wichtig, dass die Kinder toben, dass sie laut rufen und ihren Freiraum genießen. Natürlich immer ohne dem Wald und seinen Bewohnern zu schaden. Der Wald hat aber noch ganz andere Qualitäten. Und die kann eine Familie auch erleben.

Nein, der Wald selber ist kein Ort der Stille. Im Wald gibt es unendlich viele kleine und große, leise und laute Geräusche. Aber wir können diese erst wahrnehmen, wenn wir vom Hören zum Lauschen kommen. Wie laut ein Wald ist, können wir also nur erspüren, wenn wir selber einmal in die Stille gehen. Wie bitte soll das gehen, wenn Kinder doch schon den ganzen Tag. in der Schule oder während der Kontaktsperre in der engen Wohnung still sein sollen? Es geht nicht darum, drei Stunden still zu verharren, aber nach einer Tobephase im Wald kann man danach auch mit verschiedenen Lauschspielen die Kinder freiwillig zum Hinhören animieren. In meinen Naturkursen haben sich die stillen Spiele zum heimlichen Hit entwickelt, sobald die Kinder am eigenen Leibe erfahren haben, wie gut der Moment der Stille tun kann. Eines dieser Spiele für Einsteiger ist das Spiel „Ich male, was ich höre“. Hier werden die Kinder nicht gleich komplett in die Stille geschickt, denn sie haben zudem noch die Aufgabe zu malen.

Jedes Familienmitglied setzt sich mit dem Rücken an einen Baum, so dass man sich noch sieht, aber trotzdem für sich ist. Alle haben einen Stift und ein Blatt mit Unterlage. Jetzt ist es wichtig zwei bis drei Minuten einfach nur zu hören. Ganz für sich alleine. Augen zu oder Augen auf, dass ist jedem selber überlassen. Nach dieser kurzen Zeit fängt man an, die Geräusche zu malen, ganz abstrakt oder auch gegenständlich. Ich habe es schon oft gesehen, dass ein vorbeifliegender Vogel als Zickzacklinie gemalt wird oder das Rascheln der Blätter im Wind wie eine Welle aussah. Ganz egal, wie das Bild am Ende aussieht, jedes ist ein kleines Kunstwerk, das die Familie hinterher in einer Ausstellung zu Hause aufhängen kann. Macht man das regelmäßig, entstehen viele kleine tolle Bilder. Die Art zu hören, verändert sich mit den Bildern auf wundersame Weise. Sie können die Bilder untereinander austauschen und aus dem Bild des anderen versuchen zu „lesen“, was er gehört hat oder eine phantasievolle Geschichte erfinden. Aber als Familie fallen Ihnen sicher noch viele eigene Ideen zur Weiterentwicklung des Spieles ein. Ein einziges Spiel mit vielen Möglichkeiten, um die Geräusche, die Nicht-Stille des Waldes zu genießen. Viel Spaß und bis bald im Wald!

Elke Kamper ist Naturerlebnispädagogin, Wildbienenexpertin und Entspannungspädagogin sowie Mutter von zwei Kindern. Foto: Tessa Fischer