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Mönchengladbach: In Rheydt mangelt es an Kita-Plätzen

Multi-Kulti-Treff in Mönchengladbach : In Rheydt mangelt es an Kita-Plätzen

Frauen aus verschiedenen Nationen treffen sich regelmäßig in der Familienbildungsstätte. Viele von ihnen würden gerne Deutsch lernen. Eine Kursteilnahme ist aber schwierig, weil ihre Kinder nicht betreut werden.

Mittwochmorgen in der Rheydter Innenstadt. Es ist kalt, aber am blauen Himmel lacht die Sonne. Man hört Stimmengewirr, Kinderlachen, es riecht nach Lagerfeuer. Rund 20 Frauen und ebenso viele Kinder aus acht Nationen bevölkern die Wiese hinter der Familienbildungsstätte.  Der offene wöchentliche IdA-Treff (IdA steht für Integration durch gemeinsame Aktivitäten) soll Familien aus aller Welt Austausch und Spiel bieten und findet normalerweise nicht draußen statt.

Aber dieser Mittwoch ist ein besonderer Tag: „Einmal pro Jahr immer im Herbst gibt es ein großes Treffen, normalerweise zusammen mit dem Katholischen Verein für soziale Dienste in Rheydt und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands“, erläutert Anne Bleumer, die Fachbereichsleiterin Eltern und Kind der Familienbildungsstätte. Corona-bedingt ist dies in diesem Jahr nicht möglich. Daher habe man beschlossen, das Ganze nach draußen zu verlegen, um möglichst vielen Personen die Teilnahme zu ermöglichen. Auch der IdA-Treff ist zurzeit auf nur acht Personen begrenzt. Am Mittwoch sind viele, die regelmäßig zu den IdA-Treffs kommen, erschienen. Das Wetter spielt mit, nach Kontrolle der 3G-Regel ist das Tragen von Mund-Nasen-Masken nicht notwendig. Die Kinder können ein Teelicht-Glas mit verschiedenen Sandfarben zusammenstellen, Stockbrot backen und verschiedene Spielgeräte nutzen, es wird gemeinsam musiziert und gesungen.

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Auch wenn die Kinder sichtlich Spaß an den angebotenen Spielen und dem Stockbrot haben und die Mütter sich rege austauschen, ist der Grund für die IdA-Treffen nicht so heiter. Denn sie sind für Frauen gedacht, deren Kinder keinen Kita-Platz bekommen haben. Und das, obwohl seit 2013 ein Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung für Kinder zwischen einem und drei Jahren besteht. Dies bedeutet, dass Kommunen gesetzlich verpflichtet sind, Kindern in diesem Alter entweder einen Kita-Platz oder eine Tagesmutter für die Betreuung zur Verfügung zu stellen.

Doch die Realität sieht anders aus: „Es gibt immer noch zu wenig Plätze, wir betreuen hier rund 40 Frauen, die keinen Kita-Platz für ihre Kinder bekommen haben“, so Anne Bleumer. Die Zahl dürfte größer sein. Wie viele Plätze fehlen, vermag Bleumer nicht zu beziffern, klar sei aber: In der Rheydter Innenstadt gebe es einen größeren Mangel, während es an den Stadträndern häufig nicht so schwierig sei, einen Platz zu bekommen. Doch die meisten Frauen würden fußläufig in der Nähe der Innenstadt leben, wo es immer noch zu wenig Plätze gibt.

So sei die erste Frage bei den multikulturellen Treffen meist, wie es hier mit der Vergabe ablaufe. „Das Familienbüro unterstützt und gibt Hilfestellung bei der Anmeldung über den Kita-Navigator, die für Familien mit Sprachproblemen nicht so einfach zu erledigen ist.“ Dazu gibt es auch Tipps, etwa die Empfehlung, alle Kitas anzukreuzen oder auch eine geringere als die gewünschte Stundenzahl, um zumindest diese schon einmal sicher zu haben. Zudem müssten die Familien wissen, dass sie bei einer Absage ihr Kind im Sommer neu anmelden müssen, da man sonst „draußen“ sei.

Amisa Abutier hat zwei Kinder im Alter von zwei Jahren und vier Monaten. Die 24-Jährige ist vor vier Jahren aus Palästina nach Deutschland gekommen und besucht die IdA-Treffs regelmäßig. Ihr gefällt, dass sich Mütter hier über altersgerechtes Spielzeug und Kinderpflege austauschen können und ihr Sohn Kasem hier einen Freund gefunden hat. Den Zweijährigen hat sie vor einem Jahr angemeldet, bisher hat sie keine Rückmeldung zu einem Platz erhalten. So geht es auch Khadija Boughaubon el Mhassani. Ihr dreijähriger Sohn Zobayr ist ebenfalls seit einem Jahr angemeldet, bislang ohne Erfolg. Es ärgere sie ein bisschen, dass es bisher nicht geklappt hat: „Ich möchte gerne Deutsch lernen, aber ich habe keine Zeit dafür, wenn ich mein Kind versorgen muss“, so die 34-Jährige, die gebürtig aus Marokko kommt. Bis es mit dem Kita-Platz klappt, besucht sie die IdA-Treffs, um sich mit Frauen aus anderen Ländern zu treffen und ihren Kindern den Kontakt zu Gleichaltrigen zu bieten.