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Mönchengladbach: Feiern in der Großfamilie in Corona-Zeiten

Großfamilienkolumne aus Mönchengladbach : Geburtstagsgeschenke mit Abstand

Der Virus macht vor großen Familien und Geburtstagen nicht halt. Aber es geht auch so. Muss es halt. Wird ja auch wieder besser.

In einer Großfamilie jagt ein Fest das andere, aber auch so gibt es immer wieder Gründe, sich mal eben zu treffen. Bisher haben wir uns nie viele Gedanken darüber gemacht. Doch auf einmal ist alles anders. Ein winzig kleines Virus und die ganze Welt steht Kopf und wir mit. Plötzlich gehört man schon zur Risikogruppe, weil man alt ist. Bisher spielte das Alter keine Rolle, doch jetzt ist Vorsicht geboten. Keine herzlichen Umarmungen, keine gemeinsamen Frühstücksrunden, kein Babysitten, kein Opa-Tag, kein „Wir kommen mal eben rüber!“.

Wir halten uns an die Regeln, nicht wegen der Kontrollen, wir möchten nur keine Schuld tragen, jemand anderem zu schaden. Meine Mama geht schnell mit dem Hund. Sie winkt der Vierjährigen zu, die ruft: „Nicht so nah, denk dran, Coronavirus!“ Die Familienreise wird abgesagt, dabei hatte die Jüngste schon seit Tagen ihren Koffer gepackt.

Die zweite Enkelin hatte Geburtstag, 18 Freunde hätten kommen sollen. Am nächsten Tag sollte es mit der Familie weitergehen. Alles abgesagt. Trotz der Versicherung „es wird nachgeholt“, der Ermutigung „bald ist es überstanden“, es fühlt sich seltsam an. Nichts ist mehr selbstverständlich, und die Auswirkungen werden sicherlich auch später noch zu spüren sein. Aber es hat auch sein Gutes, wir werden kreativer. So gab es eine bunte Girlande mit Geburtstagsglückwünschen an den Fenstern der Tante von gegenüber und jede Menge Videobotschaften. Die Geschenke mussten im Garten abgestellt werden, wo sie später vom Geburtstagskind eingesammelt wurden. Nicht ganz dasselbe, aber einen Kuchen gab es auch, abends wurde gegrillt, nur eben im kleinen Kreis.

Ungewohnt, aber auch eine neue Erfahrung. Ruhiger, entspannter, und nicht weniger herzlich. Überhaupt, wir dürfen nicht klagen, keiner ist krank, allen geht es gut. Wir haben sogar Glück, wir wohnen alle dicht beieinander und mit einer Tochter und ihrer Familie in einem Haus. Die anderen treffen wir unweigerlich auf der Straße, man hält ein kurzes Schwätzchen vor der Haustür. Außerdem haben wir von der Jüngsten einen kostenlosen Händewaschkurs erhalten, der Corona verjagen soll.

Wir vermissen zwar die gemeinsame Zeit, lernen sie aber neu zu schätzen. Wir erinnern uns an alte Spiele, tauschen Ideen aus. Man wächst zusammen, erfreut sich an Kleinigkeiten. Wer hätte gedacht, dass wir uns mal so freuen würden, wenn im Familienchat ein neuer Geheimtipp zum Erwerb von ein paar Rollen Toilettenpapier gepostet wird. Alltägliche Verbrauchsmaterialien sind generell zum Gesprächsstoff Nummer eins geworden. Ob all diese Maßnahmen die Corona-Krise abwenden können? Warten wir es ab und freuen uns darauf, endlich wieder umarmt zu werden!

Samira Rippegather ist Mutter von fünf Kindern, Oma von fünf Enkeln und Leiterin des Familienzentrums „Pfiffikus“. Sie berichtet vom Leben in der Großfamilie. Foto: Isabella Raupold