Mönchengladbach: Das Leben in einer Großfamillie

Mutter und Kita-Leiterin aus Mönchengladbach : Leben in der Großfamilie

Samira Rippegather wollte immer viele Kinder. Die hat sie und zudem noch eine Kindertagesstätte.

Was Fernsehserien so alles bewirken können: Samira Rippegather liebte als Kind die Waltons und den Trubel der Großfamilie. „Ich war ein Einzelkind, aber ich wollte immer selbst viele Kinder haben“, erinnert sie sich. Das hat sie geschafft. Am Sonntag versammeln sich bei den Rippegathers zum Frühstück fünf Kinder, deren Partner, vier Enkelkinder und vielleicht auch noch Samira Rippegathers Mutter. Alle wohnen in der Nähe, die meisten in der direkten Nachbarschaft. Das Sonntagsfrühstück ist keine Pflichtveranstaltung, darauf legt Samira Rippegather Wert. „Ich hasse solche Verpflichtungen“, sagt sie. Trotzdem versammelt sich sonntags immer eine große Truppe um den Tisch.

Als Großfamilie mit mehreren Generationen nah beieinander zu wohnen, hat viele Vorteile. Es geht nicht nur immer lebhaft zu, Aufgaben lassen sich auch leichter verteilen. „Wenn ein Enkelkind abgeholt werden muss und die Eltern nicht können, findet sich immer schnell eine Lösung“, sagt die fünffache Mutter und vierfache Großmutter. „Jeder steht für den anderen ein.“

Der Wunsch nach einer Großfamilie war keineswegs so ganz problemlos umzusetzen. Eigentlich hatten die Frauenärzte der damals 18-Jährigen keine Hoffnung gemacht. „Mehrere Ärzte haben mir gesagt, dass ich keine Kinder bekommen kann“, erinnert sie sich. Umso größer die Überraschung und Freude, als sie schwanger wird und mit 20 Jahren ihr erstes Kind, eine Tochter, zur Welt bringt. Allerdings freuen sich nicht alle. „Meine Familie und die meines Mannes waren am Boden zerstört, sie gaben unserer Ehe ein Jahr“, sagt sie und schmunzelt. Sie hat gut lachen, denn die Ehe hält jetzt seit 40 Jahren. Vier weitere Kinder, drei Mädchen und ein Junge, folgten, und dann begann Samira Rippegather Sozialpädagogik zu studieren.

Mit fünf kleinen Kindern ist das eine Herausforderung. „Als studierende Mutter wurde ich schon belächelt, aber ich habe es durchgezogen“, sagt sie. Obwohl sie gleichzeitig noch ihre Großmutter pflegt. Sie beginnt nach dem Studium in Teilzeit in der Jugendarbeit, wechselt dann aber in den Kindergarten. „Im Kindergartenalter kann man noch vieles zum Positiven lenken“, findet die heutige Leiterin des Kinder- und Familienzentrums „Pfiffikus“. Sie hat in Hardterbroich mit viel Engagement neben der Kita-Arbeit Theaterprojekte für das Quartier umgesetzt und eine spezielle Ogata ins Leben gerufen, „weil sie einfach gebraucht wird“.

Wie organisiert man den Alltag mit vielen Kinder und Beruf? „Wir hatten immer ein volles Haus. Freunde unserer Kinder haben bei uns übernachtet, und nicht selten saßen 20 Leute beim Frühstück“, erinnert sie sich. „Aber es gab feste Regeln, die für alle galten.“ Es existierte ein Plan, und jedes Kind war für einen Bereich zuständig: Bad, Wohnzimmer, Küche. „Der Verantwortliche musste nicht alles selbst wegräumen, aber darauf achten, dass die anderen es taten.“ Das funktionierte gut, denn wer nicht kooperierte, musste damit rechnen, dass er oder sie im eigenen Bereich auch keine Unterstützung der Geschwister bekam. Natürlich gab es auch Konflikte, aber sie wurden schnell bereinigt. „Wir hatten eine Heiße Runde“, berichtet Samira Rippegather. „Da hat jeder erzählt, was ihn echt nervt. Danach war die Luft rein.“ Obwohl sie alle dicht beieinander wohnen, fährt die ganze Familie einmal im Jahr zusammen weg. Reihum wird ein Ziel ausgesucht. „Dieses Jahr war mein Mann dran, er will immer in einen Freizeitpark. Wir waren mit 13 Personen in Rust. Es waren wunderschöne Tage.“

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