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Mönchengladbach: Büchermarkt in der Bürgerkirche Heilig Geist

Büchermarkt in Mönchengladbach : 15.000 Bücher vor dem Altar

Die Bücherkirche Heilig Geist bietet ein großes, hochwertiges Angebot an sehr gut erhaltenem Second-Hand-Lesestoff für die ganze Familie an. Jedes Taschenbuch kostet ein Euro, ein gebundenes Buch zwei Euro.

Der moderne, offen gestaltete Kirchenbau des katholischen Gemeindezentrums Heilig Geist ist Büchermarkt und liturgischer Ort zugleich: Die einzige Bücherkirche des Bistums Aachen verblüfft mit 15.000 sorgsam nach Sparten sortierten Bänden in Regalen, die sich um Kirchenbänke scharen. Unterhaltungsromane, Klassiker, Kunstbücher, Kinderbücher, antike Bücher, Bücher in englischer und französischer Sprache – im umfassenden Angebot ist für jeden, der gerne liest, etwas dabei. Taschenbücher kosten jeweils ein Euro, gebundene Bücher zwei; Kinderbücher sind für 50 Cent zu haben. DVDs und Gesellschaftsspiele ergänzen das Sortiment.

„Vor der coronabedingten Schließung haben wir zwischen 400 und 800 Bücher in der Woche verkauft. Jetzt kann unser Büchermarkt aufgrund der Lockerungen wieder langsam anlaufen“, sagt Marianne Lack. Sie ist eine von einer Handvoll Ehrenamtlern, die vor 19 Jahren den Grundstein für den heutigen Büchermarkt im Kirchenschiff legten. Mit vier kleinen Kartons Bücherspenden fing es an, die sie nach dem Sonntagsgottesdienst zum Verkauf vor die Kirche stellten. Mit den Jahren wurden es immer mehr Spenden und Nachlässe, darunter ganze private Bibliotheken, die zunächst die Regale von einem, dann von zwei Räumen des angrenzenden Gemeindehauses füllten. Als sich abzeichnete, dass noch ein dritter Raum nötig wurde, schaffte das Bücherteam rollende Regale an. „Der neue Raum war ein Multifunktionsraum, in den wir die Bücher an unserem Verkaufstag vom Flur hinein- und abends wieder hinausfuhren“, erinnert sich Lack.

Vor drei Jahren kamen den mittlerweile 15 Ehrenamtlern aus Mönchengladbach und Schwalmtal die Idee, ihr Büchersortiment auch im Kirchenbau zu präsentieren. Dies war allerdings nicht nur der Platznot im Gemeindehaus geschuldet. „Es kamen immer weniger Katholiken ins Gotteshaus. Da haben wir uns gefragt, wie wir Kirche wiederbeleben und attraktiver machen können“, erklärt Ehrenamtlerin Margarete Steins. Sie stellten ihr Konzept dem Bistum Aachen vor. Dort war man bereit, sich vor Ort eine Vorstellung des Ganzen zu machen. „Das Eis war schnell gebrochen; als die Delegation unsere Bücherauswahl sah, war sie baff. Man gab uns zunächst ein Jahr Probelauf für die Bücherkirche“, sagt Lack.

In einem nächsten Schritt möchten die Ehrenamtler nun ihren gesamten Büchermarkt im Kirchenschiff bündeln. Dazu bedarf es einiger Umbauten; so sind etwa Stelen angedacht, in die Bücher einsortiert werden können. Der Architekten des Bistums hat bereits grünes Licht signalisiert. Auch Lesungen, Leseveranstaltungen für Kinder und Ausstellungen sind geplant. Ebenfalls darf das hell und hochmodern gestaltete Café mit Außenterrasse bald wieder öffnen, zunächst allerdings nur mit einem Getränkeangebot: „Unsere beliebte Auswahl selbst gebackener Kuchen muss noch warten“, schmunzelt Lack.

Auf die Wiedereröffnung des Cafés freut sich auch Teresa Mordenti. Die Grundschullehrerin kommt seit zwei Jahren regelmäßig in die Bücherkirche. „Ich kaufe neben Kinderbüchern für die Familie und unsere Klassenbücherei auch immer einige Romane für mich selbst ein“, erzählt sie. Lack weiß, dass die Bücherkirche viele Stammkunden hat, die nicht nur zum Bücher kaufen kommen. „Viele sind auch da, um christliche Themen zu bereden, andere verbringen den ganzen Einkaufstag im Café, plaudern mit den anderen Besuchern.“ Und Steins ergänzt: „Unser Gemeindezentrum ist ein offener Ort der Begegnung und sozialer Treffpunkt für alle Altersgruppen. Diesen Ansatz möchten wir mit unseren vielfältigen Angeboten unterstreichen“, sagt Steins.

Neueingänge sortieren, die in der Regel fünf Prozent nicht mehr gut erhaltenen Bücher darunter vernichten, doppelte Bände an Einrichtungen wie das Mönchengladbacher Hospiz oder das Arbeitslosenzentrum weiterleiten: Zwei Stunden Arbeitszeit investiert jeder Ehrenamtler in die Bürgerkirche. Eine Arbeit, die sich lohnt – von den Einnahmen aus den Bücherverkäufen profitieren Streetworker- und andere Projekte, das Hospiz und viele weitere Initiativen. Eine Auflistung aller Empfänger hängt transparent im Gemeindezentrum aus. Ein sehr geringer Anteil der Erlöse fließt in Reparaturarbeiten an den Bücherregalen. „Wir machen Menschen zweifach glücklich – die einen können günstig Lesestoff bei uns kaufen, die anderen erhalten durch diese Einnahmen finanzielle Unterstützung. Das ist es, was uns motiviert“, sagt Lack.