Mönchengladbach: Babys brauchen kein Superfood

Ernährung in Mönchengladbach : Babys brauchen kein Superfood

Ernährung ist wichtig für junge Eltern, ob in der Schwangerschaft oder beim Brei. An der Hochschule Niederrhein beschäftigt sich ein Kompetenzteam damit – und will wissen, was Eltern wissen wollen.

Schon in der Schwangerschaft beginnen die Fragen: Was kann eine werdende Mutter essen, womit schadet sie vielleicht dem Baby? Nach der Geburt stellen sich ähnliche Fragen, wenn die Mutter stillt. Und dann das Thema Beikost: Ab wann wird zugefüttert, welche Zutaten in welchem Alter? Ernährung ist ein grundlegendes Thema in jungen Familien. Deswegen beschäftigt sich an der Hochschule Niederrhein im Bereich Ernährungswissenschaften auch ein Kompetenzteam unter der Leitung von Professor Christel Rademacher mit diesem Komplex und dem Informationsbedarf junger Eltern. Unter anderem hat das Team eine Onlinebefragung entworfen, an der junge Eltern teilnehmen können (siehe Infokasten).

Stefanie Becker, Master-Studierende im dritten Semester, hat bereits ausgewertet, welche Informationen im Internet auf Blogs oder über Facebook zur Verfügung gestellt oder abgefragt werden. In der Schwangerschaft treibt werdende Mütter zum Beispiel häufig die Frage nach dem Konsum von Energydrinks um. Erlaubt oder nicht? Die Ernährungswissenschaftlerinnen der Hochschule Niederrhein geben dazu eine klare Empfehlung: Energydrinks enthalten mehr Koffein als Kaffee und viele Kalorien – sie sollten während der Schwangerschaft und der Stillphase komplett gestrichen werden. Hin und wieder ein wenig Kaffee ist dagegen kein Problem. „Allerdings sollte eine Stillende den Kaffee erst nach dem Stillen trinken, sonst braucht sie sich über ein unruhiges Baby nicht zu wundern“, sagt die Professorin.

Auch die Ernährung im ersten Lebensjahr des Babys wirft heute für junge Eltern viele Fragen auf. Welche Beikost soll das Kind bekommen? Was soll es trinken? Wie viel Abwechslung auf dem Speiseplan braucht es? „In den ersten vier Monaten wird empfohlen, das Kind voll zu stillen“, sagt Rademacher. „Danach eignet sich Möhrenpüree als erste Beikost.“ Zu Beginn isst das Kind nur kleine Mengen, den Rest sollten die Großen essen. Denn ein Aufwärmen der angefangenen Gläschen ist nicht empfehlenswert. Wichtig: Das Thema Essen in Ruhe angehen. „Man braucht Zeit“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. „Die Technik des Essens ist für ein Baby nicht so einfach zu erlernen.“

Auch Kartoffel-Blumenkohlbrei ist bei ihrer Tochter sehr beliebt. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Und Abwechslung auf dem Speiseplan? Eher nicht, meinen die Expertinnen. Es muss nicht jeden Tag etwas anderes geben und auch keine exotischen Lebensmittel oder sogenanntes Superfood. „Babys müssen mehrfach probieren, um etwas zu mögen“, erklärt Rademacher. So entwickle sich die Geschmacksprägung. Es sei sinnvoll, sie langsam an Neues heranzuführen und nicht zu viele Zutaten zu verwenden. Und wie sieht es mit allergieerregenden Stoffen aus, Gluten zum Beispiel? „Man kann auch glutenreiches Getreide in der Babykost verwenden“, sagt die Professorin. Heute werde eher auf eine Konfrontation mit den Allergieerregern gesetzt statt auf eine Vermeidung. Von einer veganen Ernährung für Babys und Kleinkinder rät sie ab. „Im ersten Lebensjahr ist das gefährlich. Das Fehlen bestimmter Nährstoffe kann zu Entwicklungsverzögerungen und Störungen führen. Der kindliche Organismus hat noch nicht so viele Reserven.“ Im Zweifelsfall sei es immer sinnvoll, die Gewichtsentwicklung vom Kinderarzt kontrollieren zu lassen und sich von Fachleuten Hilfe zu holen, wenn das Kind nicht so zunimmt, wie es seinem Alter entspricht.

Wichtig ist Jansen, dass das Gemüse gut durchgekocht ist, damit es fein püriert werden kann. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Getränke sind ein weiteres großes Thema. Wenig überraschend: die Ernährungswissenschaftlerinnen halten nichts von Energydrinks oder Limonaden für Kleinkinder. Auch Saft aus der Nuckelflasche sollte vermieden werden, er schädigt die Zähne. „Zum Durststillen ist Wasser gut“, sagt Rademacher, „oder ungesüßte Früchtetees.“ Süße Getränke sollten die Ausnahme bleiben. Das Leitungswasser ist übrigens völlig ausreichend, wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann es für das Baby abkochen. Von Wasserfiltern dagegen rät die Expertin ab: Sie verkeimen schnell.

Das Kompetenzteam Kinderernährung will herausfinden, welchen Informationsbedarf junge Eltern haben und startet dafür eine Umfrage. Eltern können hier an der Umfrage zu Kinderernährung teilnehmen.

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