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Lehrerkolumne aus Mönchengladbach: Wir haben tolle Schüler

Lehrer Kolumne : Wir haben tolle Schüler!

Lehrer sind oft zu defizitorientiert, findet unser Autor.

Ich schaue durch den Raum. 80 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren sitzen dicht gedrängt in einem mit Matratzen ausgelegten Raum und lauschen gespannt und voller Vorfreude meinen Worten. Sie alle sind Schüler und Mitglieder in meiner AG, dem CodeClub. Ich, Felix Nattermann, bin leidenschaftlicher Lehrer am Gymnasium Am Geroweiher und Leiter dieser großen AG. Wie jedes Jahr waren wir in den Herbstferien wieder eine Woche lang unterwegs auf unserem CodeCamp, wo es neben unterschiedlichsten Programmiermodulen auch eine ganze Menge Freizeitangebote gab.

Meine erste Kolumne, lange habe ich überlegt, was ich hier schreiben möchte. Etwas über Helikoptereltern, über unselbständige Schüler, über die Schwächen des Schulsystems, ...? Nein! Wir Lehrer sind eh schon viel zu viel defizitorientiert. Nein, ich möchte diese Kolumne damit beginnen, wie großartig unsere Schüler sein können. Was sie schaffen, was sie leisten und was für tolle, soziale Menschen sie sind.

So sitzen wir im besagten Matratzenraum. Was für ein Moment. Noch vor sieben Jahren saß ich hier mit zwölf Leuten, inzwischen sind es 80. Sie alle freuen sich auf eine spannende Woche. Dafür opfern sie gerne eine Woche ihrer wohl verdienten Ferien. Ich halte derweil die große Eröffnungsansprache. Dann übernehmen die Schüler. Alex, 15 Jahre alt, ist der Co-Leiter des CodeCamps und hat das Programm fest in seinen Händen. Er hat zusammen mit anderen Schülern zig Workshops vorbereitet, die Zimmerverteilung gemacht, überlegt, welches IT-Modul in welchem Raum stattfindet und noch vieles mehr. Stets mit seiner Mappe bewaffnet, versammelt er regelmäßig die 80 Teilnehmer, sagt Workshops an, aber mahnt auch den Ordnungsdienst an, wenn es mal wieder nicht ganz so sauber im Haus ist. Er hat den Überblick, er weiß, was als nächstes ansteht.

Tobi, ebenfalls 15 Jahre alt, hat derweil sein Küchenteam fest im Griff. Er hat für die ganze Woche einen Essensplan erstellt, eingekauft und kocht jeden Tag an diesen für mich viel zu komplexen Großküchengeräten. Nur ganz selten betrete ich mal die Küche. Irgendwo zwischen all den zischenden und dampfenden Küchengeräten wirbelt gut gelaunt mit viel Musik die Küchencrew herum und kocht.

Ich könnte nie für 80 Leute kochen – Tobi und sein Team können das. Ich könnte noch über ganz viele weitere Schüler sprechen, die einen unser zahlreichen Dienste machen, über Schüler, die begeistert und mit viel Eifer das Programmieren erlernen, Trainer (ältere Schüler), die anderen Teilnehmern etwas beibringen und noch vieles mehr.

Wir haben tolle Schüler, und das sollten wir als Lehrer nie vergessen.